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Als Freud das Meer sah

Essay - Freud wartet auf das Wort I - [Deutsche Erstausgabe]

Details

Verlag Ammann Verlag
Auflage/ Erscheinungsjahr 1. Aufl. 29.01.1999
Format 19,2 × 12 cm
Einbandart/ Medium/ Ausstattung Gebunden, mit SU
Seiten/ Spieldauer 184 Seiten
Gewicht 249
Reihe Freud und die deutsche Sprache, Band 1
SFB Artikelnummer (SFB_ID) SFB-001076_AC

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»Ein verblüffendes Buch über die Sprache«

Peter von Matt

Zu diesem Buch

Ein wunderbares Buch über die Sprache, die wie der Blutkreislauf unsere Existenz durchzieht. Goldschmidt, der gebildetste und feurigste Vermittler zwischen Frankreich und Deutschland, schreibt auf erstaunliche Weise über das Leben in zwei Sprachen und das Übersetzen. Leidenschaftlich und spannend öffnet er die Bedeutungsräume zwischen den beiden Sprachen, in dem Wissen, dass sich hinter dem Gesagten ungeahnte Kostbarkeiten verbergen.

Goldschmidt arbeitet heraus, warum gerade das Deutsche Sigmund Freud bei seinem Hinabtauchen in die Tiefen der Seele, in die Strömungen fern der Oberfläche, bei seiner Entwicklung der Psychoanalyse entgegengekommen ist. Er ist der Überzeugung, daß dieser nicht viel anderes tun mußte, als die deutsche Sprache zum Sprechen zu bringen, die deutsche Sprache für sich arbeiten zu lassen.

Inhalt

  • Widmung
  • Motto
  • Vorwort zur deutschen Ausgabe
  • Die Fluten der Sprache

I Freud und die Sprache

  1. 1. Das Unbewußte
  2. 2. Verdrängung und Wiederholung
  3. 3. Der Reim aufs ver- oder der Leib des Menalque
  4. 4. Die Strömungen des Meeres

II Das Unbewusste der Sprache

  • 1. Woran denkt die Sprache?
  • 2. Die Begierden und Zwänge der Sprache

III Gibt sich der Wahnsinn einem Wahn hin?

  • 1. Die Illusionen des Wahns
  • 2. Die Illusionen der Seele
  • 3. Die Seele zum Reden bringen

IV. Das Geständnis auf der Zungenspitze

  • Wie soll man es loswerden?
  • Der Diskurs über die Juden
  • Eine schweigende Auslöschung 0 Die Auslöschung auslöschen 0 Die Endlösung
  • »L'impense radical« / Das radikal Ungedachte
  • Ein großes Schweigen
  • Der Ort des Verbrechens
  • Die Gegenwart des Verbotenen
  • Das unsagbare Begehren
  • Die Bedingungen einer Analyse
  • Wahnwitz und Diskurs

Anhang / Literatur

Pressestimmen

»In einer Mischung aus sprachphilosophischem Essay und psychoanalytischer Assoziationsarbeit reflektiert Goldschmidt seine eigene Existenz als deutscher Jude in Paris, als Ueberlebender der Shoah und als Kind der drei wesentlichen Glaubensweisen: des jüdischen Monotheismus, des latent polytheistischen Katholizismus mit seinen Heiligen und des Protestantismus mit seiner Gnadenfrömmigkeit. Er unternimmt nicht weniger als einen Versuch, die Geschichte der Psychoanalyse und des Nationalsozialismus parallel zu lesen, immer in Hinsicht auf deren Umgang mit der deutschen Sprache.«

Der Standard, Wien

»Während einer internationalen Konferenz fragte ein französischer Politiker seinen deutschen Dolmetscher, warum übersetzen Sie nicht endlich? Er antwortete lakonisch: "Ich warte auf das Verb".

Solange das letzte Wort eines deutschen Satzes nicht ausgesprochen ist, bleibt sein Sinn in der Schwebe. Das muss auch Sigmund Freud bei seinen Patienten häufig erlebt haben, vermutet Georges-Arthur Goldschmidt. Deshalb der rätselhaften Buchtitel: "Freud wartet auf das Wort." Goldschmidt, der einige seiner Bücher auf deutsch verfasst hat, andere auf französisch, staunt über die Verschiedenheit der beiden Sprachen. Nirgendwo zeige sie sich treffender als beim Versuch, Freuds Prosa ins Französische zu übersetzen. "Wie sieht wohl das Deutsche auf französisch aus", fragt er sich.

"Die Schlüsselwörter des Freudschen Denkens sind im Französischen undurchschaubar. Freuds Texte liegen in jeder Sprache von Anfang an anders, sowohl was ihren Verlauf, als auch, was ihre Zugänglichkeit betrifft. Das "Sprachniveau" ist ganz unterschiedlich, und das hat nicht Freud so gemacht, sondern die Sprache selbst. (...) Jeder, der Deutsch kann, kann Freud auf Deutsch lesen, vorausgesetzt, er ist des Lesens mächtig; vielleicht ist der Sinn ihm "zu hoch", die Wörter sind es nicht. (...) Auf Französisch ist Freud keineswegs allgemein zugänglich, dazu muss man schon über ein ziemlich umfängliches Spezialvokabular verfügen."

