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Der Sinn im Nein und die Gabe des Gesprächs

Psychoanalytisches Verstehen zwischen Philosophie und Klinik

Details

Verlag Velbrück
Auflage/ Erscheinungsjahr 10.2013
Format 14 × 22,2 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 420 Seiten
Gewicht 657
ISBN 9783942393751

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29,95 €


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Zu diesem Buch

Wie gut lässt sich der Andere verstehen? Wo liegen die Grenzen des Verstehens? Wann verändert der Verstehensprozess den Menschen und ist heilsam? Das sind Grundfragen der Psychoanalyse, aber nicht nur von ihr. Das Ringen um die Möglichkeiten und Grenzen des Verstehens verbindet sie mit der Philosophie, insbesondere der philosophischen Hermeneutik. Der Dialog mit der Philosophie bereichert die Psychoanalyse um Denkansätze, umgekehrt liefert die Psychoanalyse, und mit ihr die klinische Begegnung, der Philosophie Erfahrungen, an denen diese sich abarbeiten kann.

Die Frage etwa, wie eine Therapie mit Worten wirkt, lässt sich besser beantworten, wenn das Gespräch nicht bloss als Austausch, sondern – philosophisch begründet – als »Gabe von Worten« aufgefasst wird. Eine philosophische Theorie des Negativen kann dabei helfen, in der therapeutischen Begegnung mit schwerem seelischen Leiden das Symptom nicht als Defizit, sondern als verstehbaren Ausdruck zu sehen, ja vielleicht sogar die Zerstörung von Sinn als sinnvoll zu erkennen. Bildwissenschaftliche Analysen schliesslich können darüber aufklären, was ein »inneres Bild« sein könnte und wie bildhafte und sprachliche Erfahrungen einander ergänzen oder in Frage stellen.

Der interdisziplinäre Dialog ist keine Einbahnstrasse, sondern bereichert die eine wie die andere Seite. Aber es geht nicht allein um Erkenntnis und theoretischen Fortschritt. Die psychoanalytische Theorie ist eng mit der therapeutischen Praxis verknüpft. An ihr muss sich der Dialog bewähren, indem die konkrete klinische Arbeit durch eine philosophisch informierte Psychoanalyse gewinnt – und damit der leidende Mensch, der sich der Psychoanalyse anvertraut.

Aus dem Inhalt

Teil I: Grundlagen

  • Der Wandel psychoanalytischer Therapiekonzepte. Klinische Herausforderungen und methodischer Fortschritt
  • Transdisziplinäre Erkundungen zwischen Psychoanalyse und Kulturwissenschaften und Philosophie

Teil II: Das Analytische Gespräch auf der Suche nach dem Sinn

  • Mitspieler und Kritiker. Die kritische Hermeneutik des psychotherapeutischen Gesprächs
  • Das psychoanalytische Gespräch als Austausch von Worten oder als Gabe
  • Die Negativität des Symptoms und die Schwierigkeiten, Nein zu hören
  • Perspektiven produktiver und destruktiver Negativität

Teil III: Liebe und Tod in der Psychoanalyse

  • Tertium datur: zur dialektischen Vermittlung von Eros und Thanatos in der Anerkennung von Differenz
  • Erotik und die Anerkennung des Andern. Die Liebesbeziehung aus der Sicht der Psychoanalyse – aktuelle und geschichtliche Perspektiven

Teil IV: Verstehen von Bildern, verstehen durch Bilder

  • Über das Verstehen-wollen. Hermeneutische Grundpositionen der Psychoanalyse und die documenta 13
  • Sprachbilder und Bildersprache. Über die Berechtigung, von inneren Bildern zu sprechen - Psychoanalytische Reflexionen.
  • Erinnerungsbilder. Wie werden sie in der therapeutischen Situation erzeugt?
  • Liebeszauber – Bildzauber

Teil V: Negative Gefühle und Sinnsuche in Trauer und Melancholie

  • Verlieren, trauern, verzeihen – Psychodynamik der Depression
  • Die Klinik der Melancholie, die Kunstkritik und die Gesellschaftsanalyse: drei Formen der Suche nach der Seele oder eine?
  • Zu den Bedingungen gelingender Trauer
  • Zum Verhältnis von Psychopharmakologie und Psychoanalyse – am Beispiel der Depressionsbehandlung

Teil VI: Grenzsetzungen und Sinngrenzen in den Psychosen

  • Die Grenzen des Verstehens und die Negativität der Symptome. Zur Psychodynamik der psychotischen Störung
  • Die Grenzen des Durcharbeitens in der Psychosentherapie
  • Erschöpfte Schöpfung: Psychotisches Erleben zwischen Kreativität und Stillstand

Teil VII: Ausgrenzungen und Freiräume

  • Wegwerfen, Verwerfen, Ausstoßen? Wie Abfall entsteht und wiederkehrt. Semiotische und soziopsychoanalytische Betrachtungen
  • Zwischen Eröffnung, Vermittlung und Einspruch – Psychotherapie und soziale Verhältnisse
  • Die Konstruktion von Differenz

Teil VIII: Schlussfolgerungen: Was bewirken das Verstehen und die Gabe des Gesprächs?

  • Was leistet die Psychoanalyse für die Selbstkonstitution?
  • Zum zukünftigen Stellenwert der Psychotherapie in der Psychiatrie

Über den Autor

Joachim Küchenhoff, geb. 1953, ist Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Basel sowie Chefarzt und ärztlicher Leiter Psychiatrie Baselland, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.
Die Schwerpunkte seiner Arbeit: interdisziplinäre Forschung in Kulturwissenschaften und Psychoanalyse, psychoanalytische Theorie sowie Psychotherapieforschung, Körpererleben und Psychosomatik.

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