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Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Hg.)

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1987

Ansprache aus Anlaß der Verleihung. Mit einer Laudatio von Rober Spaemann

Details

Verlag Vlg. der Buchhändlervereinigung
Auflage/ Erscheinungsjahr 1987
Format Blatt: 60 × 74 cm; Plattengröße: 31 × 44 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Klappenbroschur
Seiten/ Spieldauer 63 Seiten
ISBN 3-7657--1480-X

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Aus der Laudatio

»Daß sie sich Grenzen setzt, ist erste Pflicht aller Freiheit, ja, die Bedingung ihres Bestands, denn nur so ist Gesellschaft möglich, ohne die der Mensch nicht sein kann und auch nicht seine Herrschaft über die Natur.

Je freier die Gesellschaft selber ist, je weniger also die natürliche Gattungsfreiheit durch die Herrschaft von Mensch über Menschen beeinträchtigt wird, desto evidenter und unerlässlicher wird im zwischenmenschlichen Verhältnis die Pflicht freiwilliger Begrenzung. Vergleichbares nun tritt ein im Verhältnis der Menschheit zur Natur.

Wir sind freier darin geworden durch unsere Macht, und eben diese Freiheit bringt ihre Pflichten mit sich. Schritthaltend mit den Taten unserer Macht reicht unsere Pflicht jetzt über den ganzen Erdkreis und in die ferne Zukunft. Sie ist unser aller Pflicht, denn wir alle sind Mittäter an den Taten und Nutznießer an den Gewinnen der kollektiven Macht. Jetzt und hier, so sagt uns die Pflicht, sollen wir unsere Macht zügeln, also unseren Genuß kürzen, um einer künftigen Menschheit willen, die unsere Augen nicht mehr sehen werden.

Ist unsere moralische Natur auch dafür ausgerüstet, wie sie es für das zwischenmenschliche Nahverhältnis ist? Gerechtigkeit, Achtung, Mitleid, Liebe – Impulse dieser Art, die in uns schlummern und im konkreten Miteinander wachgerufen werden, helfen uns da aus der Enge der Selbstsucht heraus.«

Laudator Robert Spaemann

Kurzbiographie

Hans Jonas, geboren am 10. April 1903 in Mönchengladbach, studiert Philosophie, Kunstgeschichte und Theologie und promoviert 1928. 1934, kurz vor Erscheinen seines Werkes Gnosis und spätantiker Geist, emigriert er zunächst nach England, dann nach Palästina.

Nach dem Krieg, an dem er als britischer Soldat teilnimmt, kehrt er nach Jerusalem zurück, um dort als Dozent an der Hebräischen Universität in Jerusalem zu unterrichten. 1949 siedelt Hans Jonas nach Kanada und später in die USA über, wo er ab 1955 bis zu seiner Emeritierung 1976 an der New School for Social Research in New York lehrt. Ein Kernpunkt seiner Arbeit ist die Forderung an den Einzelnen, ethische Verantwortung für Leben und Natur zu übernehmen und sich in die wissenschaftliche und technische Entwicklung einzumischen.

Mit seinem Buch Das Prinzip Verantwortung (1979), das zum Standardwerk über die grundlegenden ethischen Risiken von neuen Technologien ohne soziale Steuerung wird, erlangt er weltweite Aufmerksamkeit. Seine hier geforderte »Fern-Ethik« bürdet dem Einzelnen auch die Verantwortung für das Entfernteste auf, das heißt auch für Kriege in anderen Ländern und für Hunger und Armut in der Welt.

Hans Jonas stirbt am 5. Februar 1993 im Alter von 89 Jahren.

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