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Das Tabu

Was Psychoanalytiker nicht denken dürfen, sich aber trauen sollten

Details

Verlag Klett-Cotta
Auflage/ Erscheinungsjahr 11.02.2017
Format 23,2 × 16,3 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 384 Seiten
Gewicht 707
ISBN 9783608961317

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Zu diesem Buch

Angetreten, vor Tabus nicht auszuweichen, deren Ursachen und Wirkzusammenhänge im menschlichen Seelenleben zu erkunden, hat sich die institutionalisierte Psychoanalyse selbst mit massenweise Tabus und Denkverboten umgeben.

Jürgen Kind, in Göttingen praktzierender und lehrender Psychoanalytiker, zeigt in dieser Summa, seinem Alterswerk, ausgehend von einer Kritik am Konzept des Ödipuskomplexes, der einflussreichsten Theorie der Psychoanalyse, welche Folgen diese letzlich antiemanzipativ wirkenden Tabus für die Theorieentwicklung, den innerbetrieblichen Diskurs. die Therapi und natürlich für die Ausbildung künftiger TherapeutInnen hat.

Jürgen Kind beschäftigt sich mit dem Paradox, dass ausgerechnet die Psychoanalyse zu einem Hort von Tabuisierungen und Glaubenskämpfen geworden ist: Er arbeitet in seinem Buch folgende Tabus heraus, welche die Weiterentwicklung der Psychoanalyse behindern:

  • das Dogma vom Vatermord als eine jedem Menschen innewohnende Intention,
  • Grenzverletzungen in Therapien als einen von der Theorie mitgetragenen Vorgang,
  • ein ans Religiöse grenzender Reinheits- und Wahrheitsbegriff.

Für den Wettstreit konkurrierender Disziplinen untereinander ist es nicht förderlich, sich auf Begriffe wie »Wahrheit« und »reine Lehre« zu berufen. Die Psychoanalyse wird sich, will sie weiter von Relevanz bleiben, daran gewöhnen müssen, dass sie eine von vielen anderen (ERkenntnis-)Weisen ist, die Dinge zu betrachten.

Inhalt

Vorwort von Ulrich Streeck: Ödipus – Prokrustes
Vorbemerkung: Der Mythos von Ödipus

TEIL I: DIE VERSÄUMTE FRAGE

  • Plädoyer für einen Ödipus vor und nach dem Komplex
  • 1 Theben
  • 1.1 Der Beginn: Das Kind ohne Herkunft
  • 1.2 Das Delphische Orakel
  • 1.3 Laios – Erzeuger seiner eigenen Gefährdung
  • 1.4 Warum Unsterblichkeit?
  • 1.5 Laios’ Fehlinterpretation des Orakels
  • 2 Kithairon
  • 3 Korinth
  • 4 Tantalos und Poseidon, Laios und Polybos – Urbilder der gespaltenen Vaterimago
  • 5 Zur Umstrukturierung des negativen Vaterbildes
  • 6 Delphi
  • 6.1 Delphi und die Wende zum Komplex
  • 6.2 Zum Verlust der Kategorie »Generation«
  • 7 Schiste Hodos. Ödipus’ endgültige Wende zum Komplex
  • 8 Konfrontation im Hohlweg
  • 9 Die Sphinx. Hindernis oder Warnung?
  • 10 Zurück in Theben
  • 11 Kolonos. Die zweite Verbannung und der Erwerb von Heiligkeit

TEIL II: SÖHNE, VÄTER, URVÄTER

  • 1 Der Fall Orest
  • 2 Ödipus – ein Brückenmythos
  • 2.1 Vatermord oder Königsmord?
  • 2.2 Typologie zur Geschichte des Vererbungsmodus
  • 3 Der Komplex aus der Sicht Freuds
  • 4 Erweiterungen
  • 5 Der Ödipusstoff in Mythen und Märchen anderer Kulturen
  • 6 Prophezeiung, Verletzung/ Wiedergeburt, Namensgebung
  • 7 Ethnologische Befunde (Frazer)
  • 8 Freuds Projekt einer prähistorischen Verankerung des Ödipuskomplexes
  • 8.1 Anmerkung zum Totemismus
  • 8.2 Urhorde und Urvater – Freuds Theorie vom primären Patrizid
  • 8.3 Weitere Kritik an der Theorie vom archaischen Erbe

