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Beziehungsdynamiken besser verstehen

Tiefenpsychologisches Wissen für die psychiatrische Arbeit

Details

Verlag Psychiatrie Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 14.06.2020
Format 21,5 × 14 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Paperback
ISBN 9783884149386

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30,00 €


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Von Freud bis Fonagy: Tiefenpsychologisches Wissen in Psychiatrie und Sozialpsychiatrie zum Vorteil der Patientinnen und Patienten für die therapeutische Arbeit nutzen

Zu diesem Buch

Im Hintergrund psychischer Beeinträchtigungen stehen immer auch spezielle psychodynamische Einflussfaktoren. Zu lange ist dieses Wissen in der psychiatrischen Arbeit nicht beachtet worden, dabei bietet es gerade für den Beziehungsaufbau und die Vermeidung von Beziehungsabbrüchen mit psychisch erkrankten Menschen viele praktische Ansatzpunkte.

In diesem Buch werden nicht nur die psychodynamischen Modelle und Mechanismen im Überblick vorgestellt, auch die wichtigsten Störungsgruppen werden aus dieser Perspektive beleuchtet. Zahlreiche Praxisbeispiele machen deutlich: Wer tiefenpsychologische Dynamiken erkennt und versteht, kann besser mit erkrankten Menschen in Kontakt treten und bleiben.

Aus den Vorbemerkungen des Autors

"Das vorliegende Buch entspringt zwei persönlichen Erfahrungswelten: meiner sozialpsychiatrischen und psychotherapeutischen Tätigkeit in amb- ulanten und stationären Institutionen sowie meiner Lehrtätigkeit am Fach-bereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Fachhochschule Kiel. In meiner berulfichen Praxis bin ich psychischen Problematiken in vielfältiger Form begegnet. Meist in eher leichteren Formen bei Psychotherapie-Klientinnen und -Klienten, in häuifg sehr schwerwiegender Form bei Menschen, die ich sozialpsychiatrisch betreute.

Zu Beginn meiner Berufstätigkeit fühlte ich mich oft in einem Zustand zwischen Heraus- und Überforderung angesichts des Spektrums psychischen Leidens, mit dem ich konfrontiert war. Mein Bedürfnis, die betroffenen Menschen in ihren Konlfikten, in ihren extremen Gefühlszuspitzungen, in ihrer Verzweilfung an der Welt tiefergehend zu verstehen, war dementsprechend stark – vor allem deswegen, weil ich bei vielen Klientinnen und Klienten, die man bei oberlfächlicher Betrachtung leicht als »psychotisch«, »persönlichkeitsgestört« oder einfach »verrückt« abwerten könnte, zutiefst menschliche, existenzielle Problematiken erkannte, die eigentlich jedem Menschen begegnen können.

Dem Wechsel aus der Praxis in einer Hochschullehrer-Tätigkeit habe ich es zu verdanken, dass ich genügend gedanklichen Freiraum bekam, mir ein weitergehendes Verständnis für schwierige psychische Konlfikt- und Beziehungsdynamiken zu eröffnen. Geholfen hat mir dabei vor allem der tiefenpsychologische bzw. psychodynamische Ansatz. Insgesamt sind diese Ideen und Modelle, die sich aus der Psychoanalyse entwickelt haben, derzeit eher in der Gefahr, unpopulär zu werden. Angesichts dieser Tendenzen möchte ich mit diesem Buch versuchen, zu verdeutlichen, welches Potenzial in dem aktuellen psychodynamischen Wissen steckt. Die einzelnen Kapitel des Buches bauen nicht unmittelbar aufeinander auf, Quellenhinweise ifnden sich jeweils am Kapitelende.

