Bestelltelefon: 0800 588 78 30

Masse und Macht

Deutsche Erstausgabe

Details

Verlag Claassen
Auflage/ Erscheinungsjahr 1960, EA
Format 22,0 × 14,2 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Leinen m. SU
Seiten/ Spieldauer 568 (1) Seiten
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-007374_AQ

Kauf-Optionen

80,00 €


Merkliste

Mit Rabatt für Stammkunden

WG 2,7

Zu diesem Buch

„Nichts fürchtet der Mensch mehr als die Berührung durch Unbekanntes. Man will sehen, was nach einem greift, man will es erkennen oder zumindest einreihen können […] Alle Abstände, die die Menschen um sich geschaffen haben, sind von dieser Berührungsfurcht diktiert. […] Es ist die Masse allein, in der der Mensch von seiner Berührungsfurcht erlöst werden kann.“

Diese ersten Sätze aus Masse und Macht besagen nichts anderes, als daß der Mensch von Natur aus kein soziales Wesen sei. Nicht Empathie charakterisiert den Menschen, vielmehr die Furcht vor der Berührung diktiert sein Leben von Anbeginn. Befindet sich der Mensch in der Öffentlichkeit, verlangen zufällige Berührungen mit anderen Menschen nach einer Entschuldigung. Steht der Mensch im Aufzug, drängt er sich in eine Ecke, um nicht in Kontakt mit den Anderen zu geraten. Und das Einschließen in seine Häuser erscheint in dem Licht als ein Versuch des Menschen, sich dem bedrohlichen Fremden der Welt zu entziehen.

Einzig in der Masse, diesem von Affekten geleiteten amorphen Gebilde, verlieren Menschen ihre Furcht vor der Berührung, und es kann zu einem rauschhaften Zustand der „Entladung“ kommen, zu dem Moment, an dem alle „ihre Verschiedenheiten loswerden und sich als gleiche fühlen“: Beim Karnevalstreiben, im Fußballstadion oder im Rockpalast, in der Armee und bei vielen anderen Gelegenheiten, bei denen sich Menschen zu Großgruppen zusammenfinden. Der Verlust der emotionalen Autonomie wird dabei als befreiend empfunden, denn das Individuum steht jetzt nicht mehr alleine der chaotischen Welt gegenüber. Jetzt, da sich alle gleich fühlen, ist die Furcht vor dem Fremden innerhalb der Masse zwar aufgehoben, doch das Andersartige der Welt da draußen wird dem kollektiven Körper umso deutlicher bewußt. Das Andersartige bedroht das rauschhafte Gemeinschaftserleben der Masse, da es Alternativen zu dem Zustand der empfundenen, real freilich nicht bestehenden Gleichheit, aufscheinen läßt , mit denen die Illusion des Nicht-verantwortlich-in-Welt-sein-müssens sogleich wieder zerplatzt wäre.

Kein Buch trifft die Problematik der gegenwärtigen Gesellschaft so zentral wie Masse und Macht. Auf die Fragen: »Was ist Macht und was ist Masse? Wie verhalten sich beide zueinander?« gibt Canettis umfassende, aus schier unendlichem Material – anthropologischen, soziologischen und historischen Quellen – erwachsene Untersuchung in unabhängigen, kühnen Thesen Antwort – in bester Kenntnis der Psychoanalyse, aber hier durchaus tiefer und weiterdringend.

»Den Plan zu einem Buch über ›Die Masse‹ faßte ich schon 1925, als ich 20 war, also lange vor der ›Blendung‹. Ich schrieb mir schon damals viel dazu auf und sammelte von überallher Material. 1931 erkannte ich, daß ein solches Buch ohne eine ergänzende Studie der Macht wertlos bleiben müßte, und erweiterte den Plan. So hat das Buch mich eigentlich 35 Jahre begleitet und 20 davon, in England, habe ich mich ausschließlich darauf konzentriert.« (Elias Canetti)

Über den Autor

Elias Canetti wurde 1905 in Rustschuk / Bulgarien geboren, 1911 zog seine Familie nach England und 1913, nach dem Tod des Vaters, nach Wien. Hier studierte Canetti bis 1929 Naturwissenschaften und promovierte in Philosophie. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahre 1994 als freier Schriftsteller in Zürich. Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen bedacht. 1981 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Zu seinen herausragenden Werken zählt neben dem Roman Die Blendung seine Autobiographie, die in den Bänden Die gerettete Zunge, Die Fackel im Ohr und Das Augenspiel erschien, sowie seine gesammelten Aufzeichnungen aus den Jahren 1942 bis 1993, die in den Bänden Die Provinz des Menschen, Das Geheimherz der Uhr, Die Fliegenpein, Nachträge aus Hampstead und Aufzeichnungen 1992–1993 vorliegen.

Zum Erhaltungszustand

Im Fachantiquariat der SFB die deutsche Erstausgabe in einem wohlerhaltenen Exemplar und mit dem seltenen, von Ute Zeiger gestalteten Schutzumschlag. Innen sehr gut, offenbar allenfalls angelesen; das Papier altersbedingt minimal nachgedunket. Der Schutzumschlag mit nur minimalen Läsuren. - Selten.

Rezensionen

Sie sind eingeladen, Ihre Meinung zum Buch, durchaus auch eine vollständige Rezension, an dieser Stelle zu veröffentlichen. Wir behalten uns vor, unpassende Kommentare zu löschen.

  • 1

Der Artikel wurde in den Warenkorb gelegt.

weiterstöbern zum Warenkorb