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Stone, Sascha (Fotomontage) (Hg.)

Einbahnstraße

Originalgetreuer Reprint der Erstausgabe 1928 in einer auf 1200 Exemplare limitierten Auflage

Details

Verlag Brinkmann u. Bose
Auflage/ Erscheinungsjahr 1983 nach der EA 1928
Format Gr.-8°, 21,0 × 16,0 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Broschiert
Seiten/ Spieldauer Unpaginiert, (83, (1) Seiten)
ISBN 9783922660132

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148,00 €


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»Die Technik der ›Einbahnstraße‹ ist der des Spielers verwandt. Nicht zuletzt darin liegt das Schockierende des Buches. Es provoziert beim ironisch unterstellten Leser dessen eingeschliffene Abwehrreaktionen, um ihn sogleich darauf zu stoßen, daß er eigentlich längst gewußt hat, was er leugnen möchte, und nur darum es so verbissen leugnet.«

Theodor W. Adorno

Zu diesem Band

Walter Benjamins geschliffene Kurzprosa zählt zum literarischen Kanon der Klassischen Moderne. Ob Briefmarke, Perserteppich oder Karussell – noch die unscheinbarsten Phänomene können Gegenstand von BenjaminsReflexionen und anschaulichen Denkbildern werden, die in ihrer Gesamtheit auf ein tieferes Verständnis des 20. Jahrhunderts zielen. In jedem Fragment vermag der Leser dabei die Bedrohungen und Katastrophen unserer modernen Zeiten zu verspüren – zugleich aber auch die tiefe Hoffnung, dass alles einmal anders und besser werden mag.

"»Die Konstruktion des Lebens liegt im Augenblick weit mehr in der Gewalt von Fakten als von Überzeugungen. Und zwar von solchen Fakten, wie sie zur Grundlage von Überzeugungen fast nie noch und nirgends geworden sind. Unter diesen Umständen kann wahre literarische Aktivität nicht beanspruchen, in literarischem Rahmen sich abzuspielen – vielmehr ist das der übliche Ausdruck ihrer Unfruchtbarkeit.«

Mit diesen programmatischen Worten beginnt die Einbahnstraße, eines der ungewöhnlichsten Bücher Walter Benjamins. 1928 nicht als Buch, sondern als Broschüre veröffentlicht, gestaltet in konstruktivistischer Typographie, versehen mit dem berühmten Umschlag von Sasha Stone, dazu geschrieben in der »prompten Sprache« von Flugblättern, Annoncen und Plakaten, die allein »sich dem Augenblick wirkend gewachsen« zeigt, nimmt diese Sammlung von Aphorismen eine auf den ersten Blick singuläre Stellung in Benjamins Werk und der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts ein. Die Einbahnstraße war stilbildend und kann als Vorbild etwa für Blochs Spuren oder Adornos Minima Moralia gesehen werden." (Suhrkamp Verlagstext zum entsprechenden Band 8 seiner Walter Benjamin-Werkausgabe)

Die in diesem Band versammelten Essays

Tankstelle -- Frühstücksstube -- Nr. 113 -- Für Männer -- Normaluhr -- Kehre zurück! Alles vergeben! -- Hochherrschaftlich möblierte Zehnzimmerwohnung -- Chinawaren -- Handschuhe -- Mexikanische Botschaft -- Diese Anpflanzungen sind dem Schütze des Publikums empfohlen -- Baustelle -- Ministerium des Innern -- Flagge. -- . auf Halbmast -- Kaiserpanorama -- Tiefbauarbeiten -- Coiffeur für penible Damen -- Achtung Stufen! -- Vereidigter Bücherrevisor -- Lehrmittel -- Deutsche, trinkt deutsches Bier! -- Ankleben verboten! -- Nr. 13 -- Waffen und Munition -- Erste Hilfe -- Innenarchitektur -- Papier und Schreibwaren -- Galanteriewaren -- Vergrößerungen -- Antiquitäten -- Uhren und Goldwaren -- Bogenlampe -- Loggia -- Fundbüro -- Halteplatz für nicht mehr als 3 Droschken -- Kriegerdenkmal -- Feuermelder -- Reiseandenken -- Optiker -- Spielwaren -- Poliklinik -- Diese Flächen sind zu vermieten -- Bürobedarf -- Stückgut: Spedition und Verpackung -- Wegen Umbau geschlossen -- "Augias", Automatisches Restaurant -- Briefmarkenhandlung -- Si parla italiano -- Technische Nothilfe -- Kurzwaren -- Steuerberatung -- Rechtsschutz für Unbemittelte -- Nachtglocke zum Arzt -- Madame Ariane zweiter Hof links -- Maskengarderobe -- Wettannahme -- Stehbierhalle -- Betteln und Hausieren verboten! -- Zum Planetarium.

Stimmen zu Autor und Werk

„Alles Kleine hatte die größte Anziehung auf ihn. Im Kleinen und Kleinsten Vollkommenheit auszudrückenoder zu entdecken, war einer seiner stärksten Impulse. Autoren wie J.P. Hebel oder der hebräische Erzähler S.J. Agnon, die in Geschichten kleinsten Umfanges Vollkommenes zustande brachten, konnten ihn immer wieder entzücken. Daß im Kleinsten sich das Größte aufschließt, daß ›der liebe Gott im Detail wohnt‹, wie Aby Warburg zu sagen pflegte, das waren in den verschiedensten Bezügen für ihn grundlegende Einsichten. Diese Neigung gibt seinem Bande ›Einbahnstraße‹ die besondere Note. Denn nicht das eigentlich Aphoristische ist hier bestimmend, sondern die Absicht: in kleinsten Niederschriften ein Ganzes zu geben. Dieser selbe Zug prägte sich auch in seiner Schrift aus, die von eine mextremen Zwang zur Kleinheit geformt wurde, ohne doch in diesen winzigen Zügen die feinste Pointierung und Genauigkeit aufzugeben. Sein nie erreichter Ehrgeiz war, hundert Zeilen auf eine normale Briefseite zu bringen, und im August 1927 schleppte er mich ins Musée Cluny in Paris, um mir in einer dort ausgestellten Sammlung jüdischer Ritualienganz hingerissen zwei Weizenkörner zu zeigen, auf denen eine verwandte Seele das ganze Schma Israel  untergebracht hatte.“

Gershom Scholem, in: Walter Benjamin und seine Engel, Frankfurt 1983, S. 13 f.

Der Autor

Walter Benjamin wurde 1892 in Berlin geboren, seine Familie gehörte dem assimilierten Judentum an. Er studierte Philosophie, deutsche Literatur und Psychologie und promovierte mit der Arbeit „Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik“. Der Versuch, sich an der Frankfurter Universität zu habilitieren, scheiterte: Benjamin wurde nahegelegt, sein Gesuch zurückzuziehen, was er 1925 auch tat. Sein Interesse für den Kommunismus führte Benjamin für mehrere Monate nach Moskau. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zwang ihn, 1933 ins Exil zu gehen. 1940 unternahm er den vergeblichen Versuch, vom französischen Nevers über die Grenze nach Spanien zu gelangen. Um seiner bevorstehenden Auslieferung an Deutschland zu entgehen, nahm er sich das Leben.

Verfügbarkeit /Erhaltungszustand

Im Archiv der SFB ist der in einer limitierten Auflage von 1.200 Exemplaren nach der Erstausgabe bei Brinkamm u. Bose produzierte Titel in einem annähernd verlagsfrischen Exemplar verfügbar.

Rezensionen

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