Dieses Buch wäre nicht zustande gekommen ohne die Beteiligung von vielen Menschen, denen ich hier nur in allgemeiner Form danken kann: erstens den Klientinnen und Klienten, deren Lebenswege ich zum Teil nur kurz, zum Teil aber auch über viele Jahre begleiten konnte und von deren Problematiken sich hier viele wiederifnden, natürlich in anonymisierter Form. Und zweitens den Studierenden in Kiel, die mich durch ihr Interesse an sozialpsychiatrischen und psychologischen Themen immer wieder dazu motiviert haben, theoretisches Wissen so darzubieten, dass man es für die Praxis möglichst gut nutzen kann. (..)" -  Reinhard Lütjen

Inhalt

Vorbemerkung

  1. Eingeengt zwischen Kliniksehnsucht und Selbstentlassung — zur Einführung
  2. Vom Triebkonflikt zum Trauma: psychodynamische Zugänge im historischen Wandel Psychoanalytische Störungsmodelle im kurzen Überblick
    Der intersubjektive Ansatz in den psychodynamischen Theorien
  3. Innerlich verdrängen oder äußerlich abspalten: Abwehr und Abwehrmechanismen
    Die Verdrängung und andere Abwehrmechanismen
    Vom Abwehrkonzept zur Stressbewältigung
    Zur Klassifikation von Abwehrmechanismen
    Der subjektive Sinn von Abwehrmechanismen
    Die »negative therapeutische Reaktion«
  4. Vertrauen und Sicherheit oder Misstrauen und Distanz: Bindung und Mentalisierung
    Die Entwicklung des Bindungssystems
    Bindungstypen oder Bindungsstile
    Was haben psychoanalytische Theorien und Bindungstheorie gemeinsam?
    Kindliche Bindungsmuster und Beziehungsverhalten beim Erwachsenen
    Mentalisierung
    Bindungstypen und Mentalisierungsstörungen
    Mentalisierungsbasierte Therapie und Beratung
  5. Verwundung und Verstörung: Trauma und Traumatisierung
    Situationale und relationale Traumadefinitionen
    Traumafolgestörungen
    Trauma und Beziehungsgestaltung: Identifikation mit dem Aggressor
  6. Gegenseitige Gefühlsresonanz: Übertragung und Gegenübertragung
    Die Allgegenwärtigkeit von Übertragung und Gegenübertragung
    Konkordante und komplementäre Gegenübertragungsmuster
    Übertragung und Gegenübertragung bei spezifischen Krankheitsbildern
  7. Zwischen Grandiosität und Minderwertigkeit: Selbst-Theorie und Narzissmus
    Das Selbst
    Narzisstische Kränkungen und ihre Kompensationsmöglichkeiten
    Die Bewältigung narzisstischer Kränkungen
    Narzissmus als klinisches Phänomen
    Das Krankheitsbild der narzisstischen Persönlichkeitsstörung
    Narzissten in einer Helferbeziehung begegnen
  8. Zwischen Begeisterung und Verzweiflung: die Borderlineproblematik
    Grundlegende Überlegungen zur Objektbeziehungstheorie
    Die Besonderheiten der Borderline-Persönlichkeits-Organisation
    Hilfreiche Hinweise zum Umgang mit Borderlinebetroffenen
  9. Zwischen Selbstverlust und Weltverlust: psychotische Sphären
    Das psychodynamische Verständnis von Psychosen: psychotische Prozesse als Schutz- oder Bewältigungsmöglichkeiten
    Containing Schizophrene Kommunikation Die Fallen der Gegenübertragung bei psychotisch beeinträchtigten Menschen Psychopharmaka machen »psychoseunfähig«
  10. Gemeinsam das leuchtende Herbstlaub wahrnehmen: intersubjektive Bezogenheit und psychodynamische Achtsamkeit
    Intersubjektivität
    Die Trias »Präsenz — Gegenübertragung — Einsicht«

Der Autor

Reinhard Lütjen, Prof. Dr., ist Diplom-Psychologe und approbierter Psychotherapeut. Er lehrt am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der FH Kiel.

Rezensionen

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