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Judith Le Soldat-Stiftung; Gsell, Monika (Hg.)

Judith Le Soldat: Werkausgabe - Vorlesungen zu einer neuen psychoanalytischen Theorie der Homosexualität

Band 2: Auf der Suche nach einer neuen psychoanalytischen Theorie der Homosexualität

Details

Verlag frommann-holzboog
Auflage/ Erscheinungsjahr 12.02.2018
Format 21 × 14,8 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 336 Seiten
Abbildungen 16 Abbildungen
Gewicht 430
ISBN 9783772826825

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Zu diesem Band der Ausgabe

Kritisch ediert, kommentiert und eingeleitet von Monika Gsell.

Judith Le Soldats (1947–2008) Beitrag zur Weiterentwicklung der psychoanalytischen Theorie beinhaltet eine grundlegende Revision der klassischen Auffassung des Ödipuskomplexes und, darauf aufbauend, eine neue psychoanalytische Theorie der Homosexualität.

Die auf 5 Bände angelegte, mit editorischem Kommentar und Schlagwortverzeichnis versehene Werkausgabe macht Le Soldats Schriften in ihrem konzeptuell eng aufeinander bezogenen Zusammenhang zugänglich. Sie umfasst die Erstveröffentlichung der beiden aus dem Nachlass herausgegebenen Bände zur Homosexualität, legt die vergriffenen Monografien von 1989 und 1994 neu auf und versammelt die in verschiedenen Zeitschriften erschienenen Artikel in einem Band.

Aus der Einleitung der Herausgeberin

Is this the real life? Is this just fantasy?
Caught in a landslide, no escape from reality.

"So beginnt eine theoretische Abhandlung für gewöhnlich nicht, und so ist es denn auch keine gewöhnliche Abhandlung geworden, sondern ein psychoanalytisch-literarisches Roadmovie. In diesem Roadmovie macht sich eine Ich-Erzählerin – sie ist Psychoanalytikerin – mit ihrer Invicta 4 (Name einer britischen Automarke, A.d.R.) auf den Weg. In ihrem Gepäck befinden sich theoretische Literatur über Homosexualität, antike Mythen, klinisches Fallmaterial, Bilder, Musik. Die Reise führt sie – scheinbar planlos – in einer Art Kreisbewegung von Zürich aus nach Westen an den Neuenburgersee, von dort nach Süden durch das Aostatal Richtung Alessandria, wo sie kurzentschlossen noch einmal einen Abstecher nach Nordosten macht, um schliesslich, nach einem Mittagessen in Cernobbio, wieder nach Süden weiterzufahren.

Sie wollte sich in einem römischen Museum ein Gemälde anschauen, das für das Buch, an dem sie gerade arbeitet – es handelt sich um eine Theorie der männlichen Homosexualität – von grosser Bedeutung war. Das besagte Gemälde bekommt sie dann zwar in Rom nicht zu sehen – stattdessen erfahren wir dessen Geschichte: wie es entstanden ist, was darauf überhaupt zu sehen ist, welche geheimen Verbindungen es zu Vergils Verserzählung und zu Goethes Italien-Reise unterhält, und vor allem natürlich, weshalb dieses Gemälde für die Ich-Erzählerin so bedeutsam ist: weil es nämlich genau dieselbe Geschichte darstellt, um die es in dem von ihr geplanten Buch gehen soll. Es geht um die Darstellung einer inneren Entwicklung, die man – subjektiv und unbewusst – als eine Reise empfindet.

Auf dieser Reise wird eine Grenze überschritten, und man findet sich fortan in einem Land wieder, aus dem es keine Rückkehr gibt. Bei dieser Reise handelt es sich um nichts anderes als um die innerpsychische Entwicklung zur Homosexualität – zumindest war das die ursprüngliche Annahme der Autorin.

