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Elternfehler

Sonderdruck aus der "Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik"

Details

Verlag Wien /Leipzig /Zürich, Internationaler Psychoanalytischer Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 1932
Format Gr.-8° (16 × 24 cm)
Einbandart/ Medium/ Ausstattung OBrosch.
Seiten/ Spieldauer 40 Seiten
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-007219_AQ

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Sonderdruck aus der Zeitschrift "Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik", III. Jg. - Grinstein 25459

Aus dem Vorwort des Autors

"Über Elternfehler zu schreiben, heißt dies nicht ein gefährliches Pandorafaß öffnen und ein garstiges Geistergesindel heraufbeschwören? Gelingt es uns, auf knappem Raume in der wilden Walpurgisnacht elterlicher Irrungen Ordnung zu schaffen? Sehen wir uns nicht vor die Wahl gestellt, entweder durch Banalitäten zu langweilen, oder durch Aufdeckung der unbewußten Hintergründe zu entsetzen, jedenfalls aber durch eine lückenhafte Darstellung Mißbehagen zu hinterlassen?

Der Puhlikationsort unserer Untersuchung hebt uns über manche Schwierigkeiten hinweg. Nur insofern haben wir uns mit den Elternfehlern zu befassen, als die Psychoanalyse ein neues Licht auf sie wirft. Das zu bearbeitende Gebiet ist noch immer ungeheuer weitläufig; denn es gilt, nicht nur die Maulwurfsgänge nachzuweisen, durch welche unzweckmäßiges elterliches Verhalten die Fluren der Zöglingsseele schädigt, sondern auch, für Wesen und Ursprung jener erzieherischen Mißgriffe mit Hilfe der Freudschen Tiefenpsychologie Verständnis zu gewinnen.

Einigen wir uns zunächst über den Begriff der Elternfehler! Er ist so relativ als nur möglich. Maßregeln, die sich gegenüber manchen Zöglingen aufs beste bewähren, erweisen sich gegenüber anderen als verhängnisvoll. Die analytisch belehrte Pädagogik sah sich gezwungen, jenem Methodismus, der mit allgemeinen Rezepten arbeitete, weil er die Schleichwege des Unbewußten im Zögling nicht kannte, den Krieg anzusagen. Ohne genaue Kenntnis der unterschwelligen Prozesse der Kindesseele ist es unmöglich, zu bestimmen, was ein Elternfehler sei. Anders ausgedrückt: Das Problem des Elternfehlers ist zum großen Teil eine Frage der Kinderpsychologie, und zwar einer solchen, die auch auf abnorme und durch Verdrängung mitbedingte psychische Prozesse Rücksicht nimmt. Schon aus diesem Grunde konnte es bis zur Entdeckung der Psychoanalyse eine befriedigende Bearbeitung unseres Themas nicht geben. Damit, daß man einen Normaltypus Kind aufstellt, und nun die seiner Erziehung nachteiligen Handlungen darstellt, befriedigt man höchstens naive Leute, den Bedürfnissen des Lebens aber wird man nicht gerecht.

Weitere Relativitäten erwachsen dem Begriff des Elternfehlers aus der Auffassung des Erziehungszieles. Wer z. B. eine asketische oder autoritäre Pädagogik vertritt, wird manches als weise und zweckmäßig buchen, was der Verfechter einer freien Persönlichkeitserziehung verurteilt. Ohne auf prinzipielle Erörterungen einzutreten, bestimme ich als Elternfehler dasjenige Verhalten, das dem Zögling die Gewinnung eines möglichst tüchtigen, gesunden und ethisch hochwertigen Individual- und Sozialcharakters erschwert. Innerhalb welcher Grenzen wir uns mit diesem Gegenstand beschäftigen, wurde angegeben; wir erinnern auch noch daran, daß uns die unbewußten Wirkungen und Ursachen der Elternfehler besonders am Herzen liegen. (...)"

Oskar Pfister

Der Autor

Oskar Robert Pfister (* 23. Februar 1873 in Wiedikon; † 6. August 1956 in Zürich; heimatberechtigt in Zürich) war ein Schweizer reformierter Pfarrer und Tiefenpsychologe.

Leben: Oskar Pfister war der Sohn des reformierten Pfarrers Johannes Pfister (1838–1876) und der Klavierlehrerin Luise, geb. Pfenninger (1843–1918) und kam in Zürich-Wiedikon als jüngster von vier Brüdern zur Welt. Nach dem Tod des Vaters im März 1876 übersiedelte die Mutter, die aus einer pietistischen Familie stammte, in die Herrenhutter Gemeinde Königsfeld im badischen Schwarzwald. Er studierte Evangelische Theologie, Philosophie und Psychologie an den Universitäten Basel, Zürich und Berlin. 1898 wurde er an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich über die Religionsphilosophie Alois Emanuel Biedermanns promoviert. Im selben Jahr heiratete er Erika Wunderly (1872–1929), die 1899 den gemeinsamen Sohn Oskar zur Welt brachte.

Von 1897 bis 1920 war er Pfarrer in Wald. 1920 übernahm er eine Pfarrstelle in Zürich, die er bis 1939 innehatte. Pfister unterhielt Beziehungen zu den religiösen Sozialisten von Leonhard Ragaz. Zwischen 1909 und 1939 korrespondierte er regelmässig mit Sigmund Freud über Theologie und Psychoanalyse. Er war einer der Pioniere der Psychoanalyse in der Schweiz und gehörte zum Kreis der Zürcher Schule der Psychoanalyse um Eugen Bleuler und Carl Gustav Jung. 1919 war er Mitgründer der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. Er verfasste die erste theologische Würdigung der Psychologie Sigmund Freuds, insbesondere des Buches Die Zukunft einer Illusion. 1929 starb seine Frau. 1930 heiratete er Martha Zuppinger-Urner, eine 1898 geborene, verwitwete Cousine, die zwei Kinder in die Ehe mitbrachte. 1934 wurde er mit einem Ehrendoktorat der Universität Genf ausgezeichnet. Ab 1939 bis zu seinem Tod lebte er in Zürich-Witikon. (Quelle: Wikipedia)

Zum Erhaltungszustand

Im Klassischen Fachantiquariat der SFB dieser Beitrag Pfisters in einem seltene Separatdruck und in einem ausnehmend wohlerhaltenen Exemplar ohne Anmerkungen, Anstreichungen, Stempel. Innen entsprechend. - RAR.

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