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Die Geschichte des Schlachters

Mord und Antisemitismus in einer deutschen Kleinstadt

Details

Verlag Wallstein
Auflage/ Erscheinungsjahr 08.2002
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 304 Seiten
Abbildungen s/w Fotos, Skizzen und Karten
Gewicht 405
ISBN 978-3-89244-612-5

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29,00 €


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Zu diesem Buch

Im März 1900 wird am Rande der Kleinstadt Konitz am östlichen Ende des Deutschen Reiches der Torso des 18jährigen Abiturienten Ernst Winter entdeck; die Leiche wurde mit sauberen Schnitten zerstückelt und ausgeblutet. Die Bevölkerung der Städtchens ist von dieser Tat schockiert, aufgebracht, und die Gerüchteküche brodelt. Da es zunächst weder Verdächtige noch Motive gibt, setzt die Polizei eine hohe Belohnung für Hinweise aus. Schon bald wird gemunkelt, hinter der Tat könne wohl nur der jüdische Schlachter stecken, der die am Opfer beobachteten Schnitte kenne und könne. Ritualmordvorwürfe werden laut, worauf die Stadt in kürzester Zeit versinkt in Massenhysterie und antisemi-tischer Wut, so daß die Lokalbehörden das preußische Militär rufen müssen, um die öffentliche Ordnung schließlich mit Mühe wiederherzustellen.

Der Historiker Helmut Walser Smith rollt anhand von zeithistorischen Dokumenten den Mordfall auf und belegt, wie ein Ensemble unterschiedlichster Vorurteile – über Juden, soziale Klassen, Sexualität und das Denken von Verbrechern – die Ermittlungen (fehl-)leiten und sowohl die Polizei als auch die Stadtbewohner blind machte für die Fakten, die die Identität und Lebensumstände des wirklichen Mörders unter ihnen hätten aufdecken können.

In einer mikroskopisch genauen und sprachlich enorm spannend zu lesenden Untersuchung verwebt Helmut Walser Smith die kusierenden Geschichten und Beschuldigungen, die Akte kleinstädischer Bosheiten und Ressentiments und die massenhysterischen Aufwallungen zu einer dramatisch-präzisen tiefen-psychologischen Fallgeschichte. In der interdisziplinären Tradition der großen mikrohistorischen Studien, wie Carlo Ginzburgs »Der Käse und die Würmer: Die Welt eines Müllers um 1600« u. a., legt Smith das latent antisemitische Potential des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Deutschland bloß und antizipiert die Entwicklungen, die zum Holocaust führten.

Die damaligen Unruhen in Konitz, der schwerste Ausbruch antisemitischer Gewalt im wilhelminischen Deutschland, ermöglichen heute einen einzigartigen Blick auf die kollektiv weit verbreiteten und tief verwurzelte antisemitische Denkmuster bei ganz normalen Deutschen.

Pressestimmen

»Smith (...) hat eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung geschrieben, nach allen Regeln der Kunst: Studium der Quellen und der Sekundärliteratur (bis hin zu mittelalterlichen Judenpogromen), differenzierende Fragestellung und schließlich eine Darstellungsform, die Analyse und (spannende) Narration miteinander verbindet.« (Peter Schöttler, taz)

Über den Autor

Helmut Walser Smith, geb. 1962, ist Associate Professor für neuere Geschichte an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee.
Veröffentlichungen: »German Nationalism and Religious Conflict: Culture, Ideology, Politics, 1870–1914« (Princeton 1995); »Protestants, Catholics and Jews in Germany, 1800–1914«, (Oxford 2001, Hg.); »Exclusionary Violence: Antisemitic Riots in Modern German History«, (Ann Arbor 2002, Hg. zus. mit Werner Bergmann und Christhard Hoffmann); »The Holocaust and other Genocides« (Nashville, 2002, Hg.).

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