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Autor Hartwig, Mela (1893-1967)
Verlag Droschl, M
Auflage/ Erscheinungsjahr 2. Aufl.;30.09.2022
Format 21 × 13 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 190 Seiten
Gewicht 507
ISBN 9783854206156

Zu diesem Roman

Hinter dem provokanten Titel, der den Tagebüchern Friedrich Hebbels entnommen ist und die rückschrittlichsten Theorien etwa Otto Weiningers zu unterstreichen scheint, verbirgt sich ein eigentümlicher, fiebriger Roman: Bibiana geht durch die Hände verschiedener Männer, die sie jeweils völlig neu formen, die ihr eine vollständig andere Identität verleihen, vom Namen bis zu ihrem Auftreten. In vollkommener Passivität nimmt sie diese unterschiedlichen Schicksale an, lässt sie diese Einschreibungen über sich ergehen.

Krass wie in einem Kolportageroman sind diese Existenzen: sie ist nacheinander das Werkzeug eines Hochstaplers, die Muse eines armen Komponisten, die Geliebte eines reichen Geschäftsmannes und die Gefährtin eines sozialistischen Arbeiterführers, und in dieser letzten Rolle erleidet sie dann einen sinnlosen Tod auf den Barrikaden.

Der Roman verstört. Bald nach Erscheinen schon zur Verfilmung vorgesehen (mit Greta Garbo in der Hauptrolle), rief er sehr bald kritische Stimmen hervor, die ihn auf der Folie des damaligen Emanzipationsstandes gelesen sehen wollten. Seine Kraft zeigt dieser noch ganz im expressionistischen Gestus geschriebene Roman gerade auch darin, wie fruchtbar er für die zeitgenössische Theoriediskussion zur Gender-Frage noch immer ist.

Pressestimmen zum Werk der Autorin

»Mela Hartwig ist eine jener vergessenen Autorinnen der Zwischenkriegszeit, deren Wiederentdeckung hoch an der Zeit war.«  - Bernhard Fetz, im: ORF

»Hartwigs ständiger Wechsel von heißer Emotion und eisiger Analyse zieht unvermindert in den Bann – eine Wiederentdeckung.«   Katrin Hillgruber, in: Der Spiegel

»Demütigende materielle Einschränkungen, Behördenwillkür und unerwiderte Liebe: aus dieser schwärenden Mischung ergibt sich der explosive Cocktail für den Furor der hartwigschen Heldinnen. … Eine thematisch und stilistisch außergewöhnliche Autorin.«  -  Katrin Hillgruber, in: Der Bund

»Die wilden zwanziger Jahre der Literatur – im Hintergrund die Psychoanalyse Sigmund Freuds.«  -  Reinhold Tauber, Oberösterreichische Nachrichten

»Mela Hartwigs hauptsächlich erstmals 1928 veröffentlichte und nun neu aufgelegte Kurzgeschichten und Novellen treffen einen Nerv. Rund hundert Jahre nach der Erstveröffentlichung verhandelt Hartwig oft erschreckend zeitgemäß Vaterfiguren und romantische Beziehungsabhängigkeiten, Abtreibungen und Machtverhältnisse, Psychoanalyse und Abgründe, gesellschaftliche Erwartungen und Schönheitsstandards. (…) Hoffentlich endlich die Wiederentdeckung einer Autorin, die in einem Atemzug mit Ingeborg Bachmann und Marlen Haushofer genannt werden sollte.«   -  Teresa Preis, in: Buchkultur

Die Autorin

Mela Hartwig, Geboren 1893 in Wien, war Mela Hartwig zunächst Schauspielerin, zuletzt am Schillertheater in Berlin. Sie heiratete den jüdischen Rechtsanwalt Robert Spira und verlegte ihren Lebensmittelpunkt nach Graz. Infolge der Veröffentlichung ihrer ersten Erzählungen (auf Fürsprache von Alfred Döblin) sowie des Novellenbands Ekstasen (1928) und des Romans Das Weib ist ein Nichts (1929) hatte sie Schwierigkeiten, als Jüdin von einem Verlag angenommen zu werden. Sie begann zu malen. 1938 emigrierte das Ehepaar – nach der Enteignung durch die Nazis und der Vernichtung von Mela Hartwigs Bildern – nach England, wo sich die Künstlerin mit Virginia Woolf befreundete und wo sie in den Jahren 1946 bis 1948 den Roman Inferno schrieb, der zu Lebzeiten nie veröffentlicht wurde. 1967 starb sie in London.

Ab den 30ern bis zu ihrem Tod konnte sie, abgesehen von ganz kurzen Arbeiten, keinen ihrer Texte mehr publizieren. Erst 1992 erschien eine Neuausgabe der Ekstasen. Bei Droschl wurden Bin ich ein überflüssiger Mensch? (2001), Das Weib ist ein Nichts (2002), Das Verbrechen (2004) und Inferno (2018) aus dem Nachlass publiziert. (Text Droschl Vlg)

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