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Die erschreckende Liebe zum Krieg

Details

Verlag Kösel
Auflage/ Erscheinungsjahr 2005
Format 21,4 × 14,5 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Geb. mit SU
Seiten/ Spieldauer 298 Seiten
Gewicht 445
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-001264

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Zu diesem Buch

Warum können Menschen nur so schwer Frieden untereinander halten? Wie ist es möglich, daß wider bessere Vernunft über Jahrtausende hinweg immer wieder gewaltsame Konflikte, Kriege schrecklichsten Ausmaßes zwischen Menschengruppen, Ethien und Staaten ausbrechen?

Krieg wird, – wenn ›er‹ nicht herrscht –, verdammt und beklagt – und doch übt er zugleich eine ungeheure Anziehungskraft aus, stellt ein Faszinosum dar!

James Hillman, brillanter Denker, Lehranalytiker am C.G. Jung. Institut Los Angeles, untersucht im vorliegenden Buch dieses Paradox und begibt sich aus tiefenpsychologisch-psychoanalytischem Blickwinkel aus auf Spurensuche. In seiner Analyse wird deutlich, daß Krieg auch eine mythologisch gespeiste kollektive Energie darstellt, die in den Seelen aller Menschen existiert, in den Religionslehren, in der Erde unter unseren Füßen …

Inhalt

  • KAPITEL 1: Krieg ist normal
  • KAPITEL 2: Krieg ist unmenschlich
  • KAPITEL 3: Krieg ist erhaben
  • ANHANG / Dank / Anmerkungen / Bibliographie
  • Namen- und Sachregister

Aus der Einleitung des Autors in Kap. I

"Ein Satz in einer Szene eines Films, ´Patton - Rebell in Uniform`, fasst zusammen, was dieses Buch zu verstehen sucht. Der General schreitet nach einem Kampf über das Schlachtfeld. Aufgewühlte Erde, verbrannte Panzer, tote Männer. Er richtet einen sterbenden Offizier auf, küsst ihn, betrachtet die Verheerung und sagt: »Ich liebe das. Gott helfe mir, ich liebe das alles so sehr. Ich liebe es mehr als mein Leben.«

Bevor wir uns dieser Liebe zum Krieg nicht eingehend zuwenden, können wir keine Kriege verhindern oder vernünftig über Frieden und Abrüstung sprechen. Solange wir die kampfbereite Seite der menschlichen Seele nicht mit unserer Imagination durchdringen, können wir nicht begreifen, welchen Sog sie ausübt. Es heißt »in den Krieg ziehen«, und dieses Buch will unseren Verstand in den Militärdienst einberufen. Wir werden nicht »für den Frieden kämpfen«, wie eine trügerische Rhetorik es oft formuliert, sondern uns Krieg um seiner selbst willen zuwenden: um den Wahn seiner Liebe zu verstehen.

Wir müssen unsere Verachtung und unser pazifistisches Entsetzen - diese ganz legitime und tief empfundene Abneigung des Zivilisten gegen alles, was mit dem Militär und dem Krieger zu tun hat - beiseite lassen. Und zwar deswegen, weil das erste Prinzip der psychologischen Methode darin besteht, jedes Phänomen, das wir verstehen wollen, einfühlsam zu imaginieren. Kein Syndrom kann wirklich aus seiner verfluchten Stellung vertrieben werden, bevor wir seinen innersten Kern nicht mit der Imagination durchdringen.

Krieg zu verstehen ist an erster Stelle eine psychologische Pflichtaufgabe, vielleicht die allererste psychologische Pflichtaufgabe überhaupt, weil er Ihr und mein Leben und die Existenz aller Lebewesen unmittelbar bedroht. Die Stunde schlägt dir und allen. Nichts kann der thermonuklearen Raserei entkommen. Mögen auch der große Brand und seine verheerenden Wirkungen unvorstellbar sein, seine Ursache, Krieg, ist es nicht. Krieg ist auch deswegen eine psychologische Aufgabe, weil Philosophie und Theologie, die Gebiete, von denen wir erwarten, dass sie das gründliche Denken für unsere Spezies erledigen, die überragende Wichtigkeit von Krieg außer Acht gelassen haben. »Krieg ist aller Dinge Vater«, sagte Heraklit zu Beginn des westlichen Denkens (In: Fragmente, B53, S. 19, Anm.d.U.), was Emmanuel Levinas im jüngsten westlichen Denken neu formulierte mit den Worten, »dem philosophischen Denken (zeigt sich) das Sein als Krieg.«.

