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RAR!

Die Exzessiven

Rausch, Sucht, Erkenntnis

Details

Verlag Königshausen u. Neumann
Auflage/ Erscheinungsjahr 1997
Format 21,0 × 14,0 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 94 Seiten
Gewicht 147 g
SFB Artikelnummer (SFB_ID) 978-3-8260-1325-6

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Mozart schrieb seine Linzer Sinfonie in zwei Tagen. Balzac das erste Buch der »Verlorenen Illusionen« in zwei Wochen. Shaws »Pygmalion« entstand in 16 Tagen, Kafkas »Das Urteil« in einer Nacht.

Im 19. Jahrhundert sprach man von ›Inspiration‹, von Geisteinflößung göttlicher Provenienz. Sie war mit einem bestimmten Inhalt verbunden. Der göttlich Beschenkte konnte das, was er gerade so intensiv tat in einen besonderen Glanz tauchen, es so klar und unbedingt tun, daß wir, die wir in unseren täglichen Nebeln des Beschäftigseins dümpeln, in einem lichteren Moment aufschrecken und womöglich ein unbestimmtes Begehren verspüren: einmal auch so konsequent tief an und in einer Sache drin’ sein zu können … Dieser Zustand muß wunderbar sein. Auch Freud befasste sich während seiner intensiven ›Kokain-Episode‹ mit Rausch- und Grenzuständen und erfuhr im Selbstversuch die Wirkung von Opiaten auf Körper und Psyche.

Die Klarheit inspirierter besonderer Bewußtseinszustände entlarvt die Normalität als nebelhaft verschleierte Tretmühle des gänzlich Nebensächlichen, mit dem der Mensch sich alltäglich außer Atem bringt ohne wirklich etwas erreicht zu haben. Keiner, der ihn überwunden hat, will dahin zurück. Und schon beginnt die Sucht - die ja immer auch eine "Suche" ist. Gesucht wird ein Mittel … nicht nur jener Klarheit, die genossen werden kann, sondern einer Erkenntnis, die sich allem Geschmäcklerischen entzieht.

Die Sucht der Suche erweist sich als ruinös. Und hier beginnt der Exzess, der, um den Geist zu intensivieren, immer am Rande des Todes spielt. Setzt er einerseits alle energetischen und sinnlichen Kapazitäten frei (und macht, wie Baudelaire schreib, aus einer Minute drei – nicht als Dehnung in die Länge, sondern nach innen verstanden) – stößt er andererseits auf rigorosen physischen Widerstand. Der Körper macht nicht mit. »Der Gedanke höhlt den Körper aus«, schrieb Balzac, dem als 40-jährigen die Haare büschelweise ausfielen und der an Herzerweiterung litt, wie von heutigen Hochleistungssportlern bekannt. An dieser physiologischen Grenze, die immer eine Grenze zum Tod ist, entstanden die wunderbarsten Werke der Weltliteratur. Sie entstanden durch etwas, das man heute leichthin und wenig reflektiert ›Krankheit‹ oder ›Störung‹ nennt. Die Gesundheit dieser Krankheit ist keine Umkehrung, sondern eine Entlarvung durch den Exzess. Das ›Verrückte‹ entpuppt sich als die Norm des radikal ergriffenen Lebens.

Lieferbarkeitshinweis

Bei der SFB als ein verlagsfrisches Archivexemplar; beim Verlag vergriffen.

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