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Hitler in uns selbst

Vierte, vermehrte Auflage 1946 im Jahr der Erstausgabe

Details

Verlag Eugen Rentsch Verlag, Zürich
Auflage/ Erscheinungsjahr 4. Aufl. 1946 (im Jahr der EA)
Format Gr.-8°
Einbandart/ Medium/ Ausstattung OLwd. mit Schutzumschlag
Seiten/ Spieldauer 291 Seiten
Gewicht 491 g
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-006886_AQ

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»Das Nichts war schon vor Hitler da, aber es hatte noch nicht seinen besonderen Ausdruck, das Hitlertum erst schaffte den Ausdruck, der dem Nichts entspricht: Den Schrei statt der Sprache.«

Max Picard

»Da stand nun geschrieben, der heilige Tychon habe die Gottesmutter gebeten, es möge noch lange Friede auf Erden sein, und da habe der Apostel Paulus ihm mit lauter Stimme ein Zeichen genannt, wann der Frieden aufhören würde. Er habe also gesprochen: Wenn alle von Frieden und Ordnung reden werden, dann wird die allgemeine Vernichtung plötzlich über sie hereinbrechen.«

Ljesskow, Der verzauberte Wanderer

Zu diesem Buch

Die Kapitel

  • Der vorhitlerische «Betrieb» als Vorbereitung für Hitler
  • Der bloße Aspekt des Naziphänomens 21
  • Die «neue Rasse» 29
  • Der Mensch ohne Erinnerung 31
  • Der Mensch des Augenblicks 37
  • Der Mensch ohne Entwicklung 39
  • Der Mensch, der alles erneuert 41
  • Der Mensch des Radio 43
  • Die Entstehung einer Welt aus den Defekten des Menschen 48
  • Der Mensch der Greuel 57
  • Das Gesicht Hiders 68
  • Die Zerstörung der Wahrheit 77
  • Die Degradierung des Wortes zur Parole 79
  • Ersetzung der sinnvollen Ordnung durch äußerliche Gruppierung 90
  • Ersetzung der Wahrheit durch die Feststellung 92
  • Wahrheit und Irrtum als Zufälligkeiten 94
  • Die Verabsolutierung des Geringen und Nichtigen 95
  • Die «neue Ordnung» zwischen den Menschen 101
  • Der Mensch ohne Wirklichkeit 103
  • Die Degradierung der Gemeinschaft zum Zwangsverband 112
  • Die Degradierung des Symbols zum Abzeichen 122
  • Treue und Tapferkeit in der Hiderwelt 128
  • Der Antisemitismus 132
  • Die Zerstörung der Jugend und des Alters 141
  • Die Okkupation der Natur 146
  • Die Vorschulen des Nationalsozialismus 153
  • Die Erziehung 155
  • Malerei und Literatur 160
  • Philosophie 170
  • Künsder und Gelehrte 174
  • Die Nervosität 178
  • Die Sexualität 186
  • Der Nationalsozialismus, ein pseudo-politisches Phänomen 191
  • Der Einbruch in die Geschichte 193
  • Der Diktator über das Nichts 207
  • Die Expansion der Leere 221
  • Der Mensch ohne Schicksal 232
  • Verbrechen und Strafe 235
  • Die Ausnahme 239
  • Die Möglichkeiten der Rettung 243
  • Die Ausscheidung des Bösen 245
  • Das Schwierige der Situation 251
  • Die pädagogische Möglichkeit 253
  • Die Möglichkeiten einer plötzlichen Verwandlung 256
  • Die Hilfe durch die naturhaften Phänomene 257
  • Die Armut 260
  • Die Zentrierung von außen her 263
  • Der Mensch im kleineren Räume 266
  • Das Christentum, die wahre Zentrierung des Menschen 270
  • Das Christentum und der zusammenhangslose Mensch 272
  • Die Intervention 274

Zusätze 279

Stimmen zu diesem Buch

"Je rarer Neuentdeckungen werden, desto mehr sind wir auf Wiederentdeckungen angewiesen. Doch wie konnte ein Max Picard überhaupt so gründlich vergessen werden, daß man Jüngeren – auch jüngeren Autoren – heute schon seinen Namen buchstabieren muß? Zählten nicht so gegensätzliche Geister wie Rilke und Joseph Roth, André Gide und Gabriel Marcel, Hermann Hesse und Rudolf Kassner zu Picards Bewunderern? Und war nicht nach 1945 Picards Buch vom „Hitler in uns selbst“ in aller Munde?

Picard beklagt dort, daß Hitler die Deutschen gar nicht erst zu erobern brauchte: „Durch die Struktur der Diskontinuität, der allgemeinen Zusammenhangslosigkeit, war für ihn alles schon vorerobert ... nur in der Welt der totalen Diskontinuität konnte ein solches Nichts, wie Hitler, Führer werden.“ Die Macht der Diskontinuität, die es erlaubte, daß Menschen mit der gleichen säuberlichen Sorgfalt, mit der sie gerade noch Briefmarken gesammelt hatten, an der KZ-Rampe Juden selektierten, war eines der Lebenstraumen und -themen Max Picards. Sollte die Kontinuität dieser Diskontinuität, die sich die schlauen Deutschen mit einer „Stunde Null“ vergeblich vom Hals zu schaffen versuchten, nicht auch heute herausfordernd aktuell sein? (...)

