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Metabletica – Über die Wandlung des Menschen

Grundlinien einer historischen Psychologie

Details

Verlag Vandenhoeck & Ruprecht
Auflage/ Erscheinungsjahr 1960, dt. EA
Format Gr. 8°
Einbandart/ Medium/ Ausstattung OLwd. mit OU
Seiten/ Spieldauer 240 (1) Seiten
Abbildungen Mit 7 Bildtafeln, davon 1 farbig
ISBN SFB-001116_AQ

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Aus dem Aus dem Holländischen von Franz Mönks

Vorwort des Autors und gleichzeitig eine Einleitung

VORWORT ZUR ERSTEN NIEDERLÄNDISCHEN AUFLAGE

"Die Voraussetzung, daß der Mensch unveränderlich ist, beherrscht die gesamte Psychologie. Selbst die Neurosenlehre und die Lehre der Heilung neurotischer Störungen werden durch das stillschweigende Postulat der Unveränderlichkeit bestimmt: wer neurotisch wird, beeinträchtigt eigene Möglichkeiten, die Gesundung von der Neurose ist eine Beseitigung der Störung, nichts ging verloren und nichts wurde neu. Wieviel mehr bleibt dann der Gesunde gleich: wer in die Tropen geht, nimmt seine Art unverändert mit, unverändert kehrt er zurück in sein Vaterland. Nichts ist neu im menschlichen Leben, das ist das Postulat, auf das sich die Psychologie, von einigen Ausnahmen abgesehen, seit ihrem Ursprung stützt.
Dieses Buch geht von dem Postulat der Veränderlichkeit aus. Die unmittelbare Folge davon besteht in dem besonderen Interesse für die historische Vergangenheit. Ist für die Psychologie, die sich auf das Postulat der Unveränderlichkeit stützt, das Leben eines vorigen Geschlechtes eine Variation auf ein bekanntes Thema, so gestattet die Voraussetzung, daß das menschliche Leben ein veränderliches Leben ist, den Gedanken, daß frühere Generationen anders, und zwar wesentlich anders lebten. Mit diesem Gedanken ist die historische Psychologie im Prinzip gegeben.

Die historische Psychologie vergleicht früher und jetzt unter dem Gesichtspunkt der Veränderlichkeit. Sie fragt nach dem Sinn, der Bedeutung der Veränderungen. Unausweichlich wird diese Psychologie
dadurch zu der Frage nach der Bedeutung der Veränderungen geführt, die die Psychologie selbst kennzeichneten. So ist die historische Psychologie eine Lehre der Grundlagen. Bei jedem Grundgedanken der Psychologie stellt der historische Psychologe die Frage: welche Art des Lebens und Denkens machte diesen Gedanken notwendig? — und diese Frage ist eine Frage nach den Grundlagen.

Historische Psychologie ist nicht dasselbe wie Geschichte der Psychologie. Die Geschichte der Psychologie ist die Geschichte einer Wissenschaft, im Prinzip nicht unterschieden von der Geschichtsschreibung einer anderen Wissenschaft oder von der Geschichtsschreibung im allgemeinen. Der Historiker der Psychologie sucht Zeitabschnitte zu unterscheiden, Grundgedanken zu verfolgen und die Bedeutung einzelner Personen oder Schulen festzulegen, die in der Psychologie auftraten. Eine Lehre der Grundlagen ist nicht das erste Ziel eines Historikers. Ebensowenig versucht er die Psychologie aus dem Prinzip der Veränderlichkeit zu verstehen, wenn auch erst dieses Prinzip in der Lage ist, eine echte Geschichtsschreibung zu gewährleisten. Die Verwandtschaft der beiden Wissenschaften ist größer von der historischen Psychologie her. Als Lehre der Veränderungen beschäftigt sich die historische Psychologie mit früheren Zeitabschnitten der Psychologie.

Zur Vermeidung eines Mißverständnisses kommt in diesem Buch die Bezeichnung historische Psychologie nur in dem Titel vor. Um von Anfang an deutlich zu machen, daß es nicht um eine Geschichtsschreibung geht, ist die Bezeichnung überdies aus dem Haupttitel fortgelassen. Es geht um einen Versuch, die Psychologie aus dem Postulat der Veränderlichkeit zu verstehen. Es geht in erster Linie um einen andern Begriff des menschlichen Seins, den Begriff, der in der populären, wissenschaftlich wenig geachteten Überzeugung liegt, daß nichts so veränderlich ist wie der Mensch."

