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Digitale Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Details

Verlag Klett-Cotta
Auflage/ Erscheinungsjahr 10.03.2018
Format 21,8 × 14,4 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 220 Seiten
Gewicht 448
Reihe Komplexe Krisen und Störungen
ISBN 9783608960334

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29,00 €


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Zu diesem Buch

Sucht- und Abhängigkeitsproblematiken von Kindern im Zusammenhang mit dem Konsum digitaler Medien stellen einen kontinuierlich steigenden Anteil der Hilfe und Therapie suchenden jungen PatientInnen dar.

Das vorliegende Buch beschreibt psychodynamische Ansätze für die Diagnostik und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit "digitalen Störungen". Es erläutert, was ein Therapeut nach Auffassung des Autors zur Problematik wissen sollte, der mit betroffenen jungen Patienten und ihren Eltern zu tun hat.

Inhalt des Buches

Geleitwort der Reihenherausgeber
Geleitwort von Annette Streeck-Fischer
Vorbemerkung des Autors
Einführung: Ablehnung des Digitalen – eine sinnvolle psychoanalytische Grundhaltung?

Teil I: Kultur-, populär- & sozialwissenschaftliche Ansätze

  • Neil Postmans »Verschwinden der Kindheit«
  • Digitale Demenz: Manfred Spitzer
  • Spaß: Hans Mogels spieltheoretische Position
  • Neurowissenschaftliches Erzählen: Gerald Hüther
  • Soziologie des Digitalen: Von Sherry Turkle zu Martin Dornes

Teil II: Evidenzbasierte Ansätze

  • Computer- bzw. Mediensucht: Psychiatrische Kriterien
  • Neurobiologische Grundlagen – schematisch zusammengefasst
  • Verhaltens- und Glücksspielsucht: Kritische Diskussion
  • Internet- und Computerspielsucht in Zahlen
  • Komorbidität 1: Digitale Medien und Angst
  • Komorbidität 2: Digitale Medien und Depression
  • Komorbidität 3: Digitale Sucht und ADHS
  • Komorbidität 4: Suchtstörungen und Persönlichkeitsstörungen
  • Manual gegen die Sucht am Digitalen: Die verhaltenstherapeutische
  • Position
  • Verhaltenstherapeutische Ätiologie der Computerspielund
  • Internetsucht
  • Digitale Suchtkonzepte: Kritische Diskussion
  • Empirische psychodynamische Ätiologie:
  • Onlinesucht und Bindung

Teil III: Psychodynamische Ansätze

  • Psychodynamische Grundlagen
  • Unheimliche Spielzeuge: Sigmund Freud
  • Pinball-Spiele und Beziehung: Friedrich Kittler
  • Resonanz in der digitalen Moderne: Martin Altmeyer
  • Ich-Orientierung und Entgrenzung: Rainer Funk
  • Medien als Mutterbrust: Michael Ermann

Teil IV: Vertiefte Psychodynamik und Entwicklungs-Psychopathologie
digitaler Störungen

  • Mentalisierung und Symbolisierung des Digitalen
  • Einschub: Michael Balints Medientheorie
  • Mediale Entwicklungspsychopathologie der Latenz und Pubertät
  • Digitale Spiele mit Heinz Kohuts psychoanalytischer Musiktheorie betrachtet
  • Computerspiele, Es und Regression
  • Digitale Verschmelzungspunkte in der zweiten Freud’schen Topologie
  • Digitales Ich zwischen innerem Monolog, Narzissmus und Abwehr
  • Digitale Regulation von Schuld
  • Digitale Spiele und Über-Ich
  • Der heilige Ernst des digitalen Spiels: Johan Huizinga
  • Primär- und Sekundärvorgänge und die zwei interpersonellen Interaktionen
  • des digitalen Ich
  • Digitale Geräte – Spielzeuge oder nicht?
  • Digitale Geräte als Übergangsobjekte
  • Reales und virtuelles Selbst
  • Sekundärer Übergangsraum und die beiden potentiellen Räume
  • Zur Psychodynamik sozialer Netzwerke
  • Digitale Gemeinschaften
  • Digitale Selbstdarstellung
  • Like-Funktion
  • Youtuber: Zwischen Multiplikation, Idealisierung undIdentifikation
  • Digitale Abbilder expliziter Sexualität anderer: Online-Pornografie und andere virtuelle Spielarten des Sexuellen als zentrales Nebenthema
  • Die Entwicklung psychodynamischer diagnostischer Kategorien

