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Klöpper, Michael; Lindner, Reinhard (Hg.)

Destruktivität

Wurzeln und Gesichter

Details

Verlag Vandenhoeck & Ruprecht
Auflage/ Erscheinungsjahr 2001
Format 20,4 × 12,2 × 1,2 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung kartoniert
Seiten/ Spieldauer 136 Seiten
Abbildungen 1 Abb.
Gewicht 158
ISBN 978-3-525-46159-4

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»›Homo homini lupus‹; wer hat nach all den Erfahrungen des Lebens und der Geschichte den Mut, diesen Satz zu bestreiten?«

Sigm. Freud, in: Das Unbehagen in der Kultur

Zu diesem Buch

Die Beiträge des Bandes untersuchen Destruktivität aus den Perspektiven der Triebtheorie, der Selbstpsychologie, der Objektbeziehungstheorie, der Kulturpsychoanalyse und eines historisch-kritischen Ansatzes. Neben Überlegungen zur Entstehung und Entwicklung von Destruktivität werden behandlungstechnische Implikationen aufgezeigt.

Den Herausgebern kommt das Verdienst zu, in ihrem Sammelband auch die gesuchte Arbeit der Kulturanthropologie und Analytikerin Judtih Le Soldat „Kissing & Killing in Kyoto. Unordentliche Liebschaften im Triebwerk des Sadismus“ dem Leser zugänglich zu machen; weitere Beitäge von Frank M. Lachmann: „Transformation von Aggression“, Mathias Hirsch: „Außen und Innen - Traumatische Realität und psychische Struktur. Die Bedeutung Ferenczis für Objektbeziehungstheorie und Psychotraumatologie“, sowie von Mohammad E. Ardjomandi: „Destruktivität und Versöhnung im Islam“, runden die Textsammlung ab.

Aus dem Vorwort der Herausgeber

"(...) In seinem psychoanalytisch-kulturhistorischen Ansatz zum Verständnis der Destruktivität im 20. Jahrhundert wendet sich Till Bastian gegen die ausschließliche Verwendung des Konzepts von der »Triebnatur« des Menschen zur Erklärung menschlicher Grausamkeit und Gewalt. Er fordert, den Menschen mit seinen Ich-Fähigkeiten nicht aus der Verantwortung für die kulturellen und politischen Erscheinungsformen von Destruktivität zu entlassen.

Für die psychoanalytische Selbstpsychologie ist das Bedürfnis nach Selbstbehauptung sowie nach Aversion angeboren. Destruktivität ist in dieser Sicht eine Entgleisung der Entwicklung, die durch eine schrittweise Transformation aus den Bedürfnissen nach Selbstbehauptung und Aversion entstehen kann. Frank M. Lachmann sieht Aggression und Destruktivität gleichsam an zwei »Enden eines Kontinuums: Am einen können wir jene Personen unterbringen, die die Fähigkeit besitzen, auf nuancierte Weise aggressiv zu reagieren. Das andere Ende ist durch >heiß-blütige<, gewalttätige Eruptionen von Aggressivität gekennzeichnet.« Lachmann beschreibt, wie die Selbstpsychologie vorgeht, um in der Praxis neue Transformationen der Selbstbehauptung und Aversion als gesunde Form der Aggression zu entwickeln. Mathias Hirsch befaßt sich in seinem Beitrag mit der Bedeutung des Traumas als zerstörendem äußeren Einfluß auf die psychische Struktur und die Bewältigung psychischer Konflikte. Dabei definiert er die Position Ferenczis als Begründer einer Objektbeziehungstheorie, die den Einfluß der äußeren Objekte auf die Bildung der Objekt- und Selbstrepräsentanzen betont. Sein Beitrag ist auch ein Beispiel für die Integration psychoanalytischer Theorien.

Mohammad E. Ardjomandi nimmt uns zunächst mit in die kulturelle und gesellschaftliche Welt des islamischen Orients und schildert die Bedingungen, unter denen dort Kinder aufwachsen. Der ödipale Konflikt hat hier einen anderen Ausgang als im von der griechischen Antike geprägten Europa. Ardjomandi betont die zentrale Bedeutung der Etikette und der Ehre in ihrer religiös-kulturellen Dimension für den Ausgang des ödi-palen Konflikts und wie sie für das psychosoziale Gleichgewicht des einzelnen ebenso wie für die Gemeinschaft verantwortlich ist.

«Nachrichten aus dem Psychischen scheinen in dem Maß an Genauigkeit und an Zuverlässigkeit zu gewinnen, in dem sie an Plausibilität und an Konsensfähigkeit verlieren." Judith Le Soldat hält den Begriff »Destruktivität« für ein verführerisches Wort, das Klarheit vorgaukelt, wo nur das Ungefähre des bloßen Augenscheins den Gedanken bestimmt. So hat sich im Sprachgebrauch eingebürgert, alles, was zügellos und brutal erscheint, als destruktiv zu bezeichnen. Das Agens des Hasses ist der menschliche Aggressionstrieb. Le Soldat nimmt den von Freud benannten Aggressionstrieb zum Ausgangspunkt ihres Theorieentwurfs der Aggressivität, in deren Mittelpunkt unbewußte passive Wünsche nach sexueller Überwältigung stehen.

Die Herausgeber danken den Autoren für ihre Mitarbeit an dem Projekt, die Ergebnisse der Jahrestagung der APH vom Juni 2000 einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Ein besonderer Dank geht auch an die Mitglieder des Organisationskomitees der Tagung, Dr. Beate Martius, Christa Zydra, Dr. Dieter Hoppe und Rudolf Walter, für ihr Engagement bei der Vorbereitung des Kongresses. Ohne die Bereitschaft vieler, solch arbeits-und zeitintensiven Einsatz auf sich zu nehmen, ist es nicht möglich, in der Öffentlichkeit einen Diskurs über wichtige Themen der Conditio humana zu führen. (...)"

Aus dem Inhalt

  • Till Bastian: Unorthodoxe Fragen zum Thema Destruktivität. Anmerkungen zur Kulturgeschichte von Gewalt im 20. Jahrhundert
  • Frank M. Lachmann: Transformation von Aggression
  • Mathias Hirsch: Außen und Innen - Traumatische Realität und psychische Struktur. Die Bedeutung Ferenczis für Objektbeziehungstheorie und Psychotraumatologie
  • Mohammad E. Ardjomandi: Destruktivität und Versöhnung im Islam. Eine kulturanalytische Rückschau
  • Judith Le Soldat: Kissing & Killing in Kyoto. Unordentliche Liebschaften im Triebwerk des Sadismus.

Über die Herausgeber

Reinhard Lindner, Dr. med., Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Therapiezentrum für Suizidgefährdete in Hamburg.

Michael Klöpper, Dr. med., ist Arzt für Psychotherapeutische Medizin in eigener Praxis in Hamburg.

Lieferbarkeitshinweis

Bei der SFB als verlagsfrischer Archivbestand zum Angebotspreis; beim Verlag vergriffen.

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