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Masaryk erzählt sein Leben

Aus dem Tschechischen übersetzt von Camill Hoffmann. Exemplar aus dem Besitz der Nora Platiel (1896 bis 1979)

Details

Verlag Zürich, Büchergilde Gutenberg
Auflage/ Erscheinungsjahr 1935, (Erstausgabe der deutschsprachigen Übersetzung)
Format 8°, 21,3 × 13,7 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Leinwand mit Titelprägung
Seiten/ Spieldauer 335 Seiten
Abbildungen Mit Titelportr. u. einigen photogr. Tafeln
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-001440_AQ

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»Demokratie bedeutet Diskussion: die Menschen fangen an, Argumenten, nicht der Willkür oder gar Gewalttätigkeit zu folgen… Aber echte Diskussion ist nur dort möglich, wo die Menschen einander vertrauen und redlich die Wahrheit suchen. Demokratie ist ein Gespräch zwischen Gleichen, die Erwägung freier Bürger vor der ganzen Öffentlichkeit.«

Thomas Garrigue Masaryk, (1850 - 1937), tschechoslowakischer Staatsmann und Schriftsteller, Gründer des tschecho-slowakischen Staates, dessen Staatspräsident er von 1918 - 1935.

Leben und Werk Masaryks

"Masaryk stammte aus einfachen Verhältnissen. Er war Sohn eines slowakischen Kutschers auf kaiserlichen Gütern und einer Bauerntochter und Köchin aus Auspitz. Er bezeichnete seine Mutter später unterschiedlich als Deutsche, Hannakin oder Mährerin, sich selbst als Tschechen, als Mährer oder als Slowaken. Trotz dieses einfachen Hintergrunds konnte er mit Hilfe des damaligen Polizeidirektors von Brünn, Anton Ritter von Le Monnier, das deutsche Gymnasium in Brünn und später das Akademische Gymnasium in Wien besuchen. Danach studierte er von 1872 bis 1876 Philosophie in Wien (unter anderen bei Franz Brentano) und Leipzig (unter anderen bei Wilhelm Wundt), wo er auch Edmund Husserl kennenlernte. 1876 promovierte er, 1878 habilitierte er mit einer Schrift über den Suizid. 1879 wurde er Dozent in Wien, 1882 außerordentlicher und 1897 ordentlicher Professor in Prag.

Es gibt Spekulationen darüber, dass Masaryk der uneheliche Sohn einer hochgestellten Person gewesen sein könnte, eventuell sogar der Sohn Kaiser Franz Josephs, und deshalb in seiner schulischen und beruflichen Laufbahn intensiv protegiert wurde. Im Jahr 2017 wird ein DNA-Vergleich gemacht, um die Herkunft von Masaryk abzuklären.

1886 wurde er auf einen Schlag einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als er sich in den Streit um zwei angeblich aus dem Mittelalter stammende, in Wirklichkeit aber zu Anfang des 19. Jahrhunderts gefälschte Handschriften (Königinhofer Handschrift und Grünberger Handschrift) einschaltete. In der Zeitschrift Athenaeum ließ er die Gegner der Echtheit dieser Handschriften zu Wort kommen und vertrat vehement die Meinung, dass eine moderne Nation sich nicht auf eine erfundene Vergangenheit berufen solle. Ebenso entschieden verteidigte er 1899 in einem der letzten Ritualmordprozesse Mitteleuropas den jüdischen Angeklagten Leopold Hilsner.

Masaryk heiratete 1878 bei einem Amerikaaufenthalt die gleichaltrige US-Amerikanerin Charlotte Garrigue. Ihre gemeinsamen Kinder waren der früh verstorbene Maler Herbert Masaryk, der Diplomat und Politiker Jan Masaryk, die Soziologin Alice Masaryk und Olga Masaryk, die ihn nach 1914 ins Exil begleitete.

