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Inniger Schiffbruch

Autobiographischer Roman in 18 Stationen

Details

Verlag Matthes & Seitz Berlin
Auflage/ Erscheinungsjahr 28.02.2020
Format 14,1 × 3,8 × 21,8 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 360 Seiten
Gewicht 580
ISBN 9783957578389

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25,00 €


Merkliste

Was geschieht, wenn die eigenen Eltern sterben? Wenn aufgefundene Briefe und Aufzeichnungen ein neues Licht auf Vater und Mutter werfen?

Zu diesem Roman

Die Beschäftigung mit dem Nachlass seines verstorbenen Vaters ruft im Erzähler von Frank Witzels autobiografischem Roman Erinnerungen an eine Kindheit wach, in der das Fernsehen den Vorabend erfindet. Eine Kindheit voller Disziplinierungsmaßnahmen wie Hausarrest, Tonband- und Fernsehverbot, in der die Eltern ihrem Kind unwissentlich den Schrecken der einst selbst erlittenen Trennung als unentwegte Drohung weitergeben. Eine Kindheit, in der ein Sonntag klar strukturiert, die Kittelschürze für die Hausfrau unabdingbar und die von Erwachsenen erdachte Mondfahrt Peterchens ein Horrorszenario ist wie das der Mainzer Fastnacht. Wie sehr sich das individuell Erlebte und kollektiv Erfahrene gegenseitig durchdringen, zeigt sich, wenn Witzel gerade nicht die inszenierten Bilder aus dem Familienalbum »Unser Kind«, sondern vielmehr die ausgesonderten Aufnahmen mit der Frage zur Hand nimmt, ob nicht sie es sind, die Auskunft darüber geben können, wie etwas wirklich gewesen ist. Im unentwegten Zweifel am Wahrheitsgehalt der eigenen Erinnerungen zeigt sich Frank Witzel einmal mehr als ein so nahbarer wie begnadeter Erzähler, dem es gelingt, über das Persönliche die Verfasstheit einer Nachkriegsgesellschaft in der neuen BRD zu erfassen.

Die Kapitel

Leseprobe

Pressestimmen

"(...) Auch in seinem neuen Roman „Inniger Schiffbruch“ schöpft Frank Witzel seine Literatur aus dem eigenen Erleben. In seiner Generationengeschichte ist der Leser buchstäblich mit dabei, wenn er nach dem Tod seiner Eltern deren Nachlass durchsucht. Wenn er sich im verwaisten Haus mit Notizbüchern, Familienfotos und Videos das Leben seiner Eltern und damit auch das seiner Kindheit in Erinnerung ruft. Seine Mutter, die als junges Mädchen aus ihrer schlesischen Heimat vor den Russen floh und nie darüber sprach. Sein strenger Vater, ein Kirchenmusiker, der selbst zu Hause die Krawatte nicht löste und penibel genau einen Kalender über „Franks Klavier- und Fernsehstunden“ führte.

Eine Kindheit mit Verschweigen, mit Züchtigung und Disziplin, mit Tonband- und Fernsehverbot – umrahmt von einer zur Schau getragene Makellosigkeit, die Denken und Fühlen ausklammerte. „Inniger Schiffbruch“ ist ein blankes Sozialporträt der 60er-Jahre, das seine Tiefe und Glaubwürdigkeit dadurch erhält, dass sich er selbst zur Verfügung stellt, ohne Wenn und Aber. Dabei holt Frank Witzel große Erinnerungsmeister hinzu, deren Bücher er als Folie benutzt, um sich und seine Eltern besser zu verstehen: Walter Benjamin, Thomas Bernhard – und auf seiner Suche nach der verlorenen Zeit darf auch Marcel Proust nicht fehlen. Es ist ein wildes Erscheinen von Geistesgrößen, auch Adorno rät ihm im Traum, „auf das zu achten, was so gewöhnlich sei, dass man es gemeinhin nicht wahrnehme. (...)"

Aus einer umfassenden Besprechung des Buches von Elke Schlinsog auf Deutschlandfunk Kultur

"(...) Vater ist tot – Anlass, das eigene Leben, Eltern, Kindheit, Familie, noch mal Revue passieren zu lassen. Frank Witzels neues Buch nennt sich Roman, doch schnell ist klar, dass all die Träume, Erinnerungen und Anekdoten sowie die ausführlich zitierten Briefe und Aufzeichnungen der Eltern nur funktionieren können, wenn wir den autobiografischen Pakt schließen. Nur als reale Dokumente können sie beitragen zu einer Psychopathologie der alten Bundesrepublik, die zugleich eine der erzählten Leben und, wenn man so will, des Buches selbst ist, mit dem der Autor (Jahrgang 1955) sehenden Auges einen Schiffbruch mit Zuschauer (so der Titel von Hans Blumenbergs berühmtem Buch, auf das Witzel anspielt) ansteuert; und dieser Zuschauer sind wir. (...)

Aus einer ausführlichen Rezension von Moritz Baßler, die am 1.04.2020 in der DIE ZEIT unter dem Titel ´Sitzung ohne Analytiker - Ein interessanter Sonderfall von Autofiktion`- erschienen ist.

Der Autor

Frank Witzel veröffentlichte seit seinem ersten Lyrikband 1978 mehr als ein Dutzend Bücher, u. a. die Romane Bluemoon Baby (2001/2017), Vondenloh (2008/2018) und Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969, für den er den Deutschen Buchpreis 2015 erhielt. Für das gleichnamige Hörspiel gewann er den Deutschen Hörspielpreis 2017. Für seinen Roman Direkt danach und kurz davor war er für den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2017 nominiert. Im selben Jahr erhielt er die Poetikdozentur der Universität Heidelberg und 2018 die Poetikdozentur der Universität Tübingen, 2017/2018 war er Inhaber der Friederichs-Stiftungsprofessur an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, wo er heute lebt. Im BR wurden 2017 sein Hörspiel-Film Die apokalyptische Glühbirne und 2018 die Hörspielserie Stahnke, 2019 beim HR das Hörspiel Jule, Julia, Julischka, alle in der Regie von Leonhard Koppelmann, gesendet, für die er mit ihm zusammen 2017 den Deutschen Hörbuchpreis erhielt.

Rezensionen

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