November 1956, Der Verfasser

Aus dem Inhalt

Vorwort

1. Kapitel. Die Notwendigkeit einer Lehre der Veränderungen

Der Ewigkeitscharakter der Psychologie des 19. Jahrhunderts  — Die verschwundene Gemütsruhe  — Der Psychologe lernte antworten — Kann der Psychologe antworten? — Niemand fragte — Martin Buber und ein modernes Unvermögen — Der Psychologe und das moderne Unvermögen — Wir wissen es nicht — Die beratende Psychologie: eine zweifelhafte Notbrücke — Was sind die Brückenpfeiler? — Metabletica  — Die Unausgeglichenheit des Buches.

2. Kapitel. Erwachsene und Kinder

§ 1. Das Kind früher und heute : Der pädagogische Umgang: ein nicht vorhandenes Thema — Der Rat Montaignes — Der Decamerone ist keine Kinderlektüre — John Lockes Ratschlag — Rousseaus gesunde Antwort — Was veranlaßte Rousseau? — Emils zweite Geburt — Das Erwachsenwerden: ein abwesendes Thema — Das Erwachsenwerden: eine abwesende Lebensphase? — Das Kind Theodore Agrippa d'Aubigne — Das Kind Blaise Pascal — Kleine Erwachsene? — Campes Klage über die forcierte Frühreife — Eine Frage der Begabung? — Das Kind ist Kind geworden — Welche Kräfte gewähren dem Kind die moderne Kindlichkeit?

§ 2. Die Erwachsenen: „Ich atme den Duft einer Rose ein und alsbald kommen mir verworrene Erinnerungen aus meinen Kinderjahren ins Gedächtnis" — Die Tatsachen: Gerüst der Vergangenheit — Unbekannte Vergangenheit — Wurde auch die nicht-persönliche Geschichte weniger zugänglich? — Vergangenheit ist Vergangenheit des Jetzt — Die Tatsachen haben Zugang, die Vergangenheit nicht — Die Folge der Diskontinuität — Die Polyvalenzen — Das Kind und die Polyvalenzen — Schwellen auf dem Wege zur Erwachsenheit — Die Unsichtbarkeit des Erwachsenenstandes: zweite Ursache der Kindlichkeit des Kindes und des erschwerten Erwachsenwerdens — Der unsichtbare Beruf früher — Wie wählt das Kind? — Was heißt wählen? — Eine fast anachronistische Laune — Die Unsichtbarkeit des Amtes macht eine Berufswahl unmöglich — Wählen auf Grund von Bestandsaufnahme  — Die vertrödelte Gegenwart — Die unsichtbare Ehe — Das verschlossene Schlafzimmer — Die dritte Eigenschaft.

§ 3. Die Kontinuität und die Fragesucht der Kinder: Lyells Gleichmäßigkeit — Darwin auf dem Galapagos-Archipel — Einst ist jetzt — Kontinuität — Die Größe eines Gedankens ist die Faßbarkeit seiner Auswirkung — Die Grundlagen einer wunderbaren Wissenschaft — Die Prinzipien Descartes' — Das letzte Prinzip war der erste Gedanke — Eine Frage der Wissenschaftlichkeit — Die Beweisführung Descartes'  — Der „Vergangenheits"-Charakter des Experiments — Der Foucault-sche Pendelversuch — Die Reduktion vom Pantheon — Über einige Reduktionen — Das Gesetz: Attribut der Vergangenheit — Homogenitäten des 19. Jahrhunderts — Der Vater Herbert Spencers —Gott in Verbannung — Abwesenheit ist eine der Eigenschaften Gottes geworden — Spencer und die Kinder nach ihm — Die [roten Herbstblätter — Wieder eine Schwelle — Warum schneit es ? -- Das Kind fragt — Eine leere Zukunft.