Politik: Inschrift am Haus der Tschechoslowakischen Exilregierung in Paris
1887 ging er in die Politik und gründete eine Gruppe unter dem Namen Die Realisten. 1891 wurde er für die so genannten Jungtschechen, eine tschechischnationale Partei, in den österreichischen Reichsrat gewählt, trat aber wegen Meinungsverschiedenheiten mit dieser Partei 1893 wieder zurück. 1900 gründete er die Realistische Partei, für die er von 1907 bis 1914 im Reichsrat saß.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs verfolgte er seine Pläne für einen eigenständigen tschechoslowakischen Staat und wurde damit ohne seine Absicht mit 64 Jahren zur Schlüsselfigur des beginnenden tschechischen Widerstandskampfes, an dessen Ende die Auflösung Österreich-Ungarns stand. Im September und Oktober 1914 unternahm er zwei konspirative Reisen in die Niederlande und im Dezember 1914 eine weitere nach Italien und in die Schweiz. In der Schweiz wurde er gewarnt, dass ihm bei der Rückkehr die Verhaftung drohe, so dass er mit seiner Tochter Olga im Ausland blieb. Von Genf aus begann er eine Exilbewegung zu bilden, die mit dem Prager Untergrund, in dem sich tschechische Politiker in einer „Maffia“ genannten Geheimgesellschaft zusammengeschlossen hatten, um den Gedanken der angestrebten staatlichen Selbstständigkeit zu popularisieren, in Verbindung stand und mit den Exilgruppen in Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Russland zu koordinieren war.

Im Herbst 1915 reiste Masaryk über Paris, wo sein engster Mitarbeiter Edvard Beneš war, nach London als dem politischen Zentrum der Alliierten. Am 14. November 1915 verkündete das Comité d'action tchèque à l'étranger, in dem sich die auslandstschechischen Organisationen zusammengeschlossen hatten, die Errichtung eines unabhängigen tschechoslowakischen Staates als ihr Ziel. Das Komitee wurde im Februar 1916 zum Tschechoslowakischen Nationalausschuss, dessen Vorsitz Masaryk übernahm. Es gelang ihm, die tschechoslowakische Frage international zum Thema zu machen. Auf Initiative Masaryks und des Nationalausschusses wurde eine auf Seiten der Alliierten kämpfende tschechoslowakische Exilarmee gegründet. Kurz nach der Februarrevolution 1917 übernahm Masaryk im Mai 1917 die Organisation der dortigen Exilarmee. Im Dezember 1917 erlaubte Frankreich auf seinem Territorium die Errichtung einer tschechoslowakischen Armee. Ab Februar 1918 sahen die Alliierten die tschechoslowakische Armee in Russland als Teil der in Frankreich zusammengestellten Truppen an. Während seines Russland-Aufenthalts begann Masaryk in Sankt Petersburg mit der Niederschrift seines politischen Programms, die er in den USA beendete: Das neue Europa. Zunächst sollte sie dazu dienen, den Soldaten „die prinzipiellen Probleme des Krieges klarzumachen“.

Von Mai bis Dezember 1918 gelang es Masaryk, die Alliierten von einer tschechoslowakischen Staatsbildung zu überzeugen. Frankreich akzeptierte als erster Alliierter am 29. Juni 1918 den Tschechoslowakischen Nationalausschuss als Grundlage einer künftigen Regierung, am 9. August 1918 folgte Großbritannien, am 3. September 1918 die USA. In Paris bildete Edvard Beneš am 14. Oktober 1918 den bisherigen Nationalausschuss als provisorische tschechoslowakische Regierung mit Masaryk als Ministerpräsidenten. Am 18. Oktober 1918 proklamierte Masaryk in der so genannten Washingtoner Deklaration (siehe auch Pittsburgher Abkommen) einen unabhängigen tschechoslowakischen Staat, indem er sich auf das Naturrecht, die Geschichte und die demokratischen Prinzipien der USA sowie Frankreichs berief. Der neue Staat sollte eine Republik mit parlamentarischer Regierungsform, garantierten Grundrechten der Bürger, der Trennung von Kirche und Staat, allgemeinem Wahlrecht, Gleichberechtigung der Frauen, Minderheitenschutz und weitreichenden sozialen Reformen wie der Enteignung des Großgrundbesitzes und der Abschaffung aristokratischer Vorrechte sein. Am 28. Oktober 1918 akzeptierte die österreichisch-ungarische Regierung Präsident Woodrow Wilsons Bedingungen für die Beendigung des Krieges und bot den sofortigen Waffenstillstand an, so dass dieser Tag offiziell als Gründungstag der Tschechoslowakischen Republik gilt.

