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Ist die Aggressivität ein Übel?

Eine psychoanalytische Neuorientierung

Details

Verlag Stockholm, Albert Bonniers Förlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 1939, EA /Exilausgabe
Format Gr.-8°
Einbandart/ Medium/ Ausstattung OBrosch., unbeschnitten
Seiten/ Spieldauer 187 (4) Seiten
ISBN 00145-AQ

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Typographisch gestalteter Original-Karton. Erste Ausgabe (Grinstein IV, 28947; nicht im Dt.Exilarchiv). Bedeutender Gegenentwurf zu Freuds Trieblehre und Hauptwerk der schwedischen Psychoanalytikerin, die zeitweise auch in Hamburg und Wien gewirkt hatte. Eine schwedische Übersetzung dieser Arbeit erschien erst 1945.

Zu diesem Buch

"(...) In der psychologischen Wissenschaft ist Freud bahnbrechend gewesen durch die Untersuchungen über die Dynamik der menschlichen Seele. Durch sein Aufzeigen der Bedeutung der frühinfantilen Erlebnisse für die Gesundheit des Individuums sind uns größere Möglichkeiten gegeben, psychischen Krankheiten vorzubeugen.

In der psychoanalytischen Technik haben wir ein ausgezeichnetes Mittel zur Erforschung der menschlichen Psyche. Ich bin überzeugt, daß wir dieses Instrument auch nach Freuds eigener Ansicht nicht besser anwenden können, als mit dessen Hilfe zu neuen Wahrheiten vorzudringen - auch wenn diese im Widerspruch zu den Lehren des alten Meisters stehen sollten. (...)

Bei der unvoreingenommenen Deutung des Materials, das sich aus den Analysen ergab, kamen wir oft zu einem Resultat, das den Freudschen Theorien widersprach. Wir haben Freuds Lehre in einigen wichtigen Punkten irreführend gefunden. Insbesondere gilt dies für die Lehre von der Sxualhemmung als der tieferen Ursache der Neurosen und Perversionen und für seine Theorie vom Todestrieb, welche u.a. besagt, daß die Aggressionen in allen Fällen destruktiv sind."

Aus dem Vorwort der Autorin

Aus dem Inhalt

  • Die psychoanalytische Trieblehre
  • Der Selbsterhaltungstrieb
  • Der Ödipuskomplex und die Entstehung des Über-Ichs
  • Ein Kinderspiel in „Jenseits des Lustprinzips"
  • Die Angst vor dem Tode
  • Die Libidoentwicklung
  • Die Ich-Schwäche
  • Die neurotische Spannung
  • Psychopathen und Perverse
  • Verbrecher
  • Eine Traumdeutung
  • Bemerkungen zur Therapie.

Die Autorin

"Emma Victoria (Tora) Sandström (1886-1949) wurde im schwedischen Arnäs als Tochter des Landwirts Johan Sandström und seiner Frau Katarina Charlotta Carlsson geboren. Sie ging in Stockholm zur Schule und absolvierte danach in Hamburg eine Ausbildung zur Lehrerin. Nachdem sie einige Jahre als Lehrerin an verschiedenen Schulen gearbeitet hatte, begann sie 1915 ein Philosophiestudium bei Adolf Phalén in Uppsala, das sie mit einer Abhandlung über Leibniz abschloss.

Ende der 1920er Jahre ging Tora Sandström nach Wien, um sich zur Psychoanalytikerin ausbilden zu lassen. Ohne Sigmund Freud begegnet zu sein, kehrte sie nach Schweden zurück und machte eine Analyse bei Alfhild Tamm, eine weitere bei dem Norweger Harald Schjelderup. 1931 nahm sie am ersten Treffen der skandinavischen psychoanalytischen Arbeitsgruppe in Stockholm teil und wurde 1934 Mitglied der Finsk-Svenska Psykoanalytiska Förening, deren Sekretärin sie von 1937 bis 1945 war.