»Homosexuell werden« würde demnach bedeuten, eine ganz bestimmte innere Entwicklung durchlaufen zu haben, an deren Ende man »am anderen Ufer« ist – wie es die Alltagssprache formuliert und damit, gemäss Le Soldat, dem unbewussten inneren Empfinden präzisen Ausdruck verleiht.

Dass es sich in Tat und Wahrheit sehr viel komplizierter verhalten würde, entdeckte Le Soldat erst nach und nach: Denn zuerst beobachtet hatte sie diese innere Entwicklung bei einigen ihrer homosexuellen Patienten. Sie nahm deswegen zunächst an, dass es sich um eine spezifisch homosexuelle Entwicklung handelt resp. um die Entwicklung zur Homosexualität. In der Phase der klinischen Überprüfung und Verfeinerung ihrer Hypothesen zu dieser Theorie der Homosexualität stellte sie aber zweierlei fest: einerseits durchlaufen nicht alle Menschen, die später homosexuell werden, diese Entwicklung. Andererseits stellte sie fest, dass es durchaus auch heterosexuelle Menschen gibt, bei welchen sich die charakteristischen Merkmale dieser inneren Entwicklung beobachten liessen: das subjektive
und unbewusste Empfinden, eine Grenze überschritten zu haben."

Inhalt dieses Bandes

Editorische Einleitung

  • Zum vorliegenden Band
  • Textgrundlagen der Edition und Datierungsfragen
  • Verzeichnis der Abkürzungen und Kennzeichnung der Materialien
  • Editionsprinzipien 
  • Danksagung
  • Land ohne Wiederkehr

1 Ankunft in Arkadien

  • I [Beginn der Reise – Zwischenhalt am Comer See]
  • II [Bildbeschreibung] 
  • III [Über Barbieri, seine Kunst und den Auftraggeber des Bildes] 
  • [IV] [Zwei Versionen des Arcadia-Motivs von Nicolas Poussin] 
  • V [Das Motiv in bildender Kunst und Literatur]
  • VI [Das Arkadien-Motiv als memento mori] 
  • VII [Arkadien als Chiffre für ein verlorenes Glück]
  • VIII [Goethes Arkadien] 
  • IX [Wer spricht?] 
  • X [Vergils Arkadien: kein Ort, nirgends]
  • XI [Wer oder was ist »Daphnis«?] 
  • XII [Arkadien als Nachher-Land]
  • XIII [Die Inschrift, in Stein gehauen]
  • XIV [Sprechende Gräber und Köpfe auf Erdhügeln]
  • XV [Künstlerische Gestaltung eines schwulen Konfliktes] 
  • XVI [Die Hammerschläge des Lithurgen] 
  • XVII [Arkadien – kein Land der Sehnsucht]
  • XVIII [Latente Assoziationen zu »ARCADIA«] 
  • XIX [Die latente Bedeutung von »et ego in Arcadia«]
  • XX [Der schöne Daphnis und der grausige Totenkopf]
  • XXI [Phantasien von homosexuellen Praktiken] 
  • XXII [Guercino und Poussin: latente Unterschiede] 
  • XXIII [Die Frage der Autorschaft] 

2 Alles ist wahr geworden 

  • I [Ingeborg Bachmann und ein Song der Queen]
  • II [Vogel – Flügel – Fliegen – Gewalt – Vergewaltigen]
  • III [Der innere Aufruhr] 
  • IV [Die Prometheus-Sage] 
  • V [Unterschiedliche Analyseverläufe] 
  • VI [Besonderheiten in der Analyse mit schwulen Patienten]

