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Der imaginäre Signifikant

Psychoanalyse und Kino (OT: "Le signifiant imaginaire: psychanalyse et cinéma.")

Details

Verlag Nodus
Auflage/ Erscheinungsjahr 2000
Format 21 × 14,8 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
Seiten/ Spieldauer 251 Seiten
ISBN 9783893233588

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38,50 €


Merkliste

Aus einer umfassenden und höchst kundigen Würdigung von Autor und Werk auf http://www.nachdemfilm.de/ von Lars Nowak (2.2002)

"(...) Der Imaginäre Signifikant wird im allgemeinen - und das von Riesinger verfaßte Nachwort zur deutschen Übersetzung tut dies erneut - in die zweite der insgesamt drei Phasen von Metz' theoretischer Entwicklung eingeordnet. Metz hatte sich in der ersten Phase (ca. 1964-1971) mit der Bedeutungskonstitution und dem Realitätseffekt des Kinos beschäftigt, die populäre Rede von der Filmsprache, die fast so alt wie der Film selbst ist, durch einen Vergleich des Films mit der natürlichen Sprache einer kritischen Prüfung unterzogen und eine binäre Systematik der Montagetypen aufgestellt; er wird sich in der dritten Phase (ca. 1986-1993) vor allem mit der kinematographischen Enunziation und deren Spuren im Enunziat des Films befassen. In der zweiten Periode von ca. 1972-1985, die mit "Trucage et cinéma" beginnt, mit Le signifiant imaginaire ihren Höhepunkt erreicht und mit "Photography and Fetish" endet, versucht Metz nun, den linguistisch-strukturalistischen Ansatz der beiden anderen Phasen mit verschiedenen psychoanalytischen Fragestellungen zu verbinden, die neben dem Text des Films auch das zuvor ausgeklammerte Dispositiv des Kinos und den Rezipienten einbeziehen.

Freilich sind diese Zäsuren in Metz' Werk nicht zu verabsolutieren, werden vielmehr durch zahlreiche Kontinuitäten überbrückt, woran sicherlich die Tatsache ihren Teil trägt, daß sich Metz für die lacanianische Version der Psychoanalyse entscheidet, die ihrerseits strukturalistisch ist. So geht es nicht erst in der zweiten, sondern schon in der ersten Periode neben dem Film selbst auch um dessen Rezipienten. Dieser wird lediglich noch nicht aus der Perspektive der Metapsychologie des Unbewußten, sondern aus jener der Wahrnehmungs- und Bewußtseinspsychologie betrachtet, und ihm wird noch eine größere perzeptuelle, affektive und kognitive Eigenständigkeit dem Film gegenüber zugestanden. Umgekehrt beschäftigt sich Metz auch in der zweiten Phase noch mit der Bedeutungskonstituierung und dem Realitätseffekt des Filmes und vergleicht diesen weiterhin mit anderen Symbolsystemen, wenngleich er dabei seine Problemstellungen neu akzentuiert und andere Lösungsvorschläge anbietet: Das Verstehen eines Filmes wird nun weniger durch die Beherrschung von Codes als durch die Identifikation mit Kamera und Leinwandfiguren erklärt. Den im ersten Zeitabschnitt vertretenen Glauben an eine Begrenzbarkeit der Bedeutungen eines Filmes auf eine endliche Anzahl gibt Metz jetzt auf, so daß an die Stelle der Vorstellung einer statischen Struktur das Bild einer dynamischen Strukturierung tritt. Ließ sich Metz bei der Aufstellung der großen Syntagmen noch von der Denotation leiten, so wendet er sich in der psychoanalytischen Periode eher der Konnotation, den Figuren der Metapher und der Metonymie, zu (und löst dabei die begriffliche Unterscheidung von De- und Konnotation auf). Neben den Vergleich des Films mit der verbalen Sprache tritt im Imaginären Signifikanten derjenige mit dem Theater. Der Realitätseindruck wird nicht mehr auf die begrenzte Ikonizität des Filmbildes zurückgeführt, die sich primär auf dessen Beweglichkeit stützt, sondern als fetischistische Verleugnung der Enunziation (des discours) zugunsten des Enunziats (der histoire) expliziert. Dem Verhältnis von Enunziation und Enunziat schließlich, das hier bloß angeschnitten wird, widmet Metz in seiner dritten Phase eine gründliche Untersuchung.