Der Entdecker der Psychoanalyse schöpfte aus der Alltagssprache. Aus dem vorhandenen, nahezu unbegrenzten Sprachmaterial prägte er Begriffe wie "das Unbewusste", "der Trieb", "die Verdrängung". Der berühmte Freudsche Satz: "Wo Es war soll Ich werden" klingt auf Deutsch ziemlich harmlos. Ihn ins Französische zu übersetzen, ist zum Verzweifeln schwer. Das Wörtchen "es" ließe sich als "en" übertragen, bedeutet dann aber etwas anderes... Für "Ich" gibt es zwar zwei Wörter, aber keines passt so richtig. Französisch ist abstakt. Deutsch dagegen bildhaft.

"Ein Umkleideraum (vestaire) ist ein Raum, in dem man die Kleider wechselt; (...) Das Feuerzeug - briquet ist im Französischen nach seiner Ziegelform benannt, im Deutschen einfach in seiner Funktion beschrieben. Der Schuhlöffel nach seiner gebogenen Form, im Deutschen folgt die Form "Löffel" der Funktion: für den Schuh. (...) Das Krankenhaus - hopital - ist ein Haus für die Kranken, der Krankenwagen - ambulance - das Fahrzeug, das sie dorthin bringt. (...) All diese Wörter machen das, wovon sie sprechen, sichtbar, wahrnehmbar, fast körperlich spürbar: Wer poubelle hört, weiß nicht, wovon die Rede ist, der Mülleimer kippt einem den Mist vor die Füße."

Das klingt wie ein Lobgesang auf die deutsche Sprache. Aber so einfach macht es Goldschmidt seinen Lesern dann doch nicht. Die Möglichkeit, im Deutschen fast unbegrenzt Wörter zusammenzusetzen, zu kombinieren und neu zu "schöpfen", lädt auch zum Missbrauch ein. Beispiel: Die unsäglich raunende Prosa des Philosophen Martin Heidegger. Und war es wirklich nur ein Zufall, dass ausgerechnet die Nationalsozialisten so erfinderisch waren, wenn es darum ging, Wortungeheuer wie "Sonderbehandlung" und "Vergasung" hervorzubringen?

"Anders als viele seiner Zeitgenossen - selbst solche, die mit dem Nazidreck nicht das geringste zu tun hatten - hat Freud nie die unbegrenzten Verknüpfungsmöglichkeiten des Deutschen missbraucht; es ist eher die Kühnheit des Denkens als die vermeintliche Tiefe lexikalischer Zusammenhänge, die seine Schriften kennzeichnet. (...) Weglassen und Eingrenzen der unendlichen Möglichkeiten zeichnen die großen deutschen Schriftsteller aus; genau das hat Freud stets getan."

Im Deutschen kann sich jeder an der Überfülle der Sprache bedienen. Im Französischen ist es genau umgekehrt. Man muss versuchen, das vorhandene Vokabular bestmöglich zu nutzen. Wortschöpfungen sind nur sehr begrenzt möglich und daher selten.

Wie hätten Theorie und Praxis der Psychoanalyse ausgesehen, wenn sie zuerst in Frankreich entdeckt worden wäre, fragt Georges-Arthur Goldschmidt schließlich:

"Wenn die analytische Deutung nur durch und für die deutsche Sprache Sinn gehabt hätte, hätte es die Psychoanalyse nicht gegeben. (...) Auch wenn die deutsche Sprache auf ihre Weise der Psychoanalyse den Zugang zu ihrem Gegenstand erleichterte, hätte die Psychoanalyse doch andere Wege gefunden, wenn sie vor dem Deutschen in anderen Sprachen entstanden wäre; so kann nicht die deutsche Sprache Gegenstand der Analyse sein, sondern nur die, die sie sprechen."

Aus einer Rezension von Michael Schornstheimer in Deutschlandradio Kultur vom 12.07.2006, die unter dem Titel Die Bildhaftigkeit des Deutschen als Hilfsmittel der Psychoanalyse ausgestrahlt wurde.

Über den Autor

Georges-Arthur Goldschmidt, geb. 1928 in Reinbek bei Hamburg. Seit seiner Flucht aus Deutschland 1938 lebt er in Paris. Er schreibt in deutscher und französischer Sprache und übersetzte eine Vielzahl von Werken deutschsprachiger Autoren ins Französische, darunter Goethe, Nietzsche, Benjamin und Peter Handke. Goldschmidt ist Mitarbeiter verschiedener Feuilletons in Frankreich und Deutschland. Für seine Gedichte, Erzählung und Romane wurde er unter anderem mit dem Geschwister-Scholl-Preis, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Ludwig-Börne-Preis und der Goethe-Medaille ausgezeichnet. 2005 erhielt er den Joseph-Breitbach-Preis und 2007 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Kulturstiftung Erlangen für sein übersetzerisches Gesamtwerk ausgezeichnet.

Lieferbarkeit

Im Archiv der SFB ist dieser begehrte Titel in verlagsfrischen und folienverschweißten Archivexemplaren noch verfügbar; beim verlag vergriffen.

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