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Fragebogen

Illustrierte Textausgabe

Details

Verlag Edition Büchergilde
Auflage/ Erscheinungsjahr 06.03.2018
Format 15 × 10,5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 320 Seiten
ISBN 9783864060908

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18,00 €


Merkliste

›Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?‹

›Haben Sie schon einmal dazu beigetragen, dass ein Mensch gerecht behandelt wurde, ohne dass Sie selbst dadurch einen Vorteil hatten?‹

›Können Sie sich erinnern, seit welchem Lebensjahr es Ihnen selbstverständlich ist, dass Ihnen etwas gehört, beziehungsweise nicht gehört‹

‹›Wem gehört Ihres Erachtens beispielsweise die Luft?‹

Max Frisch formulierte in seinem zweiten literarischen Tagebuch (1966–1971) zwischen seinen Tagebuchaufzeichnungen mehrere Fragebögen, die existentielle Fragen des Lebens zu diesen Themen versammeln: Erhaltung des Menschengeschlechts, Ehe, Frauen, Hoffnung, Humor, Geld, Freundschaft, Vatersein, Heimat, Eigentum, Tod.

Diese inzwischen berühmten Fragen lassen sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Meist bleibt die vermeintlich rasch aufkommende Antwort im Halse stecken; sie pflegen beim lebendigen Leser nicht selten heftige Akte des Nachdenkens, Abwägens und Überlegens auszulösen und entfachen in ihrer scheinbaren Lapidarität eine ganz eigene - womöglich kathartisch wirkende - Dynamik.

Weitere Kostproben

Was empfinden Sie als Eigentum:
a. was Sie gekauft haben?
b. was Sie erben?
c. was Sie gemacht haben?

Auch wenn Sie den betreffenden Gegenstand (Kugelschreiber,
Schirm, Armbanduhr usw.) ohne weiteres ersetzen können: empört Sie der Diebstahl als solcher?

Warum?

Empfinden Sie das Geld schon als Eigentum oder müssen Sie sich dafür irgend etwas kaufen, um sich als Eigentümer zu empfinden, und wie erklären Sie es sich, dass Sie sich umso deutlicher als Eigentümer
empfinden, je mehr Sie meinen, dass man Sie um etwas beneidet?
Wissen Sie, was Sie brauchen?

Gesetzt den Fall, Sie haben ein Grundstück gekauft: wie lange dauert es, bis Sie die Bäume auf diesem Grundstück als Eigentum empfinden, d.h. dass das Recht, diese Bäume fällen zu lassen, Sie beglückt oder Ihnen zumindest selbstverständlich vorkommt?

Erleben Sie einen Hund als Eigentum?

Mögen Sie Einzäunungen?

Wenn Sie auf der Strasse stehenbleiben, um einem Bettler etwas
auszuhändigen: warum machen Sie‘s immer so flink und so unauffällig wie möglich?

Wie stellen Sie sich Armut vor?

Wer hat Sie den Unterschied gelehrt zwischen Eigentum, das sich
verbraucht, und Eigentum, das sich vermehrt, oder hat Sie das niemand gelehrt?

Wogegen sind Sie nicht versichert?

Wenn es nur noch das Eigentum gäbe an Dingen, die Sie verbrauchen, aber kein Eigentum, das Macht gibt über andere: möchten Sie unter solchen Umständen noch leben?

Die Illustratorin

Von zehn Studierenden der Hochschule Mainz vom Studiengang Kommunikationsdesign überzeugte Janne Holzmüller mit ihren Illustrationen und der Gestaltung des Fragebogens die Jury der Büchergilde am meisten. Ihre Bleistiftzeichnungen, die wie ein Daumenkino anmuten, zeigen die Vergänglichkeit und das Zerrinnen der Zeit. So wie in den Fragen wird in ihnen Alltägliches und Vertrautes noch einmal genau betrachtet und hinterfragt. Dabei wird der Prozess und das Verstreichen der Zeit in den Zeichnungen sichtbar. Dieser Effekt wird durch das durchscheinende Dünndruckpapier noch verstärkt.

Der Autor

Max Frisch wurde 1911 in Zürich geboren, wo er 1991 auch verstarb. 1930 begann er sein Germanistik-Studium an der Universität Zürich, das er jedoch nach dem Tod seines Vaters abbrach. Er arbeitete als Korresspondent für die Neue Zürcher Zeitung und wendete sich 1936 der Architektur zu. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Homo Faber und Stiller, mit denen er Einzug in den Kanon der Weltliteratur hielt.

Janne Holzmüller wurde 1989 in Karlsruhe geboren. Sie studierte zunächst Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Seit 2016 vertieft sie ihr Studium in den Fächern Illustration und Editorial Design an der Hochschule in Mainz und arbeitet als freiberufliche Kommunikationsdesignerin. Mehr unter: www.janneholzmueller.de

Rezensionen

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