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Das blinde Auge des Staates

Die Heimkampagne von 1969 und die Forderungen der ehemaligen Heimkinder

Details

Verlag Klinkhardt, Julius
Auflage/ Erscheinungsjahr 03.2010
Format 21 × 14,8 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
ISBN 9783781517103

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15,90 €


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Zu diesem Buch

Die restaurative Politik der frühen Bundesrepublik hatte den Erhalt nationalsozialistischen Geistes in Form von personeller Kontinuität in allen wichtigen politischen und gesellschaftlichen Bereichen etabliert. In der Fürsorgeerziehung ist dies besonders zum Tragen gekommen. Hier wurden von so genannten Erziehern, die häufig über keinerlei pädagogische Kenntnisse verfügten und zum Teil schon von den Nationalsozialisten eingesetzt worden waren, brutale Erziehungsmethoden praktiziert. Erst mit der Studentenbewegung Ende der sechziger Jahredes vergangenen Jahrhunderts entstand allmählich in der westdeutschen Gesellschaft ein Problembewußtsein und erste Reformen setzten ein.

Die Geschichts- wie auch die Politikwissenschaft sind in ihrer neueren Forschung zum Umgang mit der Entnazifizierung in den ersten beiden Jahrzehnten der Bundesrepublik zu niederschmetternden Ergebnissen gekommen. Vor diesem Hintergrund und angesichts der neuen Erkenntnisse, die die aktuelle Forschung bezüglich der Situation in Heimen der 50er, 60er und auch 70er Jahre aufweist, erfolgt in dieser Untersuchung die historische Einordnung der Heimkampagne von 1969. Darüber hinaus zeigt sie gegenwärtige Reaktionen von Trägern der Heime und staatlichen Organen auf die Beschuldigung durch die ehemaligen Heimkinder auf und reflektiert sie unter Berücksichtigung des rechtsphilosophischen Essays Vergangenheitsschuld von Bernhard Schlink und der Überlegungen zum Umgang mit Vergangenheitsschuld in der Kinder- und Jugendhilfe von Manfred Kappeler.

Das vorliegende Buch leistet mit genau diesem Thema und diesem Inhalt einen Beitrag zu der Diskussion, deren Anliegen ist aufzuzeigen, warum Erinnern und gegebenenfalls Wiedergutmachen für das Funktionieren einer Gesellschaft „not-wendig“ sind.

Inhalt

  • Vorwort

1. Einleitung

2. Die Folgen des Zweiten Weltkrieges

3. Innenpolitische Rahmenbedingungen und Zeitgeist der 50er und 60er Jahre

  • Westintegration
  • Der Weg in die Privatheit
  • Verhinderung der Entnazifizierung
  • Fehlende Entnazifizierung auch in den Heimen
  • Exkurs: Verwahrlosung
  • Vom Ende der Ära Adenauer bis zur Großen Koalition
  • 1968: noch eine Bestimmung die verhinderte Entnazifizierung betreffend
  • Ein neuer Geist entsteht
    „Ein Stück Machtwechsel“

4. Die Heimkampagne

  • Die Initiierung der Heimkampagne
  • Die Staffelberg-Kampagne
  • Das juristische Gutachten „Jugendfürsorge und Grundgesetz“ vom 8. Juli 1969
  • Das pädagogische Gutachten „Stellungnahme zur Frage der Unterbringung von Jugendlichen aus der FE und FEH (Staffelberg)“ vom 23. Juli 1969
  • Verhandlungen, Kompromiss, Rückzug
  • Ergebnis
  • Die Ausdehnung der Heimkampagne in Hessen
  • Berlin
  • Köln
  • Die Wirkung der Heimkampagne

5. Was 1971 bereits möglich war: das Beispiel Viersen-Süchteln 101

  • Rahmenbedingungen
  • Konzeptionelle Veränderungen
  • Freizeitangebot und Projekte
  • Transparenz und wissenschaftliches Interesse
  • Zusammenfassung

6. Die aktuelle Situation in der Kinder- und Jugendhilfe

  • Professionalisierung des Personals
  • Differenzierung und Regionalisierung
  • Ökonomisierung und Qualitätsentwicklung
  • Vernetzung und interdisziplinäres Arbeiten
  • Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes
  • Zusammenfassung

7. Fazit: Die Heimkampagne und die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung

  • Zur Bedeutung der Heimkampagne
  • Vom Umgang mit der Wahrheit
  • Die Heimkampagne und die Aktualität des Themas
  • Die Kirchen und die Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren
  • Die Reaktion der katholischen Kirche
  • Die Reaktion der evangelischen Kirche
  • Die Reaktion des Bundesdachverbandes für Erziehungshilfe e.V.
  • Die Frage der Schuld

8. Literatur

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