Präsidentschaft: Am 14. November 1918 wurde er von der Tschechoslowakischen Nationalversammlung zum Präsidenten gewählt, am 21. Dezember 1918 kehrte er in die Tschechoslowakei zurück. In der Folge wurde ganz Böhmen, Mähren und Österreichisch Schlesien sowie ungefähr das Gebiet der heutigen Slowakei von tschechoslowakischen Truppen und Truppen der Alliierten als das Gebiet des neuen Staats Tschechoslowakei besetzt.

In den Nationalitätenkonflikten vertrat er als Verfechter eines liberalen und demokratischen Humanismus zwar eine gemäßigte Richtung, konnte aber die Scharfmacher in der tschechischen Fünf-Parteien-Regierung nicht zu einem Ausgleich mit den großen Minderheiten von Deutschen, Slowaken, Ungarn und Ukrainern bewegen. In einem bis in die Gegenwart zitierten Interview[9] während der Verhandlungen, die zum Vertrag von St. Germain führten, äußerte er sich jedoch so ungeschickt, dass sich die deutsche Minderheit, zumal von Truppen besetzt, vor allem durch die Verwendung der Begriffe „Entgermanisierung“ und „Landesfremde“ bedroht fühlen konnte: „(...) unsere geschichtlichen Grenzen stimmen mit den ethnographischen Grenzen ziemlich überein. Nur die Nord- und Westränder des böhmischen Vierecks haben infolge der starken Einwanderung während des letzten Jahrhunderts eine deutsche Mehrheit. Für diese Landesfremden (franz. „étrangers“) wird man vielleicht einen gewissen modus vivendi schaffen, und wenn sie sich als loyale Bürger erweisen, ist es sogar möglich, dass ihnen unser Parlament (…) irgendeine Autonomie zugesteht. Im übrigen bin ich davon überzeugt, dass eine sehr rasche Entgermanisierung dieser Gebiete vor sich gehen wird“ (Le Matin, Paris, 10. Januar 1919). Unter anderem blieb entgegen allen Versprechungen von 1919 Tschechisch die einzige Staatssprache.

Masaryk wurde insgesamt dreimal wiedergewählt (1920, 1927 und 1934) und war lange die dominierende Persönlichkeit des neuen Staates. Außenpolitisch lehnte er sich an Großbritannien und Frankreich an. Nach seinem Rücktritt am 14. Dezember 1935 folgte ihm Edvard Beneš nach.
Im Zuge der Stabilisierung der Tschechoslowakischen Republik ab Mitte der 1920er Jahre erwarb sich Masaryk, dessen Muttersprache auch Deutsch war, ein gewisses Ansehen auch bei Teilen der sudetendeutschen Bevölkerung und wurde damit zu einem der wenigen integrativen Faktoren des neuen Staates, was anlässlich seines 70. Todestages auch im tschechischen Rundfunk hervorgehoben wurde.

Wirkung: Als Philosoph und überzeugter Demokrat entwickelte er zum Teil utopische Ideen über die Entstehung eines „neuen Menschen“ durch eine bessere Gesellschaft. Als notwendige Grundlage hierfür erachtete er ein christlich-soziales Weltbild, in dem allerdings Religion „vom Staate und der Willkür absolutistischer Dynastien frei“ sein sollte: „Jesus, nicht Caesar − so lautet die Losung des demokratischen Europas (...). Dem Staat galt sein grundsätzliches Misstrauen, weil er der Nation als demokratische Organisation entgegenstehe. In der Nation sei jeder Einzelne dazu berufen, sich zur Geltung zu bringen; „der Staat ist eine aristokratische, Zwangsmittel anwendende, unterdrückende Organisation: demokratische Staaten sind erst im Entstehen begriffen“. Das Scheitern dieser Vorstellungen in „seinem“ Land – nicht zuletzt wegen des ungelösten Nationalitätenproblems – erlebte er nicht mehr. Neben vielen anderen waren der Autor Max Brod, Thomas Mann sowie der Philosoph und Journalist Felix Weltsch Kenner der Schriften Masaryks.

