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Kücken, Hans A; Albrecht, Wolfgang; Tobben, Irene (Hg.)

Dahlemer Vorlesung

Band 3: ›arbeiten mit ödipus‹ - Begriff der Verdrängung in der Religionswissenschaft

Details

Verlag ça-ira-Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 12.2020
Format 22,5 × 16,0 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Hardcover
Seiten/ Spieldauer 304 Seiten
Abbildungen 5 Abb., Taf.
Gewicht 512 g
ISBN 9783862591541

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Das Werk des Religionswissenschaftlers Klaus Heinrich wurde von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung mit dem "Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa" ausgezeichnet.

Stimmen zu diesem Band

"(...) Obwohl "nur" als Einführung für Studenten angelegt, verband sich mit dem Versuch, "eine Psychoanalyse vorzustellen, die ihren Namen verdient", durchaus ein ehrgeiziger Anspruch - der nämlich, die Nachfolge der Kritischen Theorie anzutreten. Denn es ging ja nicht nur um das Festhalten an Aufklärung, sondern auch darum, die Aufklärung selbst über ihre Grenzen und ihre eigentlichen Motive ins Bild zu setzen. Deshalb erscheint Kant bei Heinrich als eine Art Idol, das stets aufs neue angegriffen wird.

Nichts ist Heinrich sympathischer, als wie Kant auf Aufklärung zu beharren, und nichts verderblicher, als sie mit Kants Begrenzung - dem "Ich denke", das alle meine Vorstellungen muß begleiten können - zu betreiben. Doppelgängerei sei die Folge, ein Ich, das sich in die reine Kontrollinstanz und ihre dunkle illegitime Kehrseite aufspaltet. An Stelle dieser Doppelgängerei sollen die Widersprüche ins Denken selbst aufgenommen werden, bekommt das Unbewußte eine Intention, die ernst genommen werden will.

Heinrich pointiert es in seinem Vorwort: Die Menschengattung wolle ihr Unbewußtes kennenlernen, und in diesem Trieb dürfe sie nicht diesen oder jenen Schritt der Aufklärung vergötzen. Den Hegelschen Begriff des konkreten gesellschaftlichen Allgemeinen führt Heinrich gegen die abstrakte Allgemeinheit ins Feld, die die gesellschaftlichen Verhältnisse allesamt verzeichnet. In ihr geht der Ariadnefaden verloren, der zum Unglücksort, zugleich dem Transformationsort, zurückführt.

Von dieser Schnittstelle habe auch Marx sprechen wollen, als er die Arbeitsprozesse untersuchte, von ihr spricht Freud ununterbrochen, wenn er den Ödipuskomplex analysiert. Nur der Sozialwissenschaftler spricht nicht mehr von ihr. Dem heutigen Leser wiederum kann nicht entgehen, wovon Heinrich schweigt. Vor allem übergeht er die einschneidenden Weiterentwicklungen Melanie Kleins und ihrer Schule, die die Psychoanalyse auf eine der Freudschen "Revolution" ebenbürtige Weise revolutionierten. Damit beraubt er sich des Kontakts zur psychoanalytischen Praxis, die lediglich in Miniporträts zwischen skurriler Entschärfung und ödipalem Pathos figuriert. Aber gerade daß Heinrich sich durch die Dynamik von Übertragung und Gegenübertragung so heroisch unbeirrt zeigt, verleiht ihm für die Pathologie der Gesellschaft das absolute Gehör."

Aus einer umfangreichen Besprechung des Buches von Carolione Neubaur, veröffentlicht in der FAZ vom 19.07.2001

Der Autor

Klaus Heinrich, Jahrgang 1927, lebt in Berlin, wo er aufgewachsen ist. Nach dem Gymnasium war er Luftwaffenhelfer, 1943 wurde ein Verfahren gegen ihn geführt, wegen Wehrkraftzersetzung und Defaitismus. Seit dem Wintersemester 1945/46 studierte er Rechte und Religionwissenschaften, Theologie und Psychologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. 1948 war er studentischer Mitbegründer der Freien Universität Berlin. 1952 schloß er das Studium mit der Promotion ab, danach: Assistenz und Lehrtätigkeit am Religionswissenschaftlichen Institut, 1964 Habilitation, 1971 ordentliche Professur für das Fach Religionswissenschaft auf religionsphilosophischer Grundlage.

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