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Das Kraftfeld der Mythen

Details

Verlag Piper
Auflage/ Erscheinungsjahr 1996
Format 21,2 × 14,6 × 4,6 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Gebunden mit Schutzumschlag
Seiten/ Spieldauer 810 Seiten
ISBN 9783492033138

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Zu diesem Buch

Bischofs Buch Kraftfeld der Mythen, gilt als sein wichtigstes Werk, in dem er die konkreten Implikationen des im Rätsel Ödipus gespannten Rahmenmodells erörtert. Das Buch geht der Frage nach, inwiefern Mythen einer Art "Darwinschen Auswahl - The Survival of the Fittest" unterliegen und unterlegen haben. Wie konnten diese mehr als 2000 Jahre überdauern? Inwiefern sind es besondere "alte Geschichten", die für Menschen existentiell (und damit "psycho-biologisch" / "psychophysisch") bedeutend sind.

Nach verbreiteter Ansicht berichten Mythen von den Anfängen des Kosmos und den Abenteuern vorgeschichtlicher Menschen. Dagegen stellt und begründet dieses Buch die These, sie seien der Nachhall der seelischen Entwicklung in Kindheit und Jugend, deren wahre Datierung wir allerdings vergessen haben. Mythen erwecken also im Hörer vage, aber überzeugungskräftige Erinnerungen an wirklich Erlebtes, und das verleiht ihnen bei Naturvölkern die Macht, Orientierungshilfe im Kraftfeld menschlicher Antriebskonflikte zu leisten. Wo sie von Wissenschaft und Aufklärung verdrängt wurden, nehmen robustere, aggressivere Surrogate ihren Platz ein: politische Ideologien, deren genuin mythische Struktur das Buch im Detail analysiert.

Das Buch ist der zweite Teil einer mit dem «Rätsel Ödipus» grundgelegten psychologischen Anthropologie. Sein auf interdisziplinären Recherchen und aktueller eigener Forschung fußender Ansatz schlägt Brücken zwischen scheinbar weit auseinander liegenden Themen. Es liest sich, je nach Blickwinkel, als Beitrag zur strukturalistischen Mythenforschung, zur Philosophie der Weltanschauungen und zur Psychologie der emotionalen und sozialen Entwicklung. Auseinandersetzungen geht es nicht aus dem Wege: Es stellt psychoanalytische Dogmatik ebenso in Frage wie esoterischen Scheintiefsinn, es zeigt Auswege aus fundamentalistischen Denkzwängen und diagnostiziert die Pathologie des politischen Extremismus.

Insgesamt spricht es alle an, die den Menschen auch und gerade in den Abgründen seiner Irrationalität verstehen möchten und sich dabei nicht mit unverbindlichen Antworten zufrieden geben,

Zitat (S. 55ff): "Das zentrale Problem der Mythenkunde ist nicht die Authentizität (Anmerkung: also die Existenz einer Urfassung) sondern die Stabilität der Fabel. Warum sind die echten Mythen auf ihrem langen Weg von Mund-zu-Mund vergleichsweise immun gegen individuelle Willkür, private Phantasien, zufällige Missverständnisse und gutgemeinten Umdeutungen? Wie soll man sich erklären, dass sogar in Sozietäten, die geografisch, kulturell und nicht zuletzt sprachlich weit auseinanderliegen, mythische Inhalte in oft verblüffender Detailtreue übereinstimmen?" Zitat S. 75: "Könnte es sein, dass diese Innenwelt die ökologische Nische ist, an die sich die Mythen anzupassen hatten...?"

Aus dem Vorwort des Autors

"Als ich vor einigen Jahren einen Vortrag über Themen aus meinem Buch «Das Rätsel Ödipus» zu halten hatte, kam es, zwanzig Minuten nach Beginn, zu einem kleinen Eklat. Einer der Zuhörer, seines Zeichens praktizierender Psychotherapeut, sprang auf und verließ mit dem vernichtenden Ruf «Wo bleibt hier die Seele?» den Saal.

Eine Überreaktion, sicher, aber keine ganz unverständliche. Das genannte Buch handelte vom Menschen; sein Thema war im Grunde der Entwurf einer disziplinübergreifenden Anthropologie. Gleichwohl redete es in der Sprache der Verhaltensbiologie. Ich meine zwar auch heute noch, daß diese dem Gegenstand durchaus angemessen sein kann; aber ein Menschenbild, bei dem die Innerlichkeit randständig bleibt, ist wirklich ein Torso.