3 Die Umlautkrise 

  • I [Ankunft in Czernowitz] 
  • II [Freud zur Homosexualität] 
  • III [Der Traum von den Buchsbaumzweigen] 
  • IV [Assoziationen zum Traum von den Buchsbaumzweigen]
  • V [Der Garten in den Lüften]
  • VI [Todesfuge]
  • VII [Kastration der Mutter: Abwehrmassnahmen und Symptombildungen]
  • VIII [Vaterübertragung – Phase der Verliebtheit]
  • IX [Das Ende der ödipalen Liebe zum Vater und der Übergang in die schwule Welt]
  • X [Der Apoll-Komplex] 
  • XI [Sehnsucht nach der Fluchtkultur]
  • XII [Das Phänomen des Strukturwiderstands]
  • XIII [Zur terminologischen Unterscheidung von »homosexuell« und »schwul«]
  • XIV [Der Wunsch, ein »Jenseitiger« zu sein]

4 Tagebuch der Liebesarten

  • I [Ankunft in Odessa]
  • II [Puschkins Liebesgedicht]
  • III [Spezifische Abwehrformationen gegen die Phantasie der kastrierten Mutter]
  • IV [Folgen des Schismas: Abwehrmassnahmen und Symptombildungen]
  • V [Reaktivierungen der ödipalen Vater-Liebe vor und nach dem Schisma]
  • VI
  • VII
  • VIII
  • IX [Innere Einsamkeit]
  • X [Ekel im Kontext der analen Beute]
  • XI [Reaktivierung der Begegnung mit Apoll]
  • XII [Drei Fallvignetten: Unterschiede in der Reaktivierung des Apollkonflikts]
  • XIII [Der Tod; Schwarzer Peter spielen]
  • XIV
  • XV [Orpheus und Eurydike]
  • XVI [Der Mond holt die Sonne ein]
  • (XIII) [Die Klage der Thetis; das homerische Gelächter]

5 Nachtbuch der Lügen

  • I
  • II [Die Klage der Thetis; das homerische Gelächter]
  • III [Apelles-Artikel]
  • IV [ff. Apelles-Artikel]
  • V

6 masculin/féminin

  • I [Abschied von Odessa] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 355
  • XV [Die Klage der Thetis; das homerische Gelächter]
  • II

7 Der Strich des Apelles
8 Es ist Zeit

  • I Spielregeln
  • II
  • III
  • IV

Anhang

  • Materialien aus dem Nachlass
  • Abbildungen
  • Abbildungsverzeichnis
  • Werkverzeichnis Judith Le Soldat
  • Literaturverzeichnis
  • Glossar: Link zur Online-Ressource
  • Register

Über die Autorin

Judith Le Soldat (1947–2008) ist in Budapest geboren und in Zürich aufgewachsen. Sie studierte an der Universität Zürich Psychologie und promovierte 1978 bei Ulrich Moser mit einer theoretischen Arbeit zur psychischen Regulation des Selbstwertgefühls. Ihre Ausbildung zur Psychoanalytikerin absolvierte sie am Psychoanalytischen Seminar Zürich (PSZ), unter anderem bei Fritz Morgenthaler und Paul Parin. 1975 nahm sie ihre Tätigkeit als Psychoanalytikerin in eigener Praxis auf und begann am PSZ zu unterrichten. Parallel zu ihrer klinischen Tätigkeit arbeitete Le Soldat an einer eigenständigen und systematischen Weiterentwicklung der psychoanalytischen Triebtheorie: 1989 erschien ihre erste Monografie, die sich mit der gesellschaftlichen Tabuisierung der Aggressionslust und der Wirkung von ungebundener Aggressionsenergie in psychischen Strukturbildungsprozesen beschäftigte.

1994 legte Le Soldat eine grundlegende Revision der psychoanalytischen Auffassung der ödipalen Entwicklung vor. Ab 1996 arbeitete sie an einer neuen, auf ihren bisherigen klinischen und theoretischen Erkenntnissen basierenden psychoanalytischen Theorie der Homosexualität. Zu dieser Theorie gibt es zwei bisher unveröffentlichte Manuskripte, die als Band 1 und 2 der Judith Le Soldat-Werkausgabe erscheinen werden.

Rezensionen

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