Aus einer ausführlichen Besprechung von Peter Hamm, in: Die Zeit (16.021990)

«Es ist brennend vor Aktualität und geht zugleich durch die Mächtigkeit der Vision und des Wortes über alle Aktualität hinaus. Es wird als Zeitanalyse seinen Wert behalten, auch wenn der Name Hitlers nur noch ein verblaßtes Grauen erwecken wird.»

Neue Zürcher Zeitung, NZZ

«Picards Hitlerbuch ist eines der ganz wenigen Bücher der Nachkriegszeit, dessen Aktualität, dessen Richtigkeit, dessen Wichtigkeit und Notwendigkeit von Jahr zu Jahr wuchsen. Nicht nur in Deutschland, sondern überall in der Welt kann es nicht ernst genug genommen werden.»

Prof. Dr. Hans Barth

»Ohne sich in die Niederungen der Zeitpolemik zu begeben, hat er mit diesem Buch einen Beitrag zur Zeitdeutung gegeben, der heute aus der Diskussion nicht mehr fortzudenken ist. Man kann diese Arbeit, ohne sich eines unerlaubten Superlativs schuldig zu machen, das schlechthin wertvollste Buch nennen, das über das Hitler-Phänomen geschrieben worden ist. Denn Picard bleibt nicht wie andere Deuter bei diesem Phänomen stehen, sondern nimmt es als Anlaß und Gelegenheit, das geistige Panorama unserer Zeit ins Blickfeld zu nehmen und zu deuten.«

Michael Heissenberger, Die Neue Zeitung, Berlin

»Es ist ein großartiges und revolutionäres Buch, im Sinne einer Revolution, die auf den letzten Grund geht.» Leonhard Ragaz «Noch deutlicher, ja erleuchteter als alle vor ihm, hat der große schweizerische Philosoph den Kausalnexus zwischen der ganzen Daseinsform der modernen Menschheit und allem, was man unter dem Begriff .Nazismus' subsummieren kann, dargestellt.«

Walter Abendroth, in: Deutsche Rundschau, Stuttgart

Der Autor

Max Picard (* 5. Juni 1888 in Schopfheim; † 3. Oktober 1965 in Neggio bei Lugano) war ein Schweizer Arzt und Kulturphilosoph.

Leben: Picards Urgroßvater war ein berühmter Rabbiner. Picard studierte in Freiburg im Breisgau, Berlin und München Medizin, hörte dabei aber auch philosophische Vorlesungen von Heinrich Rickert und Ernst Troeltsch. Er wurde Assistenzarzt in Heidelberg und anschliessend Arzt in München. 1918 gab er aufgrund des von ihm als mechanistisch empfundenen Medizinertums seine Tätigkeit als Arzt auf und liess sich als freier Schriftsteller im Tessin nieder, um schreiberisch diagnostisch und heilend tätig werden zu können.

Picard verfasste Werke zur Kunsttheorie, Kulturphilosophie und Kulturkritik. Bekannt wurde er zunächst durch die Arbeiten, die die menschliche Physiognomie zum Thema hatten, und in denen er dichterisch das Mysterium des menschlichen Gesichts charakterisierte und deutete und in Beziehung zum tierischen Antlitz sowie zu historischen Menschenbildnissen setzte. In dem Werk Die unerschütterliche Ehe ging er auf die Institution der Ehe ein und verteidigte diese gegen modernen Subjektivismus. Aufsehen erregte sein Buch Hitler in uns selbst. Höchst kritisch stand Picard in seinem Werk nach dem Zweiten Weltkrieg besonders dem Großstadtleben und den Massenmedien wie Radio und Fernsehen gegenüber, bei denen es keine Stille und kein Schweigen mehr gebe, auch die Psychoanalyse lehnte er ab. Er galt damit als unzeitgemäßer und antimoderner, jedoch nicht reaktionärer Denker.

1952 erhielt er den Johann-Peter-Hebel-Preis. Zu den Personen, die sich mit Picards Werk auseinandersetzten oder ihn bewunderten, zählen Rainer Maria Rilke, Joseph Roth, André Gide, Gabriel Marcel, Hermann Hesse und Rudolf Kassner.

Quelle: Wikipedia

Zum Erhaltungszustand

Im Klassischen Antiquariat der SFB die gesuchte Arbeit Max Picards als ein innen überaus frisches Exemplar der Leinwandausgabe (diese ohne den seltenen Schutzumschlag); entsprechend ohne Anmerkungen, Anstreichungen o. ä. Der Leineneinband weist eine Reihe von kleineren Stockfleckchen aus. (vgl. Abb.) - Insgesamt ein überdurchschnittlich gut erhaltenes Exemplar dieses gesuchten Buches. - Selten.

Rezensionen

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