Das Fehlende soll hier nachgeholt werden. Es geht um ein Thema, bei dem sich der Naturwissenschaftler von vornherein neidlos für unzuständig erklärt – um Inhalte der Phantasie. Ich bin darauf schon während der Arbeiten am vorerwähnten Buch gestoßen. In diesem steht, daß die Inzestscheu weitaus älter sei als der Mensch.

Nun machen aber dreiviertel aller Kulturen in ihrem Mythengut vom Inzestmotiv Gebrauch. Da stellt man sich schon die Frage, was das zu bedeuten hat. Verweist es am Ende doch auf tiefsitzende «ödipale» Wünsche von der Art, wie Sigmund Freud sie postuliert hat? Die bloße Tatsache, daß die Menschheitsphantasie so hartnäckig um dieses und andere, ähnlich provokante Themen kreist, fordert doch eine Erklärung.

Ich begann daher damals schon, mich mit Mythen zu beschäftigen. Mit der Zeit gewann das Thema an Umfang und Bedeutung. Die Implikationen erwiesen sich als derart reich, und sie wuchsen so sehr über die ursprünglich anvisierte Inzest-Thematik hinaus, daß der Plan einer eigenen Monographie reifte. (...)"

Inhalt

Erster Teil: Akademische Vorübungen

1. Von der Gnosis zur Postmoderne: Auf der Suche nach der imaginären Zeit – Fortschritt und Ritual – Be reshit bara Elohim … – «Evolutionsmodell» und «Schöpfungsmodell» – Zweifel am gasförmigen Wirbeltier – Unerwartete Widerstandskräfte – Die Vernunft des Herzens – Die Heraufkunft der «zwei Kulturen» – Eine verblüffende Synthese – Das Tao der Physik – Das Spiel des Meerschaums – Dummheiten erster Art - Notizen: Standpunkte zur Beziehung zwischen Mythos und Wissenschaft

2. Die Frage nach dem Sinn: Das Problem der Authentizität – Der Flammenritt – Homologie und Übertragung – Der Streit um die «Elementargedanken» – Falsch verstandener Darwinismus – Das Gesetz der guten Gestalt – Die Idee der Konvergenz – Analogie und Anpassung – «Geographische Provinzen» – Von Melonen und Misthaufen – Bezugssysteme des Verhaltens – Mythen als «Meme»
Notizen: Parallelen zwischen Mythen und Organismen

3. Phänomen und Transzendenz: Fließende Übergänge – Naiver Realismus – Zweifel an der «Innenwelt» – Zweifel an der «Außenwelt» – Play Kant – Die Rekonstruktion des Mesokosmos – Kritischer Realismus – Leib und Seele – Die phänomenale und die transzendentale Perspektive – Die beiden Zeitachsen – Ana kushi was - Notizen: Erkenntnistheoretische Voraussetzungen

4. Figur und Medium: Archetypen und Auslöseschemata – Wahrgenommene Grenzen – Eine eigentümliche Asymmetrie – Unscheinbare Bezugssysteme – Wesenseigenschaften – Eine linguistische Parallele – Stimmungen und Gefühle – Das Gesicht im Spiegel – Tat tvam asi – Die bunten Glaskugeln – Der Universumstulp – Der Sinn des Ch’i - Notizen: Zur Phänomenologie des Anschaulich-Seelischen

Zweiter Teil: Das Chaos

5. Das ozeanische Gefühl: Ein folgenreicher Briefwechsel – Narzißmus – Phänomenologie und «Metapsychologie» – «Trieb» und «Selbst» – Vorgeburtliche Reminiszenzen? – Symbiose – Kontrollüberzeugungen – Landmarken – Soziale Vergewisserung – Spiegelbild und Empathie – Die Wiederannäherungskrise – Die Welt in den ersten zwei Lebensjahren - Notizen: Theorien zur frühkindlichen Ich-Entwicklung

6. Der kosmogonische Inzest: Der Uroboros – Sinn und Unsinn des Matriarchats – Die erste Figur – Der Erdtaucher – Nun und das Sonnenkind – Chaotische Ambivalenzen – Die Urszene – Inzest und Hermaphroditismus – Phallus und Nabelschnur – Purusha und Viraj – Izanagi und Izanami – Die drei Ebenen der Inzestbeziehung - Notizen: Mythische Symbole frühkindlicher Entwicklungsstadien