Teil V: Therapeuten und Medien

  • Mediale Selbsterfahrung
  • Digitale Paranoia – äußere und innere Realität
  • Zusammenfassung und Ausblick
  • Anhang: Literatur
  • Der Autor
  • Vignetten-Verzeichnis
  • Vignette 1, Teil 1
  • Lutz – Beziehungsregulation, Anpassungsanforderung und psychische
  • Entwicklung
  • Vignette 1, Teil 2
  • Vignette 1, Teil 3
  • Vignette 1, Teil 4
  • Vignette 1, Teil 5
  • Vignette 1, Teil 6
  • Vignette 1, Teil 7
  • Vignette 2 – Miguel - Entwicklung einer therapeutischen Beziehung
  • Vignette 3 – Heidi - Digitale Freundschaften als sekundäre Übergangsobjekte
  • Vignette 4 – Joachim - Der Computer als letztlich einziges stabiles Objekt
  • Vignette 5 – Ephraim - Computerspiele als Abwehr bei bestehenden
  • Objektbeziehungen
  • Vignette 6 – Klaus - Selbstwertregulation – Angstabwehr
  • Vignette 7 – Damien - Wenn die Eltern selbst spielen
  • Vignette 8 – Jonathan - Beziehungsabwehr – Beziehungskontrolle
  • Vignette 9 – Johnny - Digitale Regulation bei schwerer Depression. Suche nach der guten Mutterbrust
  • Vignette 10 – Orhan - Cybermobbing – Geschwisterkonflikt
  • Vignette 11 - Digitale Manipulationen zwischen Patient und Therapeutin
  • Vignette 12 - Internet als verfolgendes Medium.

Glosse

Sollen /können Alkoholiker Alkoholiker behandeln?

Mit dieser rhetorisch und durchaus polemischen Frage möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf das bei Klett-Cotta erschienene Buch des jungen Berliner Psychoanalytikers Jan van Loh lenken, der sich darin einem eminent wichtigen Thema zuwendet: Den Kollatoralschäden der von interessierter Seite mit unglaublicher Macht und Effizienz global betriebenen Rundumvernetzung aller Lebens- und Arbeitsbezüge mit damit einhergehendem Abschöpfen persönlichster Daten und Profile.

Ein in vielerlei Hinsicht herausforderndes Buch, dessen inhaltliche Fehlstellen provozieren können. Dies beginnt mit dem verstörenden Buchtitel, setzt sich fort in der im Subtext mitschwingenden Einstellung, daß der Lauf der Dinge hinsichtlich der betriebenen Rundum-Digitalisierung ein hinzunehmender Fakt und ir­re­ver­si­bel sei. Dabei arbeitet der Autor, dies zeigt das gut gegliederte Inhaltsverzeichnis, die Diskussionsstände, Kontroversen und unterschiedlichen Positionen zum Thema der flächendeckenden Digitalisierung klar heraus. Auch der klinische Teil bietet interessante Einblicke in Jan van Lohs Behandlungskonzept.

Aber: Ohne Diskussion und klare Positionierung zu den gesellschaftlichen Gründen und Hintergründen der Digitalisierung und dem damit einhergehenden Umbau des Menschenbildes kann es keine psychoanalytsche Behandlung geben, die diese Bezeichnung verdient: Psychoanalyse ist kein Entstörungsdienst der Telekom für wesenlose Funktionsautomaten; denn:

Verlief der Anstieg der Internet- und Handynutzung in den ersten zehn Jahren seit seiner Öffnung für das allgemeine Publikum noch recht langsam, führten die mit dem 2007 auf den Markt gekommenen Smart- /iPhones zu einem explosionshaften Anstieg von Nutzern, Nutzung und verschickten Datenmengen. Letztere machten und machen es erforderlich, die für den globalen Datenverkehr benötigten Funknetze in ihrer Leistung drastischst - und dabei weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit - aufzurüsten (aktueller Standard max. 4.5G, künftig 5G). Mögliche und eher unerwünschte negative Langzeitwirkungen dieser höchstfrequenten Dauerfunkstrahlungen (´E-Smog`) auf die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit der Menschen werden von zahlreichen Fachleuten begründeterweise angenommen. Es handelt sich hier um einen gigantischen Feldversuch, dem sich niemand entziehen kann.

