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Arthur Schnitzler als Psycholog

Details

Verlag J.C.C. Bruns Verlag, Minden
Auflage/ Erscheinungsjahr 1913, EA
Format Gr.-8°
Einbandart/ Medium/ Ausstattung OKart.
Seiten/ Spieldauer 302 (3) Seiten, 1 Bl.
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-001670_AQ

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Grinstein 27010; Allen X, 102

Zu dieser Ausgabe

1. Ausgabe, erst 70 Jahre später wieder aufgelegt. Frühe Veröffentlichung über die Nähe zwischen einem Dichter und einem Psychoanalytiker, noch ganz in der Nähe Sigmund Freuds, dem dieser Titel im Druck auch eigens gewidmet ist, und der Reik seit 1910 gefördert hat.

Die bedeutende Monographie über den "Psychologen (und Psychoanalytiker) Arthur Schnitzler" aus der Feder des Freud-Schülers Theodor Reik (1888-1969), mit der er sich unter seinen Analytiker-Kollegen als ein Schnitzler-Spezialist und Literaturkenner profilierte.

In seiner Einleitung begründet Reik seine antiliterarische Methode: "Die folgende Untersuchung verzichtet von vornherein auf ästhetische Wertungen und verfolgt nur wissenschaftliche Zwecke. Sie behandelt die Gestaltungen der Dichtungen Arthur Schnitzlers als Objekte psychologischer Analyse; so, als wären sie wirklich lebende Menschen. Und das sind sie ja auch gewissermaßen: gelöste Teile seines Ichs, Abspaltungen seiner Persönlichkeit". Siehe: Heinrich Schnitzler, Christian Brandstätter und Reinhard Urbach (Hrsg.), Arthur Schnitzler. Sein Leben, Sein Werk. Seine Zeit. Frankfurt 1981. S. 109.

Der Autor, einer der herausragenden Köpfe der Wiener psychoanalytischen Gesellschaft, "stärkte mit diesem Buch Schnitzlers latentes Interesse an der Psychoanalyse von neuem" (Renate Wagner).

Aus dem Vorwort des Autors

"Die folgende Untersuchung verzichtet von vornherein auf ästhetische Wertungen und verfolgt nur wissenschaftliche Zwecke. Sie behandelt die Gestalten der Dichtungen Arthur Schnitzlers als Objekte psychologischer Analyse; so, als wären sie wirklich lebende Menschen. Und das sind sie ja auch gewissermaßen: gelöste Teile seines Ichs, Abspaltungen seiner Persönlichkeit. Sie betrachtet diese Gestalten unter den Gesichtspunkten einer neuartigen angewandten Seelenkunde: der Psychoanalyse.