TEIL III: MISSBRAUCH UND GRENZVERLETZUNGEN IN PSYCHOANALYSEN

  • 1 Verwirrungen um eine Theorie – das Jahr 1897
  • 2 Der Wendepunkt. Freuds Weg von Theben nach Delphi
  • 3 Zum Schicksal des Subjekts in der frühen Psychoanalyse I
  • 4 Zum Schicksal des Subjekts in der frühen Psychoanalyse II
  • 4.1 Der Dunkle Kontinent
  • 4.2 Die eigene Idee – ein Tabu
  • 5 Zur Geschichte von Grenzverletzungen und Missbrauch in der Psychoanalyse
  • 5.1 Emma Eckstein / Fließ / Freud
  • 5.2 Sabina Spielrein / Jung / Freud
  • 5.3 Freud / Frink / Bijur
  • 5.4 Zilboorg und das New Yorker Institut
  • 5.5 Greenson / Monroe
  • 5.6 Godley / Khan / Winnicott und das Londoner Psychoanalytische
  • Institut
  • 6 Psychoanalytische Weiterbildung/Lehranalyse
  • 6.1 Literaturrückblick
  • 6.2 Filiation
  • 6.3 Realbeziehungen
  • 6.4 Der Lohn für den Verzicht
  • 7 Grenzübertretungen generierende Faktoren
  • 7.1 Der Patient als Forschungsgegenstand
  • 7.2 »The Cause« – Im Dienste der Sache
  • 7.3 Ödipuskomplex
  • 7.4 Der eindringende Analytiker
  • 7.5 Anmerkung zur Freqenzfrage – die klinische und die vereinspolitische Indikation

TEIL IV: DER KOMPLEX UNTER DEM KOMPLEX

  • 1 Eine Konkurrenz
  • 2 Dostojewski und die Vatertötung
  • Zum Verbleib der negativen Vaterimago
  • 2.1 Dostojewskis moralische Verurteilung
  • 2.2 Psychiatrisierung – Dostojewskis Epilepsie
  • 2.3 Anmerkung zu Freuds Argumentationsstil
  • 2.4 Dostojewski – Negativpol in Freuds Vaterimago
  • 2.5 Die Brüder Karamasoff – eine Gefahr für den Ödipuskomplex?
  • 3 Zum Verbleib der negativen Mutterimago
  • 4 Der Komplex unter dem Komplex
  • 5 Der verbotene Raum
  • 6 Die Phantasie vom leeren Raum
  • 7 Die verführende Mutter und der überflüssige Vater
  • TEIL V: GLAUBE, HÄRESIE, SCHISMA. Zur parthenogenetischen Illusion der Psychoanalyse
  • 1 Von der Mittwoch-Gesellschaft zum Nürnberger Kongress
  • 1.1 Zürich – das psychoanalytische Tor zur Welt
  • 2 Der Nürnberger Kongress. Zur machtpolitischen Grundstörung der Psychoanalyse
  • 2.1 Unvereinbarkeitsbeschlüsse
  • 2.2 »Nürnberg 1910« – der erste Exodus von Wissenschaftlern aus der Psychoanalytischen Gemeinde
  • 2.3 Das Komitee
  • 3 Freuds kulturell-wissenschaftliches Umfeld
  • 4 Mosaische Unterscheidung und normative Inversion
  • 5 Folgen der parthenogenetischen Illusion
  • 5.1 Das Gold des Rumpelstilzchens
  • 6 Der Freud’sche Vater im Kontext der parthenogenetischen Illusion
  • 6.1 Der Vatermord – Freuds archimedischer Punkt
  • 6.2 Der gezeugte und der nicht-gezeugte Vater
  • 6.3 Zum »Ur« des Urvaters
  • 7 Schöpfungsprivilegien und Erstgeburt
  • 7.1 Zur Besonderheit der Erstgeburt
  • 7.2  Maßnahmen zur Rettung des Schöpferstatus
  • 8 Zum Dilemma psychoanalytischer Identität
  • 8.1 Das Nachwuchsproblem
  • 8.2 Zum Prädikat »Wahrheit«
  • 8.3 Die Eine Theorie und der Eine Schöpfer
  • 8.4 Zum Briefwechsel Freud/Jung
  • 8.5 Zur Bedeutung des Sündenbocks für die psychoanalytische Community am Beispiel Jung und Ferenczi
  • 8.6 Zum Verhältnis DPG / IPV
  • 8.7 In gefährlicher Umgebung
  • 9 Warum Ödipus?
  • Literatur / Danksagung / Der Autor.

Über den Autor

Jürgen Kind, Dr. med. ist Arzt für Psychiatrie und Psychoanalytiker in eigener Praxis; Lehr- und Kontrollanalytiker am Göttinger Lou-Andreas-Salomé-Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie; Supervisor an verschiedenen Kliniken.

Vita: Nach dem Medizinstudium wandte sich Jürgen Kind zunächst der Pathologie und der Molekularbiologie zu am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin. Sein psychiatrischer Werdegang hatte auch einen starken wissenschaftlichen Akzent. Über Jahre gehörte er einer Forschergruppe der Psychiatrischen Universitätsklinik Göttingen an, die für ihre Ergebnisse in der Psychoseforschung 1979 mit dem Hermann-Simon-Preis ausgezeichnet wurde. Seine Erfahrungen mit suizidalen Patienten stammen vor allem aus seiner langjährigen Tätigkeit als Abteilungsleiter am Niedersächsischen Landeskrankenhaus Tiefenbrunn.

Rezensionen

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