1935 erschien ihre Pionierarbeit der psychoanalytischen Biografik über die schwedische Erzählerin Victoria Benedictsson, die ihre Werke unter dem Pseudonym Ernst Ahlgren veröffentlichte und nach einer unglücklichen Liebesaffäre mit dem dänischen Literaturkritiker Georg Brandes Selbstmord beging. Tora Sandström hob in ihrer Studie, in der sie die Ansätze Sigmund Freuds und Alfred Adlers kombinierte, die unaufgelösten oral-aggressiven Konflikte der Erzählerin hervor, die ihre Rolle als Frau nicht akzeptieren konnte. Benedictssons Männlichkeitskomplex und latente Homosexualität seien in dem Wunsch ihrer Eltern nach einem Sohn anstelle der Tochter begründet.

Mitte der 1930er Jahre eröffnete Tora Sandström eine psychotherapeutische Privatpraxis in Stockholm. Sich immer weiter von Freuds Ansichten entfernend, formulierte sie 1939 in ihrer Schrift Ist die Aggressivität ein Übel? eine eigene, biologisch verankerte Neurosenlehre, in der sie die Aggression auf Kosten anderer Trieb- und Libidoäußerungen in den Vordergrund stellte. Ihr zufolge entstehen Neurosen durch mangelnde Selbstbehauptung bzw. Aggressionshemmungen in der Kindheit. Tora Sandström griff Ideen Melanie Kleins, Wilhelm Reichs und der zeitgenössischen Freiheitspädagogik auf und ermunterte ihre Patienten, aggressive Impulse auszuagieren. (Artikelanfang)

In den 1940er Jahren griff Tora Sandström als einzige Frau in die Debatte über Einsteins Relativitätstheorie ein, unter anderem mit einem Verriss der Einsteinkritik ihres früheren Lehrers Adolf Phalén. Ihr eigenes, eher idealistisch gefärbtes philosophisches Weltbild beschrieb sie in ihrem posthum erschienenen Buch Rum, tid och medvetande [Raum, Zeit und Bewusstsein].
Trotz ihrer kritischen Haltung blieb Tora Sandström bis zu ihrem Tod Mitglied der Svenska Psykoanalytiska Föreningen.

Auswahlbibliographie

  • En psykoanalytisk kvinnostudie [Eine psychoanalytische Frauenstudie]: Ernst Ahlgren - Victoria Benedictsson. Stockholm 1935
  • Ist die Aggressivität ein Übel? Eine psychoanalytische Neuorientierung. Stockholm 1939 [Självhävdelse och neuros. En psykoanalytisk nyorientering. Stockholm 1945; 2. überarb. Aufl. u. d. Titel: Självhävdelse och neuros. En kausalanalytisk nyorientering. Stockholm 1949]
  • Begreppsanalys på avvägar: Randanmärkningar till Adolf Phaléns kritik av relativitetsteorin [Begriffsanalyse auf Abwegen. Anmerkungen zu Adolf Phaléns Kritik der Relativitätstheorie]. Stockholm 1944
  • Vi har alla en Hitler inom oss [Wir alle tragen Hitler in uns]. In G. Harding et al.: Känn dig själv. Radioföredrag 1947-1948. Stockholm 1948, 41-61
  • Aggressionsproblemet. Samtid och framtid - Tidskrift för idépolitik och kultur 6, 1949, 362-366
  • Medvetet och undermedvetet [Bewusstes und Unbewusstes]. Hörde 2 (3), 1949, 185-191
  • Rum, tid och medvetande [Raum, Zeit und Bewusstsein]. Stockholm 1950."

Quelle: Die ausnehmend kundig edierte und hiermit empfohlene Internetseite https://www.psychoanalytikerinnen.de/skandinavien_biografien.html

Zum Erhaltungszustand

Unser Exemplar in ausnehmend guter Erhaltung; offenbar ungelesen und entsprechend ohne Unterstreichungen, Anmerkungen o.ä., mit einem schönen Exlibris des Erstbesitzers und dessen Stempel rechts oben auf dem Vorsatz. Selten.

Rezensionen

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