Es sei mit einigen Worten erläutert, in welcher Art die psychoanalytische Methode in der Untersuchung gehandhabt wurde. Man wird bemerken, daß die einzelnen Teile des Buches ähnlich aufgebaut sind. Sie gehen von psychischen Details, von scheinbar unwesentlichen Besonderheiten im Erleben der Schnitzlerischen Personen aus und bemühen sich, von hier aus zu deren tiefsten, kompliziertesten und verborgensten Regungen vorzudringen. Professor Freud hatte die Liebenswürdigkeit, mich auf ein analoges Verfahren in der Kunstwissenschaft aufmerksam zu machen. Der Kunsttorscher Giovanni Morelli, bekannter unter seinem Pseudonym Iwan Lermolieff (1816—1891) erkannte, daß in vielen Galerien alte Bilder Meistern zugeschrieben wurden, die den Gemälden seiner Überzeugung nach völlig ferne standen. Er fand eine sehr geistreiche Methode, zugleich die Unrichtigkeit der von den Kunstgelehrten gemachten Angaben und den wirklichen Ursprung der Bilder zu erweisen. Seine „Kennzeichenlehre" geht davon aus, daß man die Bilder nach dem „Totaleindrucke" beurteile, und so kommt es, daß man oft irre und das Werk eines Fra Sebastiano del Piombo von den Gelehrten und dem Publikum als Bild Raffaels angesehen werde. Es ergab sich für Morelli daraus die Forderung, daß dem Totaleindruck nicht die Entscheidung über die Autorschaft zufallen dürfe, und er ersetzte ihn durch ein methodisches und minutiöses Studium der Bilderdetails. Er suchte die persönliche Art eines Malers nicht aus der Stoffwahl, aus der Farbengebung und Linienführung zu erkennen, sondern aus der jedem eigentümlichen Manier, die Fingernägel, die Ohrläppchen usw. zu gestalten. Er studierte die charakteristische Differenzierung in der künstlerischen Behandlung des Fingeransatzes, der Mittel- und Hinterhand, des Nasenflügels. Durch strenge Prüfung und Vergleichung dieser und ähnlicher Details gelang es ihm, bei vielen Bildern die Maler unwiderlegbar festzustellen. Morellis Methode, die sich so fruchtbar erwies, hatte eine heuristische Grundlage; sie behauptete nämlich, daß sich gerade in der Zeichnung der Details das Charakteristische und Kennzeichnende des Künstlers verrate. Dabei ist es in den meisten Fällen nicht anzunehmen, daß der Maler sich dieser seiner speziellen Art, etwa das Metacarpium zu gestalten, bewußt wäre. Es geschieht vielmehr ohne sein Wissen und Wollen — wir würden sagen: unbewußt.

Von ähnlichen leicht übersehbaren und doch verräterischen Details geht diese Untersuchung aus, und gleich dem Kennzeichenverfahren Morellis beruft sie sich auf ein Prinzip. Es ist dies die Grundansicht der psychoanalytischen Forschung, nämlich die durchgängige und ausnahmelose Determiniertheit des Seelenlebens und seiner Äußerungen, auch der kleinsten und unscheinbarsten.

Sollte diese psychoanalytische Arbeit geeignet sein, ein vertiefteres Verständnis eines so bedeutenden Dichters, wie Arthur Schnitzler es ist, zu ermöglichen, wen sollte das mehr freuen als uns, die wir in ihm nicht nur den Künstler, sondern auch den Kenner der Höhen und Tiefen der menschlichen Seele verehren?"

Theodor Reik

Inhalt

  • Die „Allmacht der Gedanken"
  • Das Problem des Todes
  • „Reigen" und Danse macabre
  • Seelische Wege der Eifersucht
  • Formen des Inzestmotives
  • Die Vater-Imago
  • Das Verhältnis zwischen Brüdern
  • Träume
  • Freunde
  • Das Janusgesicht der Zeit
  • Von der Gerechtigkeit des Dramatikers
  • Angewandte Seelenkunde
  • Unbewusstes im Dramatischen schaffen
  • Schlusswort

Der Autor

Theodor Reik arbeitete als Vertrauter Sigmund Freuds bis 1928 als Sekretär der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Danach wurde er Mitarbeiter am Berliner Psychoanalytischen Institut, bis er 1933 aufgrund der nationalsozialistischen Machtübernahme zur Emigration gezwungen war. Reik floh zunächst in die Niederlande, 1938 emigrierte er in die USA. 1948 gründete Reik die National Psychological Association for Psychoanalysis. Ihr angegliedert war eine Klinik, die seinen Namen trug. Die neue Vereinigung gab auch eine eigene Zeitschrift (The Psychoanalytic Review) heraus. In Berlin erinnert seit dem 29. Mai 2005 eine Gedenktafel an ihn, sein Leben und Wirken aus der Reihe mit Freud.

Zum Erhaltungszustand

Im Klassischen Fachantiquariat der SFB als ein Exemplar in der besseren Bindungsvariante und mit dem im Jugendstil gestalteten Einband. Innen ausnehmend frisch und offenbar ungelesen; ein schönes und sammewürdiges Exemplar. - In dieser Variante und Erhaltung selten.

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