Wenn Krieg eine ursprüngliche Komponente des Seins ist, dann ist er Urheber der grundlegenden Struktur der Existenz und unseres Denkens darüber: unseres Denkens über das Universum, Religion und Ethik. Krieg bestimmt die Denkmuster von Aristoteles’ Logik der Gegensätze, von Kants Antinomien, Darwins natürlicher Auslese, Marxs Klassenkampf und selbst von Freuds Unterdrückung des Es durch das Ich und das Uber-Ich. Wir denken in kriegerischen Begriffen, haben das Gefühl, mit uns selbst im Krieg zu liegen, und glauben, ohne es selbst zu wissen, dass Raub, Gebietsverteidigung, Eroberung und der endlose Kampf widerstreitender Kräfte die Grundregeln der Existenz sind.

Und hat, obwohl das alles so ist, jemals ein wichtiger westlicher Philosoph - mit der großen Ausnahme von Thomas Hobbes, dessen Leviathan vor dreieinhalb Jahrhunderten veröffentlicht wurde - einen Großangriff auf das Thema unternommen oder ihm die grundlegende Wichtigkeit beigemessen, die Krieg in der Themenhierarchie verdient? Immanuel Kant wandte sich diesem Thema erst spät zu (1795) in einem kurzen Aufsatz, den er schrieb, als er über siebzig war und sein Hauptwerk bereits veröffentlicht hatte. Er formuliert das Thema dieses Kapitels mit einigen wenigen Worten ähnlich wie Hobbes: - Der Friedenszustand unter Menschen, die nebeneinander leben, ist kein Naturzustand (Status naturalis)-, der vielmehr ein Zustand des Krieges ist.« Auch wenn Krieg der grundlegende menschliche Zustand ist, konzentriert Kant sich auf »ewigen Frieden«, wie es im Titel seines Aufsatzes {Vom einigen Frieden, Anm.d.Ü.) heißt. Über Frieden haben Philosophen und Theologen viel zu sagen und wir sollten eigentlich spielend leicht Frieden halten können.

Von der höheren geistigen Warte als zentrales Thema verworfen, untersuchen die Spezialisten Krieg eher stückweise oder schieben ihn als »Geschichte« ab, sodass er als Unterkapitel mit dem Titel »Kriegsgeschichte« in die Hände von Gelehrten und Berichterstattern gerät, die sich der Aufzählung von Fakten verschrieben haben. Oder sein Studium wird aus dem Mainstream ausgelagert und in politische Institutionen verbannt (die oft selbst mit konkurrierenden Institutionen im Krieg liegen). Deren magisches Denken verwandelt das Töten in »Vergeltung«, Blutvergießen in »body counts«, das Chaos des Kampfes in »Schauplätze«, »Spieltheorie« und »Kosten-Nutzen«, wobei Waffen zu »Spielzeug« und Bomben »patent« werden. Wir brauchen keine weiteren Forschungen von Spezialisten über frühere und zukünftige Kriege, sondern eine archetypische Psychologie, die sich den Mythen, der Philosophie und der Theologie des geistigen Kerns von Krieg zuwendet. Und genau das ist das Anliegen dieses Buches. (...)"

Der Autor

James Hillman ist Psychotherapeut und C.G. Jung-Schüler. Er war Dozent an mehreren Universitäten in den USA und in Europa.

Lieferbarkeitshinweis

Im Archiv der SFB ist dieser beim Verlag vergriffene Titel in verlagsfrischen und folienverschweißten Exemplaren verfügbar. - RAR!

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