§ 4. Das Erwachsenwerden: Harte Stellen in Rousseaus Emil — Erwachsenwerden als Beweis des Abstandes zwischen jung und alt — Zunehmender Abstand — Der letzte (wenigstens neueste) Gewinn des Erwachsenwerdens — Ein verhängnisvoller Prozeß — Zurückgehende Erwachsene — Die Stunde des Mysteriums — Wie partizipiert das Kind? — „All das, was wir tun, wir tun's für die Kinder. Und die Kinder sind's, für die all das geschieht." — Die krassen Geschichten — Fremde Erwachsenheit — Das Eigene der kindlichen Welt — Eroberte Erwachsenheit — Ängstliche Eltern — Ist die Handlungsweise richtig, die am wenigsten auf der Hand liegt? — Gefürchtete Kinderfragen — Die Frage nach der Geburt — Die Frage nach der Sexualität — Die sexuelle Aufklärung erfolge nicht eher als in der Vorpubertät — Der Tod ist abwesend — Die toten Kinder — Das Glück — Vergänglichkeit: Index des Wertes — Spielplatz und „Schaumlöffel" — Verständnis als kleinste Kompensation.

§ 5. Der forcierte Ausweg: Lernschwierigkeiten auf der Volksschule — Lernschwierigkeiten auf der Oberschule — Lernschwierigkeiten beim Hochschulunterricht — Lernschwierigkeiten in der Gesellschaft — Fortdauernde Unerwachsenheit — Das Desiderat der Angepaßtheit — Was konform sein soll, kann getestet werden — Wann beginnt die (relative) Erwachsenheit? — Stadt und Land — Europa und Samoa — Ein endloser Prozeß? — Der forcierte Ausweg — Eine biologische Notwendigkeit? — Eine soziologische Ursache —Die Frustration — Die heutige Antwort auf die Frustration. Das Ende der Kompromisse, der verheiratete Adoleszent.

4. Kapitel. Das Wunder

Die Abwesenheit des Wunders — Die Abwesenheit Gottes — Gebotene Vorsicht — Die willigen Dinge — Der erste Versuch — Der zweite Versuch —- Der dritte Versuch — Ein richtiger Weg? — Zu menschlich? — Das Wunder: ein menschliches Geschehen — Wunder der Nähe und der Ferne — Die außerweltliche Tatsache — Ein zügelloser Tagtraum — Wunder und Mirakel — Contra naturam — Die verdorbene Tatsache — Die Glaubwürdigkeit des Wunders — Contra miraculum — Das Wunder: habituelle Art der Dinge — Störende Ehrlichkeit  — Sind alle Überlegungen dieses Kapitels bis hierher falsch? — Unschuldige Ehrlichkeit — Der metabletische Charakter des Wunders-

5. Kapitel. Das Subjekt und seine Landschaft

Projektion — Metaphysische Kunststücke — Die Melodie der Erinnerung — Die Wand oder das Gehirn? — Eine poetische Redensart? — Die Probe — Die Wand eines und die Wand aller — Unerlaubte Wahrheit — Eine einfache Krankengeschichte — Eine alltägliche Geschichte — Eine sachliche Ansprache — Das Verständnis des Neurotikers und das Verständnis des Nicht-Neurotikers — Die Worte des Experten — Eine notwendige Verbesserung — Minimale Verständigung — Der Körper und die minimale Verständigung — Der Beginn des Abmagerungsprozesses der menschlichen Verständigung — Luther — Lessing und Schleiermacher — Das notwendige Innere — Das lächelnde Innere — Ein anschwellendes Inneres — Die Landschaft — Das totale Innere und das total entfremdete Äußere.

Nachwort / Verzeichnis der Abbildungen

Pressestimmen

»Der Stil von van de Berg ist klar, hie und da sogar literarisch brillant. Seine Problemstellung ist scharf und wohl abgewogen (…) Mit ›Metabletica‹ hat van den Berg nicht allein bewiesen, daß er zu den originellsten Denkern der Niederlande gehört, sondern zugleich ein Gelehrter von europäischem Niveau ist.«

De Vacature

Zum Erhaltungszustand

Unser Exemplar in einem seinem Alter entsprechend guten bis sehr guten Zustand, innen frisch und ohne Anstreichungenm, Anmerkungen u. ä. Unter der Innenlasche des Schutzumschlags innen verborgen ein Namenseintrag des Erstbesitzers. Hier MIT dem empfindlichen Schutzumschlag, dieser mit kleineren Randläsuren.

Rezensionen

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