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Buch der Hasengeschichten

Limitierte und nummerierte Neuauflage der Erstausgabe 1924

Details

Verlag Bokelberg, Werner
Auflage/ Erscheinungsjahr 17.03.2017
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Halbleinwand
ISBN 9783000560255

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26,00 €


Merkliste

Im Deutschland der 1920er Jahre kannte fast jedes Kind ihre Bücher: Tom Seidmann-Freud, eigentlich Martha-Gertrud Freud (1892-1930), zählte zu den innovativsten KinderbuchillustratorInnen der Weimarer Republik. Sie sei eine »ans Geniale grenzende Illustratorin«, schrieb ihr Bewunderer, der Religionshistoriker Gershon Scholem über Tom Seidmann-Freud, eine »authentische Bohemienne« mit Bubikopf. Ihr berühmter Onkel Sigmund Freud nannte sie in einem Brief »a gifted artist«, »but more than half crazy« (Brief vom 6. Dezember 1929)

Zu diesem Kinderbuchklassiker für kleine und große Menschen

Das „Buch der Hasengeschichten“ aus dem Jahr 1924 ist fraglos eines der faszinierendsten und wundersamsten Kinderbücher der Literaturgeschichte. Wobei der Begriff „Kinderbuch“ im Grunde zu kurz greift: Die Märchen und Fabeln, die Tom Seidmann-Freud hier aus aller Welt zusammengetragen und in zarten Pastellfarben bemerkenswert klar und ornamental illustriert hat, sind beseelt von einer ungeheuren Kraft und zum Teil dunkler Symbolik, die Leser aller Altersstufen in ihren Bann zieht.

Der Hase, seit Menschengedenken Sinnbild der Fruchtbarkeit und sexueller Begierde, gilt in vielen Kulturen als magisches Krafttier, das mit den Göttern in Verbindung steht und das weibliche Prinzip verkörpert. Seine ausgezeichneten Sinnesorgane, seine Intuition und Anpassungsfähigkeit haben ihn zu einem wahren Überlebenskünstler gemacht, der auf allen Kontinenten zu Hause ist – und dementsprechend auch in der Mythen- und Sagenwelt aller Kulturkreise seinen festen Platz hat.

Tom Seidmann-Freud hat in ihrem Buch zwölf archaische Märchen von Meister Lampe versammelt, die meisten davon afrikanischen Ursprungs.

Den ganz besonderen Charme dieses Buches macht die eigenartige Formensprache der hinreißenden Illustrationen aus: Mit spitzer Feder scharf umrandet, hat Tom Seidmann-Freud ein fast holzschnittartiges Figurenrepertoire geschaffen, halb expressiv, halb der Neuen Sachlichkeit verbunden.

Ergänzend Editorisches: Im Jahre „1924 wiederholt sie (d. i. Tom Seidmann-Freud) sowohl inhaltlich als auch optisch im ‚Buch der Hasengeschichten‘ ihr Vorbild Karl F. E. von Freyhold. Ihre in einfachster Stilisierung ausgeführten Bilder sind flächig, zugunsten der Lesbarkeit werden Überschneidungen und eine komplizierte Räumlichkeit vermieden. Trotz der teilweise kostbar in ausdrucksvollen Klängen handkolorierten Blätter überwiegt eine gewisse fibelhafte Steifheit“ (Werner in LKJ III, S. 374)

Stimmen zu dieser Neuausgabe

"(...) Geboren wurde sie (Martha-Gertrud. Red.) 1892 in Wien als Tochter von Moritz und Marie (Mitzi) Freud, einer Schwester des Psychoanalytikers. Ihre Eltern nannten die Kleine Martha Gertrud. Die aber, ein als scheu und schwierig geltendes Mädchen, legte sich mit 15 Jahren den jungenhaft-spröden Rufnamen «Tom» zu. Zu dieser Zeit lebte die Familie bereits einige Jahre in Berlin, wo 1904 Toms Brüder als Nachzügler zur Welt kamen: Georg wurde tot geboren, sein Zwillingsbruder Theodor ertrank im Juli 1923 17-jährig beim Baden in Eberswalde bei Berlin. Ihm widmete Tom ihr Buch «Die Fischreise» (1923), das von einem Jungen handelt, der vom Goldfisch Nickeling in ein neues Land getragen wird.

