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Die Unfähigkeit zu trauern

Grundlagen kollektiven Verhaltens

Details

Verlag Piper
Auflage/ Erscheinungsjahr 1968
Format 13,8 × 21,7 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung gebunden mit Schutzumschlag
Seiten/ Spieldauer 371 Seiten
SFB Artikelnummer (SFB_ID) AQ-1400

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»Erst nach der Durcharbeitung seiner Vergangenheit ist ein Volk imstande, aus seiner Geschichte zu lernen, den Wiederholungszwang zu durchbrechen und notwendige gesellschaftliche Veränderungen und Erneuerungen durchzuführen.« Margarete Mitscherlich, 1977

Zu diesem Buch

In den hier vorliegenden Abhandlungen untersuchen Alexander und Margarete Mitscherlich psychische Prozesse in großen Gruppen, um mit Hilfe psychologischer Interpretation einige Grundlagen der Politik klarer erkennbar zu machen.

Den Ausgangspunkt ihrer Überlegungen bildet die Bundesrepublik. In ihr erfahren deutsche Bürger politische Freiheit in Verbindung mit einer Ausbreitung relativen Wohlstands. Wieviel Leidenschaft für die Demokratie würde sich zeigen, sollten die Geschäfte einmal entschieden schlechter stehen? Mehrt oder mindert sich die Toleranz, abweichende Meinungen zu ertragen und zu achten? Die Autoren wollen nicht berechtigtes Mißtrauen vor deutschen Überraschungen schüren, sondern die Einsicht in jene Motive vergrößern, die unsere Politik von langer Hand her bestimmen.

Damit ist eine psychologische Deutung verbunden, warum bis heute die Epoche des Dritten Reiches nur unzulänglich kritisch durchdrungen wurde und sich vordemokratische Anschauungen hartnäckig am Leben erhalten. Was hier beleuchtet und erklärt wird, entzieht sich gemeinhin unserem Bewußtsein, weil mit ihm für unser Selbstgefühl so schmerzliche und erschütternde Erfahrungen verknüpft sind. Das Buch will die Chancen für den freundlichen Deutschen vermehren, indem es die Motivationen zu unfreundlichem Verhalten — im weitesten Sinne — erklärt und darlegt, warum es in unserer Gesellschaft über einen so langen Zeitraum dominierte.

Aus dem Inhalt

Die Unfähigkeit zu trauern - womit zusammenhängt: eine deutsche Art zu lieben

  1. Deutsche Illusionen
  2. Der »Führer« war an allem schuld
  3. Erfolgreiche Abwehr einer Melancholie der Massen
  4. Techniken der Entwirklichung
  5. Narzißtisch gekränkt
  6. Die Projektion unbewußter Rachephantasien
  7. Emigration als Makel
  8. Die Verliebtheit in den Führer
  9. Noch eine Möglichkeit für Trauer?
  10. Nachbemerkung

Variationen des Themas

  1. Psychoanalytische Anmerkungen über die Kultureignung des Menschen
  2. Tabu - Ressentiment - Rückständigkeit demonstriert an geschichtlichen Entscheidungen
  3. Zur Psychologie des Vorurteils

Die Relativierung der Moral. Von den Widersprüchen, die unsere Gesellschaft dulden muß

Identifikationsschicksale in der Pubertät

  1. Protest und Verwirrung
  2. Eltern als Vorbild
  3. Wandlung der Rollen
  4. Identifikation-Identität
  5. Wiederholung und Auflösung bisheriger Verhaltensweisen in der Pubertät
  6. Die Beziehung des Pubertätsverlaufs zum Autoritätswandel
  7. Verlängerung oder innere Abwehr der Pubertät
  8. Die Wirkung des Ich-Ideals auf die Pubertätsentwicklung
  9. Die Art der Gefühlsbeziehung zu den Eltern als Grundlage des eigenen Wertgefühls
  10. Der Einfluß des Dritten Reiches
  11. Pubertätsschicksale
  12. Pubertät und politisches Verhalten

Proklamierte und praktizierte Toleranz

Das soziale und das persönliche Ich

Änderungen im Wesen politischer Autorität

Konsequenzen - bei offenem Ausgang der Konflikte

Pressestimmen

»Es wäre ein Gewinn, wenn das Interesse an dem Thema auch Leser, die sich bisher mit Psychoanalyse überhaupt nicht beschäftigt haben, dazu führen würde, einen ersten Schritt in diese in Deutschland lange Zeit unterdrückte Gedanken- und Erkenntniswelt zu machen. Wer die Jahre vor 1933 noch einigermaßen bewußt, wenn auch jugendlich miterlebt hat, kann heutzutage nur staunen, wie ahnungslos die Generation der jetzt Vierzigjährigen diesem ganzen Komplex gegenübersteht. Worte wie Minderwertigkeitsgefühl oder Unbewußtes mögen sich zwar in unserer Sprache eingebürgert haben, doch zum Beispiel ein Begriff wie Übertragung trifft auf vollkommenes Unverständnis.« (Margret Boveri in der FAZ, 1967)

Über die Autoren

Margarete Mitscherlich-Nielsen, geb. 1917 in Dänemark, war Psychoanalytikerin, Medizinerin und Autorin zahlreicher Bücher. Die Tochter eines dänischen Arztes und einer deutschen Lehrerin studierte Medizin und Literatur in München und Heidelberg und wurde 1950 in Tübingen zum Dr. med. promoviert. 1947 traf sie in der Schweiz den Arzt und Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich (1908 - 1982), den sie 1955 heiratete. Gemeinsam bemühten sie sich nach dem Krieg um die Wiederbelebung der Psychoanalyse in Deutschland. 1960 war sie Mitbegründerin des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt, wo sie fortan vorrangig arbeitete, und fungierte viele Jahre als Herausgeberin der Zeitschrift "Psyche". Sie hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Margarete Mitscherlich ist 2012 in Frankfurt am Main verstorben, einen Monat vor ihrem 95. Geburtstag.

Alexander Mitscherlich wurde am 20. September 1908 in München geboren. Er studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie in München sowie Medizin in Berlin, Zürich und Heidelberg. Von 1933 bis 1937 wurde er wegen Widerstandsarbeit mehrfach verhaftet, 1937 sogar acht Monate in Nürnberg gefangen gehalten. Nach seiner Promotion arbeitete er als Neurologe an der Universität Heidelberg, nach seiner Habilitation an der medizinischen Polyklinik in Zürich. Ab 1947 war er Herausgeber der Zeitschrift "Psyche". 1949 gründete er an der Universität Heidelberg die Abteilung für Psychosomatische Medizin, die bald zu einer eigenen Klinik ausgebaut wurde. In Frankfurt am Main gründete Mitscherlich 1960 das Sigmund-Freud-Institut, dessen Leiter er bis zu seiner Emeritierung war. Von 1966 bis 1973 war er Professor für Psychologie an der Universität Frankfurt/Main. Er wurde zunehmend zum engagierten Kritiker der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft. 1969 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Mitscherlich starb am 26. Juni 1982 in Frankfurt am Main.

Zum Erhaltungszustand

Hier ein wohlerhaltenes Exemplar in der gebundenen Originalausgabe im Jahr der EA. Der Schutzumschlag mit leichten Gebrauchspuren; der obere Buchschnitt ist lichtbedingt ein wenig nachgedunkelt verschmutzt, auf dem vorderen und hinteren Schmutztitel jeweils ein kleiner Besitzerstempel, welche hinter der Laschedes Schutzumeschlages nicht sichtbar werden.; keine Anmerkungen oder Anstreichungen im Text.

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