Die neuen digitalgestützten Technologien dienen insbesondere der Optimierung wirtschaftlicher und verwaltungstechnischer Abläufe; sie werden massenweise Arbeitsplätze in Verwaltungen, Industrien, bei Banken überflüssig machen. Schon heute ermöglichen die fortwährend von jedem einzelnen eingesammelten und meist bedenkenlos von uns herausgereichten persönlichen Daten die Erstellung von Persönlichkeits- und Gruppenprofilen mit allerhöchster Aussagekraft, denen gegenüber der gute alte Rorschach- oder Gießen-Test niedlich wirken. Die Volksrepublik China beispielsweise setzt bereits annähernd 200.000.000 (!) Hochleistungs-Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen und bis in Toilettenhäuschen hinein ein, die mit einer 100%-treffsicheren Gesichtserkennungtechnologie (KI-Technik) ausgestattet sind und Bewegungsprofile eines jeden Menschen erfassen. Verknüpft mit anderen überall elektronisch gesammelten Daten lassen sich exakte Verhaltens- und Persönlichkeitsprofil bestimmen und Bewertungen und Rangfolgen bestimmen. Das Private gibt es nicht mehr. (Quelle u.a. Deutschlandradio Kultur). In den kommenden Jahren soll die Zahl der dann noch bei weitem leistungsfähigeren Kameras in China auf über 600 Millionen steigen.

Das Lancieren und Hypen der Nonstop-Nutzung von Internet- /iPhone für ein großteils wenig gebildetes, kaum medienkompetentes und noch seltener medienkritisches Massenpublikum, welches Erregung, Ablenkung, kleine Senastionen, Fake-News möchte und via Facebook, YouTube & Co seine narzißtische Aufladung erfährt, macht dies für die "DOS"- und Metaebene, mithin für die tatsächlichen Absichten und Zwecke dieses revolutionären Globalisierungsprojektes, blind und taub.

Erst hier kommen wir nun zu den ärgerlichen Störfällen, sozusagen am ´Backend` dieser Innovationskette der verordneten Rundumdigitalisierung. Hier sehen wir nun und sprechen auch von jenen, die durch diese ModernTimes-Technologien überfordet sind, überrumpelt, korrumpiert und in ihrer nie wirklich vorhandenen Integrität beschädigt werden. Erwachsene und insbesondere Kinder- und Jugendliche, die an digitalen Geräten, an den oft ungeheuerlichen Bildern, an den unsortierbaren Informations- und Pseudoinformationsmassen, in dem Konkurrenzkampf nach Likes und um Zuwendung verzweifeln und krank werden.

... Und erst hier setzt im wesentlichen das Buch ein, es will ja Hilfestellungen und Rat für Therapeuten geben, die mit diesen Cyber-Problemfällen therapeutisch arbeiten wollen. Der gewählte Titel des Buches ließe den alten Freud evtl fuchsig werden: Ein technischer Begriff - "digitale Störungen" - welchen man üblicherweise für nicht richtig funktionierende elektronische Geräte zu verwenden gewöhnt ist, wenn etwa das Funkloch beim Telefonieren die Verbindung verschlechtert; ein Router spinnt oder wenn der Rechner zu langsam läuft, findet hier seine Übertragung auf den Menschen

Der Autor

Jan van Loh, Dr. phil., Dipl.-Psych., ist tiefenpsychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis, integrativer Lerntherapeut und Supervisor. Er hat Lehraufträge an der HU Berlin und der internationalen psychoanalytischen Universität Berlin (IPU) und ist Dozent an der Berliner Akademie für Psychotherapie (BAP) und beim Dachverband der Berliner Legastheniezentren.

Rezensionen

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