Tom Freud besuchte nach Anfängen 1910/11 in London die Schule des Königlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin-Charlottenburg. 1914 er-schien ihr erstes Werk, «Das Baby-Liederbuch». Sie brachte einen neuen Stil in die Kinderbuchliteratur und Kinderbuchillustration, zeigte sich anfänglich vom filigran-zarten Jugendstil beeinflusst, später auch vom Bauhaus und der frühen Neuen Sachlichkeit. Ausserdem wurde Tom für die beliebten musikalischen «Märchen-Nachmittage» berühmt, die sie mit ihrer Schwester Lilly veranstaltete – jener schönen mit dem Schauspieler Arnold Marlé verheirateten Lilly Marlé, die immer wieder als eine mögliche Muse für Hans Leip und sein weltberühmtes Lied «Lili Marleen» im Gespräch war. ( ...)

Psychoanalyse im Kinderbuch

Nach Ende des Ersten Weltkrieges 1918 zog Tom nach München und gehörte in Schwabing zum jüdischen Intellektuellenkreis um Gershom Scholem. 1920, in dem Jahr, in dem ihr Vater starb, ging Tom Freud nach Berlin zurück. Ihre Mutter Mitzi wurde im Juni 1942 gemeinsam mit ihren Schwestern Pauline und Dolfi ins nationalsozialistische Lager Theresienstadt deportiert und dann weiter ins Vernichtungslager Maly Traszjanez gebracht, wo sie ermordet wurde Tom heiratete Jakob (Jankew) Seidmannn und bekam im Juli 1922 ihre Tochter Angela (Awiwa). Das Ehepaar gründete den Peregrin-Verlag, der Übersetzungen jüdischer Religionsphilosophen herausbrachte, aber auch Toms Buch «Die Fischreise» verlegte, das, übersetzt von Chaim Nachman Bialik, auch auf Hebräisch erschien. Umgekehrt illustrierte Seidmann-Freud unter anderem einen Band mit hebräischen Kindergedichten, «Das Buch der Dinge». Ab 1927 arbeitete Tom Seidmann-Freud mit dem Berliner Verleger Herbert Stuffer zusammen und entwickelte mit ihm vier «Spielfibeln» und legte bis 1930 mehrere reformpädagogisch orientierte Bücher vor. Sie griff die grosse Tradition der Verwandlungs- und Kulissenbücher des 19. Jahrhunderts mit ihren beweglichen Zieh- und Drehbildern auf und entwickelte sie zeitgemäss weiter: Spielbücher wie «Das Zauberboot» beziehen die Kinder aktiv ein, lassen sie mitmachen und mitdenken. Die Bücher Seidmann-Freuds waren auch inhaltlich auf der Höhe der Zeit. Ihr 1929 erschienenes «Buch der erfüllten Wünsche» gilt heute als das Bilderbuch, das dem psychoanalytischen Denken in der Kinderliteratur zum Durchbruch verhalf ...(...)"

Aus einer umfassenden und ausnehmend kenntnisreichen Besprechung von Katja Behling vom 5. Mai 2017
in der schweizer Onlinezeitung "tacheles"

kultur-port.de

"(...) Werner Bokelberg, Starfotograf der Sechziger, heute bekannt als Sammler von historischen Fotos und Künstlerbüchern, legt ihr (Seidmann-Freuds, d. Red.) Buch der Hasengeschichten neu auf (Verlag Bokelberg, 26 Euro), Das Surreale, Tiefgründige ihrer Bilder habe ihn fasziniert, lässt er mitteilen. (...) Die meisten Geschichten behandeln die List des Hasen, manche sind heiter, auffallend viele düster und melancholisch, darunter die Geschichte des Hasen, der allein wohnt, weil er wegen seiner langen Ohren immer gehänselt wird. Wenn er doch mal einen Menschen sieht, legt er sie beschämt nach hinten."

tob in: Der SPIEGEL, vom 15.04.17

Die Künstlerin

Tom Seidmann-Freuds Leben war ebenso ungewöhnlich wie ihre Kunst. Als Nichte des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud 1892 in Wien geboren, wuchs sie ab 1898 in Berlin auf und gab sich bereits mit 15 Jahren den Männernamen Tom.

Rezensionen

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