Die 1919 gegründete Masaryk-Universität in Brünn trägt seinen Namen, auch die Motorsport-Rennstrecke Automotodrom Brno sowie ihr Vorgänger sind in Tschechien als Masaryk-Ring (tschechisch Masarykův okruh) bekannt. In Prag wurde der älteste Bahnhof erstmals 1919 nach ihm benannt und trägt auch heute wieder den Namen Praha Masarykovo nádraží. Außerdem war er maßgeblich an der Gründung der School of Slavonic and East European Studies beteiligt, einem Teil der Londoner Universität.

Der Schweizer Jurist Radan Hain nannte 2002 T. G. Masaryk eine überragende, aber im Westen wenig bekannte Persönlichkeit der modernen europäischen Geschichte.[13] Inzwischen gibt es zum Beispiel auf Deutsch neben Radan Hains Arbeit über Staatstheorie und Staatsrecht in Masaryks Ideenwelt von 1999 eine Studie von Dalibor Truhlar über Masaryks Philosophie der Demokratie (1994) und eine 2008 publizierte Arbeit von Frank Henschel, in der Masaryks Europaidee mit Friedrich Naumann und dessen 1915 veröffentlichten, ganz anders gelagerten Vorstellungen von Mitteleuropa unter deutscher Vorherrschaft verglichen wird. 2003, zum 85. Jahrestag der Gründung der tschechoslowakischen Republik, nannten die Tschechen bei Umfragen nach ihrem größten Landsmann an erster Stelle Masaryk, Jan Hus oder Karl IV. Nach ihm wurde die Avenida Presidente Masaryk in Mexiko-Stadt benannt."

Quelle: Wikipedia

Zur Vorbesitzerin dieses Exemplars

"Eleonore Block wurde als achtes von zehn Kindern des jüdischen Ehepaars Therese und Bendix Block, Besitzers eines Bekleidungsgeschäftes für Bergarbeiter, in Bochum, geboren. Sie musste nach dem frühen Tode des Vaters ihre Schulausbildung zeitweise unterbrechen und arbeitete unter anderem als Sekretärin für Helene Stöcker und den Deutschen Bund für Mutterschutz und Sexualreform. Nach dem Abitur trat Nora Platiel 1922 der SPD bei und schloss sich einige Jahre später dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund ISK an. Sie studierte Rechtswissenschaften, Philosophie und Volkswirtschaftslehre in Frankfurt/Main und Göttingen, und schloss ihr Studium mit der Promotion ab. Anschließend absolvierte sie ihr Referendariat in Kassel und war ab 1931 als Rechtsanwältin in Bochum tätig und vertrat hierbei auch Gegner der NSDAP und war für die Rote Hilfe aktiv.

Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 floh sie nach Frankreich, wo sie in der ISK-Gruppe in Paris und in Flüchtlingshilfeorganisationen aktiv war und u.a. für die Exilzeitschrift Das Neue Tage-Buch arbeitete. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges zeitweise im Camp de Gurs inhaftiert, floh sie von dort zunächst nach Montauban, wo sie in der Illegalität lebte und ihren späteren Ehemann Hermann Platiel kennen lernte; von dort aus floh sie 1942 in die Schweiz, wo sie bis 1943 erneut interniert war. Im Oktober 1944 wurde Ihr Bruder Max Block im KZ Auschwitz ermordet. In der Schweiz war sie in den folgenden Jahren bis zu ihrer Rückkehr 1949 zunächst ehrenamtlich und ab 1946 hauptamtlich für das Schweizer-Arbeiter-Hilfswerk tätig.

1949 ließ sich Nora Platiel in Kassel nieder, wo sie der SPD wieder beitrat und als Landgerichtsrätin arbeitete, 1951 wurde sie die erste Landgerichtsdirektorin Hessens am Oberlandesgericht in Frankfurt. Bei der Landtagswahl 1954 wurde die Spezialistin für Rechts- und Kulturpolitik erstmals in den Hessischen Landtag gewählt, dem sie bis 1966 angehörte, von 1960 bis 1966 als stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion."

Quelle: Wikipedia

Erhaltungszustand

Das hier angebotenen Exemplar in einem guten bis sehr guten Erhaltungszustand; innen frisch und ohne Anstreichungen, Anmerkungen oder Stempel. Die Buchschnitte minimal nachgedunkelt. Auf dem Schmutztitel oben rechts der Namenszug der Erstbesitzerin Nora Platiel in Tinte.

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