Die Hinwendung der Filmtheorie zur Psychoanalyse

Metz vollzog seine Wendung zur Psychoanalyse keineswegs im Alleingang, sondern unter dem Einfluß von AutorInnen wie Jean-Louis Baudry, Jean-Louis Comolli, Jean Narboni, Thierry Kuntzel, Marie-Claire Ropars, Raymond Bellour, Pascal Bonitzer und Laura Mulvey, wenngleich er dies nicht immer offenlegt. (...)"

Inhalt

I. DER IMAGINÄRE SIGNIFIKANT

1. Das Imaginäre und das “gute Objekt” im Kino und in der Kino-Theorie (“Ins Kino gehen” – “Vom Kino sprechen” – “Das Kino lieben”) // 2. Das Imaginäre des Forschers (Psychoanalyse, Linguistik, Geschichte – Die Psychoanalyse Freuds und andere Psychoanalysen – Verschiedene psychoanalytische Studien zum Kino – Psychoanalyse des Szenarios – Psychoanalyse des Textsystems – Psychoanalyse des Kino-Signifikanten – Die wichtigsten Regime des Signifikanten) // 3. Die Identifizierung, der Spiegel (Die Wahrnehmung, das Imaginäre – Das all-wahrnehmende Subjekt – Die Identifizierung mit der Kamera – Zur idealistischen Kinotheorie – Zu einigen Subcodes der Identifizierung – “Einen Film sehen”) // 4. Die Leidenschaft wahrzunehmen (Das skopische Kino-Regime – Theaterfiktion, Kinofiktion) // 5. Verleugnung, Fetisch (Glaubensstrukturen – Kino als Technik – Fetisch und Kader) // “Theoretisieren”, sagte er ... (vorläufige Schlußfolgerung)

II. GESCHICHTE / DISKURS (Anmerkung zu zwei Arten von Voyeurismus)

III. DER FIKTIONALE FILM UND SEIN ZUSCHAUER (Metapsychologische Untersuchung):
1. Film/Traum: Das Wissen des Subjekts // 2. Film/Traum: Wahrnehmung und Halluzination // 3. Film/Traum: Grade der Sekundarisierung // 4. Film/Phantasma // 5. Die Filmorientierung.

IV. METAPHER / METONYMIE ODER DER IMAGINÄRE REFERENT

1. “Primäre” Figur, “sekundäre” Figur (Über die “abgegriffenen” Figuren – Figural, linguistisch: die Figur inmitten der “wörtlichen Bedeutung” – Das Entstehen von Figuren – Die metalinguistische Illusion) // 2. Figuren im “engen” und Figuren im “erweiterten” Sinn (Status und Liste) // 3. Rhetorik und Linguistik: Jakobsons Beitrag // 4. Referentiell, diskursiv (Überschneidungen des Referentiellen und des Diskursiven – Figur und Thema – Großaufnahme, Montage und Doppelbelichtung) // 5. Metapher/Metonymie – Dissymmetrie einer Symmetrie (Von der Metonymie zur Metapher – Von der Metapher zur Metonymie? – Die “Distribution” von Metapher und Metonymie) // 6. Das Figurale und das Substitutive // 7. Das Problem des Wortes (Figur/Tropus – Das Rhetorische und das Ikonische – Die “isolierende” Eigenschaft des Wortes) // 8. Die Kraft und der Sinn // 9. Verdichtung (Die Verdichtung im System der Sprache – Kurzschluß, kurzer Umlauf: court-circuit, circuit court – Die metonymische Verdichtung) // 10. Von der “Traumarbeit” zum “Primärvorgang” // 11. Die “Zensur”: Barriere oder Abweichung (Nicht zensurierte Spuren der Zensur – Passierbar, nicht passierbar: die Abweichung von Bewußtem und Unbewußtem – Primär/sekundär: die Brechung – Konflikt, Kompromiß: die Abstufungen) // 12. Die Verschiebung (Der Sinn als Übergang, der Sinn als Begegnung – Die metaphorische Verschiebung) // 13. Überschneidungen und Verflechtungen im Film Beispiel einer Figuration: die Überblendung // 14. Verdichtungen und Verschiebungen des Signifikanten (Über den Ausdruck “Operation des Signifikanten” – Verdichtung/Metapher, Verschiebung/Metonymie: die Überschreitung [débordement] – Ikonische Überschreitungen) // 15. Paradigma / Syntagma im Text der Kur.

Nachwort — Biographie — Bibliographie — Editorische Notiz.

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