7. Die Landung des Kopffüßlers: Die Sprache des Körpers – Die Sprache der Bilder– Vom Weg zur Grenze – Die «Sensible Kugel» – Lichtfasern – Expansion und Rotation – Egozentrische «Kaulquappen» – Die Dreigliederung des Bildraumes – Das «Wutknäuel»
Notizen: Frühe Entwicklungsstadien der Kinderzeichnung,

Dritter Teil: Die Sünde

8. Die Trennung von Himmel und Erde: Der Mythos von Ta’aroa – Eine raumsymbolische Verlagerung – Luftgötter – Die Verselbständigung des medialen Ich – Die Rolle des figuralen Ich – Der Weltentstehungsmythos der Maori – Tawhiri und sein Vater – Unfreundliche Akte – Emanzipatorische Trennungsmythen – Nostalgische Trennungsmythen – Felix Culpa – Inversionen und Katastrophen – Die Geburt des Feuers - Notizen: Emanzipatorische und nostalgische Trennungsmythen

9. Korrekturen am Ödipuskomplex: Die Entfremdung vom Vater – Kronos mit der Sichel – Ödipus etc. – Rangi und Papa im Labor – Die Geschichte von den Himmelsmenschen und den Erdmenschen – Das Bärenhaus – Die zwei Berge – Die Wanderungen der Libido – Theory of Mind – Schuld und Scham – Die Scheidung der Elemente - Notizen: Affektive Entwicklung in der «ödipalen» Phase

10. Die biblischen Schöpfungsberichte: Die Vorwelt – Die oberen und die unteren Wasser – Das Weltbild des Indienfahrers – Die Priesterschrift und der Text des Jahwisten – Jahwe, Elohim und der erste Mensch – Zentripetale und zentrifugale Wertvorstellungen – Das Enuma Elisch – Eas Kampf mit dem Vater – Marduks Kampf mit der Mutter – Mummu – Kingu – Tehom und die Schlange - Notizen: Vergleich der drei wichtigsten vorderorientalischen Weltentstehungsmythen

11. Die Struktur der Trennungsmythen: Morphologie des Märchens – Urszene und Protagonist – Das zwielichtige Paradies – Wachstum und Differenzierung – Beengung und Unruhe – Die Verführer – Trennung und Raub – Die Büchse der Pandora – Die Rollentrennung der Geschlechter – Armierung und Fortschritt – Der Idealtyp des Trennungsmythos – Synergetik der Emotionen. Notizen: Elementare Handlungsmuster in Trennungsmythen

12. Bilder und Spiegelbilder: Vergleich und Deutung – Der hermeneutische Zirkel – Amplifikation – Subtraktive und additive Mischung – Reduktion und Synthese – Aus dem Geiste der Musik – Absage an die Amateure – Struktur und Form – Die symmetrische Zeit – Das Rohe und das Gekochte – Die Trennung von Gut und Böse – Die Gé-Mythe – Feuer und Anti-Feuer – Ordnung und Organisation – Das Schiff ohne Hafen. Notizen: Methodische Zugänge zu einer vergleichenden Mythologie.

Vierter Teil: Der Schelm

13. Tricks or Treats: Frühreif und unmündig – Fahrende Junggesellen – Konkret-operative Errungenschaften – Eleaten und Sophisten – Assumptive Realitäten – Kognitiver Dünkel – Aberglaube und Magie – Das externe Gewissen – Stehaufmännchen – Tagträume – Geschlechtsunterschiede – Die Geister der Toten. Notizen: Das Erscheinungsbild der konkret-operativen Phase

14. Ostwärts von Eden: Der jammernde Alte – Unflätige Streiche – Der vermummte Wanderer – Trickster-Mythen – Diesseits von Gut und Böse – Der betrogene Betrüger – Die Teile ohne das Band – Hermes und die Kabiren – Die Wandlung zum Wohltäter – Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen – Wotan und Loki – Im Lande Nod. Notizen: Der Charakter des Tricksters

15. Im Bauche des Fisches: Rosemarys Baby – Das Spiel mit dem Monster – Entropie und Relevanz – Der Anspruch auf Autonomie – Bewältigungsstrategien – Der Coping-Spezialist – Suppression der Relevanz – Auswirkungen auf die Autonomieregulation – Antisoziale Empathie – Das Ende des Tricksters – What, me worry? Notizen: Grundbegriffe des Zürcher Modells der sozialen Motivation.

Fünfter Teil: Der Held

16. Der Heros mit den tausend Gesichtern: Sturm und Drang – Euphorion oder der Weg in den Tod – Zwei konvergente Forschungsansätze – Der Zar und seine drei Söhne – Die Stadt unter der Sonne – Die Stunde der Wahrheit – Der Aufbruch – Die Schenkerszene – Vorstufen erotischer Reife – Der Held als Trickster – Quellen der Sicherheit – Der Keller des Großvaters – Anything goes. Notizen: Gliederung des Zaubermärchens nach Propp (I)

17. Das Elixier des Lebens: Höhlengefühl und Weitengefühl – Die Entdeckung der dritten Dimension – Von Aristoteles zu Giordano Bruno – Der Kampf mit dem Drachen – Auf den Spuren einer seltsamen Kategorie – Diachrone Identität – Synchrone Identität – Die primäre und die sekundäre Zeit – Permanente Identität – Ablösung und Rückbindung – Der Vater und das Volk – Die Typologie Marcias - Notizen: Gliederung des Zaubermärchens nach Propp (II)

18. Die drei Geheimnisse des Tao: Die unendliche Ferne – Kippfiguren – I yin i yang chih wei tao – Die Markierung des Helden – Der Traum der schlafenden Schönen – Das Problem der sekundären Prägung – Yossarians Erkenntnis – Die Jungfrau und das Lebenswasser – Vertauschte Rollen – Das Märchen vom Eisenofen – Der falsche Held – Spontan, aufrichtig und streitbar – Die Phasenverschiebung - Notizen: Gliederung des Zaubermärchens nach Propp (III)

19. Ödipus der Held: Wie alt ist Ödipus? – Kindermärchen – Aus der Perspektive des Tricksters – Erotische Vorahnungen – Der Beginn in Theben – Die ominöse Markierung – Ein zweiter Anlauf – Die unheilige Vermählung – Die Botschaft des Orakels – Die Einsamkeit - Notizen: Strukturanalyse der Ödipus-Tragödie.

Sechster Teil: Ideologischer Nachhall

20. Revolution der Gestörten: Der naturalistische und der moralistische Trugschluß – «Links» und «Rechts» – Gesellschaftspolitische Ideale – Moralvorstellungen – Zeitperspektive – Ideologie und Psychodynamik – Der Dreistufenplan – Die linksradikale Persönlichkeitstruktur – Die Träume des Anu – Verschmelzung statt Spiegelung. Notizen: Zur Analyse des e-Typus

21. Der Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts: Die Blutleuchte – Der Marder Juda – Studien über Rechtsradikalismus – Es lebe der Tod – Seele und Eisen – Der Rächer der Mutter – Kingus eigener Mythos – Der Frevel der Göttersöhne – Von der goldenen zur silbernen Zeit – Zyklen des Niederganges – Die Struktur der radikalen Ideologien – Die Quintessenz. Notizen: Zur Analyse des n-Typus.

22. Der Schleier der Isis: Terra incognita – Die Kraftfelder der Mythen – Ontogenese und Phylogenese – Das neue Zeitalter – Der Jüngling von Sais – Der Geist als Widersacher der Seele – Negative Theologie – Der Hierophant und die Psychologen – Im Namen des Vaters und des Helden und des Lebenselixiers – Docta Ignorantia.

Nachlese: Versuch, die wichtigsten Argumentationslinien dieses Buches nachzuzeichnen.

Der Autor

Norbert Bischof wurde am 6. März 1930 in Breslau geboren. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann bei Erich von Holst und Konrad Lorenz in Seewiesen und führte über das CalTech in Los Angeles zur Universität Zürich, an der er von 1975 bis 1997 als ordentlicher Professor tätig war. Seit 1997 ist er Honorarprofessor für Psychologie an der Universität München. Der Vater dreier erwachsener Töchter lebt mit seiner Frau Doris Bischof-Köhler in Bernried am Starnberger See.

Lieferbarkeitshinweis

Bei der SFB als ein gut erhaltenes antiquarisches Exemplar der gebundenen Erstausgabe; innen frisch, wojl nur angelesen und ohne Anmerkungen, Anstreichungen. Am unteren Buchschnitt ein dünner schwarzfarbener Strich. - Selten!

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